Kultur | 15.01.2007

Altrocker zünden das Feuer

Um sechs Uhr beginnen junge und alte Fans von The Doors sich anzuhäufen. Niemand debattiert über Ian Asbury, für alle ist klar: Niemand ersetzt Jim Morrison, den Lizard King. Doch das Konzert darf man nicht verpassen, auf der Bühne stehen immerhin die Leute, die Morrison gekannt haben wie niemand anders.
Ian Asbury ähnelt Jim Morrison zwar äusserlich... Fotos: Tatjana Rüegsegger Bringt mit rauer Stimme aber neue Farbe in die alten Doors-Hits. Altrocker Ray Manzarek präsentierte sich voller Energie, wie damals als er noch mit Morrison spielte und die Menge zum Kreischen brachte.

Wie bei jedem anderen Konzert verkaufen die, die ein Ticket zu viel haben ihr Glück weiter, auch wenn man eigentlich meinen würde, unter diesen Leuten etwas mehr „Hippie-Attitude“ zu finden. Anyway, alle sind glücklich und nervös die Riders on the Storm zu sehen. Ob das wohl unter dem Einfluss von LSD ist?

Intensiv, wie zu Doors-Zeiten

Ein paar Minuten nach neun Uhr erklingt ein Lied, das wohl dem Einmarsch von Göttern gewidmet wurde. Und sie kommen: Riders on the Storm. Die Vorurteile gegenüber Asbury fallen, denn die Musik ist unverwechselbar und immer noch gleich intensiv, wie damals bei den Doors mit Jim Morrison. Die ersten Klänge von „Roadhouse Blues“ ertönen, das Publikum im Saal beginnt zu schreien und der Boden zittert in jedem Sinne des Wortes.  

„I just wanted to say that I’m so sorry that we have such a morron as a president. I just heard that he wanted to send more troupes down to Irak. What a Morron. I don’t know what happened man, I mean one time was bad enough but he has been elected twice. So we’re gonna try to make it better in 2008 and bring some peace and love and harmony to the world.“  

Unter dem Motto „Make this fucked up world change“ singen die ROTS ein Lied nach dem anderen und improvisieren immer wieder aufs Neue. Ray Manzarek entschuldigt sich im Namen Amerikas für ihren Präsidenten und spielt dafür das Lied „Five to one“.  

Viele der Besucher sind überraschenderweise zwischen 19 und 25 Jahre alt. Sie werfen Joints auf die Bühne, wie in alten Zeiten. Nur die alten Zeiten sind nicht mehr dieselben, denn Asburys Kommentar dazu fällt nüchtern aus: „Don’t waste your lunght on that shit“. Jim Morrison hätte sicher nicht so reagiert.  

Asburys Morrison-Show

Dass Ian Asbury Morrison ähnelt, war bekannt. Dass er sich jedoch mit Bart kaum mehr von ihm unterscheidet, erlebte man an jenem Abend im Zürcher Volkshaus. Asbury zog eine Show à  la Morrison ab, die aber perfekt zu ihm passte und das ganze Auftreten der Band nicht ins Groteske führte. Diejenigen, die Angst gehabt hatten, enttäuscht zu werden, waren positiv überrascht.  

Nachdem die Altrocker weniger bekannte Songs wie „Spanish Caravan“, „Waiting for the sun“ und „The Changeling“ gespielt haben, folgen die Songs, die alle hören wollen: „Love me two times“, „Touch me“, „Whiskey bar“, „Riders on the storm“ und zum Schluss „Light my fire“. Songs wie „The End“, „People are strange“ und „Moonlight drive“ werden überaschenderweise nicht gespielt. Vermutlich weil sie einfach nur von dem einen gesungen werden konnten und Morrisons Improvisations-Reisen auf diesen Songs einfach zu bekannt sind.  

Kein Ersatz  

Die Band machte es von Anfang an klar: Asbury ist kein Ersatz, er ist die Erneuerung. Er versucht keineswegs Morrison nachzumachen, weder im Gesang noch in den Ansprachen.

Im Gegenteil, Asbury singt mit seiner rauen Stimme jegliche Ähnlichkeiten zu Morrisons Stimme weg. Einzig seine intensiven Tanzschübe kommen einem sehr bekannt vor. 

Mehr als zwei Stunden spielten die Riders on the Storm nonstop. Ein Beweis, dass Manzarek und Krieger die gleiche Energie haben wie damals mit dem Lizard King.