01.01.2007

A long way down

Text von Rahel Bachmann
Vier Personen - wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten - wollen sich unabhängig von einander am Silvesterabend vom Londoner Topper's house ins Januarloch stürzen und kommen sich bei diesem Vorhaben in die Quere.

Die verzweifelte Mutter Maureen, der abgehalfterte Fernsehmoderator Martin, die junge, durchgeknallte Politikertochter Jess und der erfolglose Musiker JJ wollen ihrem Leben aus unterschiedlichen Gründen ein Ende setzten, aber alle möchten das gerne alleine tun. Weiss der Himmel, warum keiner von uns daran gedacht hatte, dass es an einem bekanntermassen für Selbstmörder attraktiven Ort am Sivesterabend zugehen würde wie auf dem Picadilly Circus, aber an diesem Punkt der Ereignisse akzeptierte ich die schnöde Realität: Wir waren auf dem besten Weg, aus einem feierlichen und privaten Moment eine Farce und ein Massenspektakel zu machen. Die Vier kommen ins Gespräch, tauschen sich über ihre Motive aus und steigen schliesslich gemeinsam wieder vom Dach. Sie ziehen die ganze Nacht lang um die Häuser und versuchen erfolglos wenigstens Jess’s Probleme zu lösen. Am Morgen steigen sie nochmals aufs Dach und blicken über das erwachende London, an Selbstmord denken sie noch alle, aber sie schieben den Zeitpunkt hinaus: sechs Wochen, bis zum Valentinstag sollten es alle durchhalten.

Doch nicht alle sind begeistert nun zu dieser Art Selbsthilfegruppe zu gehören, Martin möchte keine Verantwortung übernehmen. Dennoch lässt er sich überreden und als die Geschichte um ihren Selbstmordpakt von der Presse breitgetreten wird, kommen sie so wie so nicht mehr drum rum zusammenzuspannen. Als dann Jess in einem Interview erzählt, sie wären nicht gesprungen, weil sie ihnen ein Engel erschienen sei, ist das Chaos perfekt. Wenn Freunde und Familie und Exlover am nächsten Morgen ihre Zeitung aufschlugen, konnten sie nur einen von zwei möglichen Schlüssen ziehen: 1). dass wir alle endgültig einen Sprung in der Schüssel hätten oder 2) dass wir schamlose Betrüger wären. Okay, streng genommen gab es noch eine dritte Möglichkeit – dass wir die Wahrheit sagen.

Ohne kitschig zu werden, versteht es Nick Hornby auf den rund 300 Seiten den vier deprimierten Protagonisten wieder Hoffnung in ihr Leben zu schreiben und ihnen neue Türen zu öffnen. «Also«, fragte Jess, «will irgendwer springen?« Niemand sagte etwas, denn das war keine ernst gemeinte Frage mehr, und so lächelten wir nur.

Ein tolles Buch um sich zu Beginn des Jahres in Erinnerung zu rufen, dass das Leben schön ist und dass man zu seinen Freunden halten soll – in guten wie in schlechten Zeiten.


A long wy down, Nick Hornby, KiWi Verlag, Köln 2005

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