Kultur | 18.12.2006

„Unser Job ist der beste der Welt“

Text von Martin Sigrist
John Engelbert und Ossi Bonde aus Stockholm haben in ihrem Heimatland bereits grosse Erfolge gefeiert und wurden kürzlich neben Mando Diao für den Schwedischen Grammy nominiert. Tink.ch traf Johnossi vor ihrem Konzert in Zürich auf ihrem Backstage-Sofa und fragte nach, wie es sich so als tourendes Duo lebt.
"Wir machen Musik für uns": John (rechts) und Ossi. Fotos: Martin Sigrist Reporter Martin von Tink.ch mit John und Ossi.

Wie geht es euch?

John: Das Leben auf Tour ist gut, macht viel Spass, aber du vermisst dein Zuhause.

Das klingt ja nicht sehr glücklich.

Ossi: (lacht laut) Ja, aber wir sind schon so lange auf Tour. Das ist jetzt unser Leben. Es ist schön, wenn man touren kann, aber nicht wirklich kreativ und bedeutet auch Arbeit. Meistens fühlt es sich jedoch nicht danach an, denn unser Job ist der beste der Welt.  

Ihr versucht, ausserhalb Schwedens Fuss zu fassen. Worauf kommt es an, ob ihr hier Erfolg haben werdet?

Ossi: Dass wir immer wieder vor neuen Leuten auftreten können, dass sie uns zuhören und aufwachen. Wenn die Leute uns mögen, werden sie es ihren Freunden erzählen. Ich glaube nicht an MTV und dergleichen, um unsere Musik zu promoten. Ich glaube eher an das Internet und wie gesagt an Konzerte.

John: Wir arbeiten hart und wollen unseren Erfolg Stück für Stück aufbauen, Land für Land. Das ist besser als ein Erfolg über Nacht und nichts kommt hinterher.  


Ist es gut für euch, mit einer Band wie Mando Diao zu touren?

Ossi: Mando Diao sind wohl die perfekte Band zum touren. Da sie so unglaublich bekannt sind, können wir jede Nacht vor tausenden von Menschen spielen.

John: Es ist toll, denn ihr Publikum passt wunderbar zu unserer Musik.  


Ist es nicht sehr anstrengend, immer in ihrem Schatten zu stehen?

Ossi: Wir sehen das nicht so, denn es ist ihre Show, und ihr Publikum ist toll. Aber die Leute kommen auch zu unserem Auftritt, nicht wie in Schweden, wo sich niemand für die Vorband interessiert und alle erst kurz vor dem Auftritt des Headliners kommen. Hier ist der Saal schon eine halbe Stunde nach Türöffnung voll.

John: Die Konzertkultur ist hier viel besser als in Skandinavien.  


Warum mag das so sein?

Ossi: Es scheint, als hätten die Leute hier Musik erst gerade entdeckt, Musik zu der man springen und schreien kann. Das ist schön anzusehen. Ich weiss zwar nicht warum, aber hier scheint es noch etwas Besonderes zu sein, an ein Konzert zu gehen.

John: Ja, die Leute interessieren sich wirklich dafür, sie wollen alles sehen was geboten wird. In Schweden ist der Fokus nur auf den Headliner gerichtet.  


Sind die Leute in Schweden schon müde von all der heimischen Rockmusik?

Ossi: Ja, das mag sein. Wir sind verwöhnt in Schweden. Es gibt so viele schwedische Bands, hinzu kommt der Einfluss aus England. Dass ein schlechter Hiphop-Act vor 50’000 Leuten spielt, würde in Schweden kaum passieren, denn es wird nur angehört, was gerade cool ist.  


Ist es hilfreich, als Band aus Schweden zu sein?

Ossi: Auf jeden Fall. Schwedische Bands haben einen sehr guten Ruf. Sogar in New York werden die Leute aufmerksam, wenn man aus Schweden kommt. Trotz allem sollte es vor allem um die Musik gehen und nicht woher wir kommen.  

Es wird immer wieder diskutiert, dass ihr in der Band nur zu zweit seid.

John: Zu zweit ergibt sich ein eigener Stil, so ganz ohne Bass, dafür mit viel Gitarre. Wir wollen die Musik so, darum bleiben wir zu zweit.

Ossi: Wenn Leute es so nicht mögen und das Gefühl bekommen, dass wir zu dritt sein sollten, dann ist unsere Musik vielleicht nichts für sie, dann sollten die sich Bands mit Bassisten anhören. Wenn jemand Bass will, dann soll er doch seine eigene Band mit Bass gründen. Wir machen die Musik in erster Linie für uns selber.  


Kümmert euch Kritik noch?

Ossi: Nicht wirklich, aber vielleicht nur, weil wir vor allem gute Kritik bekommen.

John: Da sind wir wohl etwas verwöhnt, bisher waren die Kritiken immer sehr gut. Und wenn wir doch mal eine schlechte bekommnen, dann war es halt ein schlechter Journalist, der sie geschrieben hat.

Ossi: Bands sind immer glücklich, wenn ihre Musik gemocht wird. Kritiken sind wichtig, denn die Leute lesen sie, hören dadurch das das erste Mal von uns und entscheiden, ob sie an unsere Konzerte kommen oder nicht. Mit der Musik hat das aber sehr wenig zu tun und wir können nicht davon abhängen, was die Journalisten sagen. Wir können deshalb nicht einfach in Panik geraten oder uns zurück lehnen.    

Es hat bei euch alles so perfekt angefangen…

John: Ich glaube nicht, dass wir perfekt angefangen haben, aber sehr schnell, vielleicht zu schnell. Wir hatten noch keine Erfahrung mit dem Musikgeschäft, gerade in Sachen Plattenverträge und Management. Wir haben einfach unterschrieben, haben die Platte aufgenommen und fertig. Danach kamen gleich die guten Kritiken und eine grosse Tour mit der Schwedischen Band Soundtrack Of Our Lives. Erst dann haben wir gemerkt, dass die Arbeit mit unserem damaligen Label keine gute Idee war. Wir mussten plötzlich sehr viel lernen und kamen ins schleudern mit der Band und all den Dingen neben der Musik. Es war also nicht perfekt, nein, und das ist es noch immer nicht. Aber wir kommen voran. Solange es vorwärts geht, ist es gut.

Ossi: Es ist wohl nie perfekt. Du hast das Ziel, dass alles perfekt sein sollte, aber du wirst da nie hinkommen. Also bleibt dir nur der Weg dorthin.  


Wie habt ihr es mit Journalisten, die versuchen, eure Texte zu interpretieren?

John: Das ist eine Frage der Freiheit der Musik. Jeder soll interpretieren, denn Kunst bedeutet für jeden etwas anderes. Für uns ist das kein Problem. Denk doch nur, welche Musik du mit 11 oder 12 gehört hast und was die Texte damals bedeutet haben. Wenn du dir dieselbe Musik jetzt wieder anhörst, ist das etwas völlig anderes.

Vielleicht ist es eine Frage des Geschmacks, oder in welcher Stimmung du warst, als du einen Song das erste Mal gehört hast. Vielleicht warst du glücklich, oder dein Herz gebrochen. Es geht dabei immer um deine persönlichen Gefühle und Erfahrungen. Da kann dir doch niemand etwas vorschreiben oder vordenken.

Album und Tour


Das Debut-Album von Johnossi trägt den Namen der Band und ist bei V2/TBA erschienen.

Im Februar ist das Schwedische Duo auf Solotour durch Deutschland. Da kommen die beiden wieder in die Nähe.

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