Gesellschaft | 04.12.2006

Plattform für junge Radiomacher

Text von Janosch Szabo
Matthias von Wartburg und Jonas Inhelder sind radiobegeistert. Beim Aufbau von Radio-Factory haben die beiden junge Nidauer viel Ausdauer bewiesen. Im Interview reden sie über die Anfänge, die erste moderierte Sendung, und berichten von der aktuellen Reorganisation.
Matthias von Wartburg, 20, und Jonas Inhelder, 19: Die beiden Projektleiter von Radio Factory. Fotos: Raina Inhelder Das Studio im Haus der Jugendarbeit Nidau ist bestens eingerichtet.

Radio-Factory, das klingt ziemlich unternehmerisch.

Matthias: Wir sind aber überhaupt nicht profitorientiert und höchsten ein Unternehmen im Sinne, dass verschiedene Leute ihre Beiträge beisteuern. Das Resultat aus unserer kreativen Fabrik ist das Radio.


Ihr macht Radio für Jugendliche. Was heisst das für euch?

Jonas: Wir wollen gute Unterhaltung bieten. Den jungen Leuten soll es Spass machen, Radio-Factory einzuschalten und zuzuhören. Und natürlich ist es auch unser Ziel, jungen Leuten, die gerne Radio machen wollen, eine Plattform zu bieten, wo sie ihre Ideen und Visionen verwirklichen können. Denn es gibt viele, die als Kind schon mal eine Kassette in den Recorder getan, den Moderator imitiert und Radio gespielt haben.


Woher kommt diese Faszination fürs Radiomachen?

Matthias: Man baut etwas zusammen, was andere Leute dann hören. Das ist eine ziemlich aufregende Sache. Man kann seine Ideen einbringen.

Jonas: Mich interessieren auch die Audiotechnik und das Internet. Manchmal bin ich stundenlang hier im Studio am tüfteln. 

In den ersten Monaten gab es auf Radio-Factory ein Mal pro Woche, jeweils am Dienstag, eine moderierte Sendung zu hören.

Jonas: Ja, da hatte eigentlich so ziemlich alles drinnen Platz. Wir haben die Sendung jeweils einem Thema gewidmet.

Matthias: Einmal hatten wir das Thema blind, mit einem blinden Studiogast, der von seinem Leben erzählt hat, ein andermal das Thema Weltreise, und als Patent Ochsner im Kreuz in Nidau auftraten, haben wir ein Interview mit Büne Huber gesendet. 

Diese erste Testphase ist nun aber vorbei und ihr plant eine Reorganisation.

Matthias: Stimmt. Die Dienstagssendung wird ab sofort von einer Fun-Sendung abgelöst. Neu gibt es am Mittwoch den Factory-Talk. Da reden wir jeweils mit einem Studiogast. In der ersten Sendung am 6. Dezember wird das der Bieler Musiker Sebastian Portillo sein.

Jonas: Ausserdem wird es noch eine Agenda geben, die wir anfangs Woche aufzeichnen und von Zeit zu Zeit abspielen. Weitere Sendungen sind in Planung.

Was braucht es um eine gute Sendung zu produzieren?

Jonas: Mehr, als man denkt, wenn man so zuhört. Es ist nicht einfach ein „Mikrofon anstellen, ein bisschen reden, Mikrofon abstellen“. Man muss sich auch den Details widmen, den Übergängen und Effekten. Man muss es gut machen, obwohl es gleich schon wieder vorbei ist. 

Matthias: Auch die Vorbereitungszeit für eine Sendung darf man nicht unterschätzen. Wenn man wirklich etwas Spannendes machen will mit Specials, Studiogästen und Reportagen, muss man früh mit der Planung beginnen. Das wichtigste ist dennoch die Idee für eine Sendung, die auch die Hörer interessiert. 

Ein Meilenstein in der Geschichte von Radio-Factory liegt schon ein bisschen zurück. Am 26. September 2006 seid ihr mit eurer ersten moderierten Sendung online gegangen. Was war das für ein Gefühl?

Matthias: Ich war extrem nervös. Wir sassen da so vor dem Bildschirm, der Regler ging rauf und wir sagten „Willkommen, Radio Factory, die erste Sendung“. Und dann das grosse Aufatmen.

Jonas: Wir haben lange darauf hingearbeitet, fast eineinhalb Jahre. Der Weg von der Idee bis zu dieser ersten Sendung war mit viel Arbeit verbunden und manchmal auch mühsam.


Ein Radio lebt, wenn es Hörer hat. Hat Radio-Factory Hörer?

Jonas: Bisher haben vor allem unsere Kollegen reingehört. Jetzt sind wir aber auch für Hörer gerüstet, die uns nicht kennen. Für die braucht es mehr. 

Wer von euch beiden ist eigentlich auf die Idee gekommen ein Webradio aufzubauen?

Jonas: Das war ich. Vor etwa zwei Jahren bin ich auf das Webradio Unique (Anm. d. Red. Es existiert unterdessen nicht mehr) gestossen und habe das Gefühl gehabt, dass wir auch so etwas machen könnten. Das fand auch Matthias, als ich es ihm erzählte und gemeinsam begannen wir zu phantasieren und Visionen aufzubauen. Das war aber alles nicht so realistisch und noch am gleichen Tag haben wir beschlossen, dass so ein Projekt zu zeitaufwändig sei.

Matthias: Unsere Abmachung war, die Idee einzufrieren, und sie später wieder hervorzuholen.

Jonas: Aber schon eine Woche später mussten wir uns gestehen, dass wir beide insgeheim, gegen die Abmachung, recherchiert hatten, was ein Internetradio so ist und wie das funktioniert.  


Der Startschuss zum Projekt fiel also schneller als geplant.

Jonas: Ja, und als erstes haben wir uns mit der Jugendarbeit Nidau zusammengesetzt und ihnen unser Projekt vorgestellt. Sie wollten anfangs noch nicht so ganz dran glauben,…

Matthias: …haben uns dann aber doch einen Raum für das Studio zur Verfügung gestellt. Laut unserem Terminprogramm wollten wir am 1. Januar 2006 starten. Daraus wurde aber nichts.

Der ganze Aufbau zog sich in die Länge. Wie habt ihr es geschafft, das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren?
Jonas: Es war die Hoffnung, irgendwann mal moderieren zu können. Wir haben uns das vorgestellt und uns daran erfreut.

Matthias: Wichtig war auch, dass wir im Kernteam zu zweit waren und uns gegenseitig motivieren konnten. Einer allein hätte den Elan für all das wohl nicht aufgebracht.

Heute umfasst euer Team bereits rund 20 junge Radiomacher. Können noch weitere mitmachen?

Jonas: Ja klar, alle, die interessiert sind, Radio zu machen. Und das heisst nicht unbedingt Moderieren, denn daneben gibt es noch viele andere Jobs. Wir können auch Leute brauchen, die im Hintergrund mithelfen, an der Technik zum Beispiel, oder Leute, die ihre Musik präsentieren und Sendungen mitgestalten. Wer Interesse hat, kann sich direkt bei uns melden.

Matthias: Die Leute sollen keine Hemmungen haben, wir sind offen für Neues. Motivation ist das Wichtigste.

Party im Pooc


Radio-Factory feiert die Reorganisation am Donnerstag 7. Dezember mit einer Party im Bieler Club Pooc. Los geht es um 18 Uhr. Bis zwei Uhr früh werden verschiedene DJ’s auflegen. Matthias von Wartburg und Jonas Inhelder sind mit ihrem Radioteam auch vor Ort.

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