Gesellschaft | 18.12.2006

News aus der Provinz

Text von Dominik Lüdi
Letzten Samstag war «Chlouseparty« im «Mad Wallstreet« in Bern. Ich war dort, obwohl ich normalerweise hier in Langenthal verweile.

Wieso? Ein Bekannter, so ein typischer «Club-Bueb«, der jedes Wochenende mit denselben Leuten im Auto seiner Eltern durch die halbe Schweiz rast, um sein Geld in möglichst vielen Clubs loszuwerden, hat mir den Tipp gegeben.

Ich muss mal

Wir waren zu viert im Zug nach Bern, zusammen mit topgestylten Partypeople, die in Burgdorf ihr Glück suchten. Im Zug heisst es dann: Vortrinken und Geld sparen. Die meisten, der aus der Presse bekannten, jugendlichen «Rauschtrinker«, werden nicht durch die teuren Drinks an den Partys in ihre komatösen Zustände versetzt, sondern erleben ihr wöchentliches blaues Wunder durch die brutale Überdosis, die sie sich schon vor der Party zugeführt haben. Im Bahnhof Bern angekommen wollte ich aufs WC. Fehlanzeige. Ein «WC« musst du lange suchen in Bern. Der Spass heisst «McClean« und kostet einen stolzen Franken! McClean? Tönt für mich wie eine entfernte Abzockerfiliale des bekannten «McDonalds«! Muss man den heute wirklich schon für jeden «Scheiss« bezahlen«? Oder für noch weniger? Bei uns in Langenthal jedenfalls hat’s noch ein traditionelles gratis WC.  Das stinkt zwar, aber was soll’s. Ein Bahnhof-WC eben!  

Diskriminierung in der Warteschlange

Das lustige am «Wallstreet« ist: Es liegt direkt im Bahnhofkomplex. Man muss nur den Aufzug nehmen und zusammen mit denjenigen aussteigen, die am meisten Schminke bzw. Gel am Kopf haben. Vor dem Club hiess es dann: «Frauen bitte rechts, Männer links anstehen.« Da standen sie also, all die Männer, und mussten zuschauen, wie das andere Geschlecht lächelnd an ihnen vorbeizog, während sie von «Broncos« befummelt wurden. Hammas-Führer haben es da fast einfacher in den Gazastreifen zurückzukehren, als wir Männer in einen solchen Club zu gelangen. Zum Glück ist so was den meisten Männern ziemlich egal, und mir ehrlich gesagt auch. Wäre ja noch schöner, wenn wir Männer wegen der ganzen Geschlechterdiskriminierung auch noch zu jammern anfangen würden. Auf jeden Fall gab’s beim Eintritt für jeden eine «Samichlouse-Mütze«. Die hatte zwar wahrscheinlich weniger wert als einmal pinkeln bei «McClean«, aber immerhin.  

Börsencrash

Nun muss man wissen, dass sich im «Wallstreet« die Getränkepreise ähnlich verhalten wie die Aktienkurse an der Börse. Jedenfalls war der Kurs meiner Lieblingsdrinks ziemlich günstig und ich gesellte mich zu zwei hübschen «Samichlousinnen« an die Bar. Das dauert übrigens ca.5 Minuten, weil die Leute so eng standen, dass man ohne zu wollen zum Grabscher mutierte.   Börsencrash An besagter Bar erlebte ich kurzerhand 3-4 Börsencrashs und tätigte aus meiner guten Position diverse Hamsterkäufe. Zu meinem Erstaunen wurde ich, obwohl zeitweise 3 Drinks vor mir standen, von keiner der sympathischen «Samichlousinnen« um einen Drink gefragt, was eindeutig für diesen Club spricht (und auch für die weiblichen Weihnachtsmänner).  

Um einen eigenen Börsencrash zu verhindern wagte ich mich auf die Tanzfläche, wo rauchende Männer versuchten, die wild tanzenden Frauen möglichst nicht mit ihren Zigaretten zu entflammen. Nach einem Techtelmechtel mit einer der besagten Frauen fragte ich sie, woher sie denn komme: «Woher ich komme? Aus Langenthal!«