Gesellschaft | 16.12.2006

Kaufrausch in der Weihnachtszeit

Für manche sind die Adventszeit und das kommende Weihnachtsfest die schönste Zeit des Jahres, für andere bedeutet all das nur noch Kommerz, Kauf und Verkauf. In Bern findet man beide Seiten.
Glitzernde Kugeln am traditionellen Tannenenbaum. Fotos: Julian Perrenoud, Wanja Knausz Gemütliche Atmosphäre auf dem Weihnachtsmarkt. Trotz fehlendem Schnee - die Bäume wurden geschmückt. Handgemachte Kerzen an einem Marktstand. Von schön bis kitschig. Ab wann ist etwas kommerziell? Das Bundeshaus im "weihnächtlichen" Kleid. Frische, knusprige Mailänderli.

Die Hauptstadt versucht vorweihnächtlichen Glanz und Winterstimmung zu verbreiten: Überall stehen bunt geschmückte Bäume, Adventsbeleuchtungen brennen 24 Stunden am Tag und Tannenzweige zieren den Weihnachtsmarkt in der Spitalgasse vor dem Bundeshaus, das in ein dickes Umbaukostüm eingewickelt ist. Nicht nur die Verkäufer der Läden und zahlreichen Stände versuchen vom bunten Treiben Profit zu schlagen, sondern auch viele Hilfsorganisationen und Institutionen, die von jungen Leuten auf der Strasse vertreten werden. Der Weihnachtsrummel kurz vor Heilig Abend ist nicht zu übersehen. Doch die wirklich fröhliche und weihnächtliche Atmosphäre findet man nur auf dem Markt.  

„Schön, wenn die Familie zusammenkommt“

In den grossen Verkaufshäusern geht es hektisch zu und her. Gestresste Käufer drängen durch die überfüllten Gänge zwischen der riesigen Auswahl an Weihnachtsprodukten-Produkten. Leicht überforderte Verkäufer packen in grösster Eile bunte und protzige Artikel in glänzendes Geschenkpapier. Besonders beliebt scheinen Parfums, Computerspiele, teure Markenkleider und Sportartikel zu sein. Der Kommerz hat auch in der Schweiz, bereits seit einigen Jahren, Einzug gehalten, unaufhaltsam.

„Mich stört die ganze Hektik nicht mehr gross, da ich eh nie in Weihnachtsstimmung bin“, sagt René Reimann aus Ins gelassen und meint mit einem Achselzucken: „Am liebsten würde ich sowieso einfach von diesem Rummel davonlaufen.“ Nach kurzem Überlegen fällt ihm aber auch ein positiver Aspekt dieser Zeit der Liebe ein: „Es ist immer wieder schön, dass einmal im Jahr die ganze Familie zusammenkommt.“  


Ruhe und Hektik

Einige Strassen weiter duftet es nach frischen Mailänderli. An schmalen Ständen vor den Läden werden die kleinen Köstlichkeiten verkauft. Für Verena Zürcher, die gerade zufrieden durch die Gässchen schlendert, ist klar, dass sie vom ersten Advent an immer in weihnächtlicher Stimmung ist. „Ja ja, die kommt immer. Ich muss ja diesen Kommerz nicht mitmachen. Weihnachten hat für mich persönlich nach wie vor dieselbe Bedeutung wie früher und das geniesse ich“, erklärt die Bernerin mit einem Lächeln.

Gerade presst sich eine Schlange von Menschen in ein Tram Richtung Bahnhof, vollbepackt mit Geschenkboxen. Fiera Monte sieht dem Treiben schmunzelnd zu. Sie brauche einen solchen Stress nicht, meint die in Bern wohnhafte Mutter, „denn wir haben das Schenken bei uns abgeschafft“. Es gebe zwar immer noch einige, wenige „Pflichten“, die sie habe, „doch das sind dann eher Gutscheine und kleinere Geschenke, die von Herzen kommen“, sagt sie.  


Weihnachten trotz Rummel und Kommerz

Auf dem Waisenhausplatz riecht es nach Tannenwald. In Bern hat nämlich gerade der offizielle Weihnachtsbaum-Verkauf begonnen. „Ich habe in diesem Jahr einen künstlichen Baum. Wenn es aber mal ein echter sein soll, dann kaufe ich den in der Stadt und nicht auf dem Land“, sagt Dirk Kretke aus Zollikofen. Er ist selber äusserst aktiv am Weihnachtsrummel beteiligt. „Ich bin sehr wohl in einem Rausch, aber nicht in einem Kaufs-, sondern in einem Verkaufsrausch“, sagt der Besitzer eines Marktstandes zufrieden.

Trotz viel Kommerz, warmem Wetter und der fehlenden weissen Pracht kommt Weihnachten immer näher, auch in Bern. Obwohl mittlerweile Jeder oder Jede etwas anderes unter dem Weihnachtsrummel und der traditionellen Adventszeit versteht.