Kultur | 11.12.2006

Ian Flemings 007

Text von Stephan Weber
Zum ersten Mal wird der britische Geheimagent James Bond so dargestellt, wie er ursprünglich in den Büchern von Ian Fleming beschrieben wurde. Der Engländer Daniel Craig ist der neue Geheimagent, der derzeit für Schlagzeilen sorgt. Auch Tink.ch ist mit einer Filmkritik dabei.
Casino Royale: Flemings erster Bond-Roman ist seit Ende November im Kino. Daniel Craig: Der neue Geheimagent ist kantig, etwas ungeschliffen und blond. Zum 21. Mal Spannung vom Anfang bis am Schluss.

Ian Fleming, der Erfinder des Erfolgsagenten James Bond, wäre von Daniel Craig sehr wahrscheinlich begeistert. Gefühlsvoll, eine gebrochene Persönlichkeit und innere Dämonen: So wollte Fleming seinen 007. Dazu muss man jedoch sagen, dass Fleming einen schwarzhaarigen und eleganten Agenten beschrieb. Craig ist beides nicht. Er ist kantig, etwas ungeschliffen und vor allem blond. Doch alle Kritiker die Daniel Craig in die Pfanne schlugen, haben sich gewaltig geirrt. Der 38-jährige Engländer passt perfekt in die Rolle.  

Bond-Darsteller an der Premiere

Am 16. November war die offizielle Schweizer Bond-Premiere des ersten Fleming-Romans „Casino Royale“. Doch etwas unterschied diese Premiere von den anderen, nämlich, dass Bond-Darsteller Daniel Craig höchstpersönlich anwesend war. Letztmals besuchte 1969 ein Bond-Darsteller die Schweizer Premiere. Damals war es George Lazenby, in „Im Geheimdienst ihrer Majestät“. Interessanterweise war Lazenby ebenfalls ein sehr umstrittener Darsteller. Später galt „Im Geheimdienst ihrer Majestät“ jedoch als einer der besten Bond-Filme.

Ausser Craig waren auch die Bond-Girls Eva Green und Caterina Murino auf dem roten Teppich des Abaton Kinos in Zürich zusehen. Eine Woche später startete dann „Casino Royale“ offiziell in allen Schweizer Kinos. Wer tags darauf am Freitagabend im Abaton Kino in die halb Neun Uhr Vorstellung ging, erlebte sein blaues Wunder. Vom 14-jährigen Schüler bis zum 80-jährigen Grossvater: Alle betraten das frühere Cinemax Kino beim Escher-Wyss Platz in Zürich mit Neugier in den Augen. Und wenn man die Gesichter nach der Vorstellung betrachtete, sah man, dass an den Gerüchten um Daniel Craig nicht viel dran gewesen sein kann.    


Adieu, Wodka Martini

Trotzdem dürfte mancher Bond-Fan ein wenig enttäuscht sein. Weder Q noch Monepenny sind in „Casino Royale“ zu sehen. Auch den berühmten Wodka Martini – geschüttelt nicht gerührt, bestellt James Bond nicht mehr. Als der Kellner James fragt, ob er den Martini lieber geschüttelt oder gerührt haben wolle, antwortet dieser energisch: „Sehe ich so aus, als ob mich das interessieren würde?“ Aber das Verzichten auf solche Details passt irgendwie zum neuen Bond. Craig ist nicht mehr der elegante Frauenheld, wie Connery, Moore oder auch Brosnan ihn spielten. Nein, der neue Agent mir der Lizenz zum Töten ist kaltblütig und hat einen enormen Killerinstinkt. Vielleicht ist dies der Anfang einer neuen Bond-Ära. Der Zeitpunkt wäre auf jeden Fall gut. „Casino Royale“ ist Ian Flemings erster Roman und nun der 21. Bondstreifen. Garantiert ist auch, dass James Bond in einem 22. Abenteuer zurückkehrt. Daniel Craig hat für drei Filme unterschrieben.

Natürlich mit Happyend

Zurück zu „Casino Royale“. Der Film ist spannend, vom Anfang bis zum Schluss, auch wenn er mit seinen 147 Minuten etwas lange geraten ist. Interessanterweise stirbt Bond-Girl Vesper Lynd (Eva Green) kurz vor Ende des Films. Auf ein Happyend konnte Regisseur Martin Campell, der vor allem für die beiden Zorro-Filme bekannt ist, jedoch nicht. Der Film endet dann doch noch mit dem wohl berühmtesten Satz der Bondgeschichte: „Mein Name ist Bond….  James Bond.“

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