Gesellschaft | 11.12.2006

Die Schweiz – Land der Ideen?

Text von Lailo Sadeghi
Jeder Mensch hat Ideen. Um ihnen einen Platz zu geben, hat DRS2 auf den Rat eines Hörers hin eine Ideenbörse lanciert. Dadurch hat nebst logisch Nachvollziehbarem, einfach Banalem und genial Durchdachtem auch Kurioses und Verrücktes das Licht der Welt erblickt.

Der Radiosender DRS2 legte am 2. Dezember in der Sendung „Hörpunkt“ den Schwerpunkt auf das weitschweifige Thema „Idee“ und eröffnete eine Ideenbörse. Diese kam gut an und stiess auf Widerhall, denn vermutlich ist die Schweiz ein Land der Ideen.

Da Windeln nur im Grosspaket erwerbbar sind, braucht es laut einem Familienvater mit dem Pseudonym „May“ ein Baby-Survival-Kit, das ausgestattet mit zwei Windeln, einer Papierwickelunterlage und einer Packung Feuchttücher, den perfekten Windelspass für unterwegs bietet. Als weiteres Beispiel die Idee von Monique R. Siegel: Die leer stehenden Büroräume – von denen es (zu) viele geben soll – dazu zu nutzen, allein stehenden und einsamen Senioren und ebenfalls allein stehenden und einsamen Jugendlichen ein Zuhause zu bieten. Die mittleren Etagen werden dabei als Gemeinschaftsräume gebraucht. So würde Generationenkonflikt und Wohnungsmangel abnehmen. Zudem bekämen Vereinsamte, Drogensüchtige und Suizidgefährdete eine gewisse Geborgenheit.

Zahlreiche Ideen wurden eingegeben, die von Nutzwert, Originalität und Kreativität nur so strotzen. Die Ideen, welche aufgrund der Verschiedenheit nicht wirklich zusammenfassbar sind, haben durchaus Zukunftscharakter vorzuweisen. Allerdings mangelt es am Willen zur Umsetzung. Die Gesellschaft bietet dafür kein passendes Gefäss. Ideenbörsen sind ein Anfang. Doch könnte die Schweiz ihr Potential in grösserem Masse nutzen und davon profitieren, als sie es bisher tut. In viel grösserem Masse.  

Tink.ch sprach mit Michael Luisier, Moderator von DRS2, der das Projekt Ideenbörse sozusagen gestartet hat und in Zukunft auch weiterführen wird.

Haben sie gewusst, dass die Schweizer Bevölkerung so viele Ideen hat?

Ja. Ich habe es gehofft. Jeder Mensch hat Ideen und möchte diese in einem gewissen Rahmen teilen und präsentieren. Ich war aber doch überrascht, dass so viele Leute ihre Ideen mit anderen teilen wollten.  

Welche Idee hat Sie am meisten fasziniert?

Das ist schwierig zu sagen. Ich habe zwei Stunden mit den Leuten telefoniert und auf dem Internet wurden ganze acht Seiten voll geschrieben.

Eine Idee, die mir spontan in den Sinn kommt, ist die eines Mannes, der sich ein Handy vorstellt, auf dem man sein Partnerprofil speichert. Und wenn man sich einer Person nähert, die auf dieses Profil passt, piepst das Handy. Aber natürlich waren auch sehr viele ernstere Ideen dabei.  

Was würde passieren, wenn man alle diese Ideen umsetzen würde?

Es würde uns allen besser gehen, weil es viele neue Sachen gäbe, die uns das Leben erleichtern. Es würde auch der Wirtschaft etwas bringen. Denn es kamen Ideen auf, die Potential hätten Verkaufsschlager zu werden.  

Haben denn alle diese Ideen nebeneinander Platz?

Ich denke schon. Sie würden einander nicht blockieren. Aber die Idee allein macht eben nur zwei Prozent aus. Der Rest, die Umsetzung und Finazierung also, braucht dann viel mehr Geduld und Durchhaltewillen.  

Haben sie Tipps für Ideenentwickler, wie sie ihre Idee am besten umsetzen können?

Jemanden finden der mithilft. Einer hat Geld und möchte damit etwas Gutes unterstützen und vielleicht auch daran verdienen, und ein anderer hat eine Idee aber kein Geld. Diese müssen sich irgendwie finden. Vor allem muss man es wagen, seine Idee zu präsentieren und damit an die Öffentlichkeit zu gehen. Man muss an seine Idee glauben, zu ihr stehen und versuchen sie gegen alle Widerstände umzusetzen. Es kann sein, dass Leute sie als Schwachsinn bezeichnen, einen auslachen, oder die Idee klauen. Je stärker man aber an etwas glaubt, desto höher ist die Chance, dass es umgesetzt wird.

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