Kultur | 25.12.2006

„Die Leute wollen keine teuren Bilder“

Kunstwerke zu günstigen Preisen, das bietet der Kunstsupermarkt in Solothurn. Verschiedene Künstler verkaufen ihre Bilder ganz billig. Einer davon ist Philippe Mendel aus Müllheim. Das Interview.

Sie bieten eine Auswahl von Ihren Werken am Kunstsupermarkt in Solothurn an. Neuland für Sie?

Nein, es ist keine neue Welt für mich. Ich wirke mittlerweile seit drei Jahren an Kunstsupermärkten mit, sowohl in der Schweiz als auch in Deutschland.

Wie kamen Sie auf die Idee, sich für den Kunstsupermarkt anzumelden?

Am Anfang wusste ich noch nichts über den Kunstsupermarkt. Einige Kunden aus Basel, die mich an einer Ausstellung in Müllheim in Deutschland besuchten, brachten mich auf die Idee. Übers Internet habe ich dann meine Bewerbung nach Solothurn abgeschickt.

Es werden Bilder zwischen 99 und 599 Franken verkauft. Worin lag die Motivation, extra eine passende Auswahl an Bildern anzufertigen?

Die Bilder sind natürlich schon extrem günstig. Die Preise decken die Unkosten nicht mehr als zu 50 Prozent ab. Einige Künstler wissen auch, dass die Besucher und Käufer nicht sehr kritisch an einen Kunstsupermarkt gehen. Für meinen Teil ist es eine gute Chance endlich meine Werke zu verkaufen, denn der Verkauf von Kunst ist nicht immer profitabel, vor allem für Künstler, die noch nicht an den grossen, internationalen Ausstellungen mit dabei sind. Der Erfolg limitiert sich dabei aber auf die Komplimente, die man erhält. Das ist zwar schön und gut, aber Komplimente allein machen einem nicht immer berühmt.

Arbeitet man bei solch günstigen Werken weniger lange an einem Bild oder wo haben Sie eingespart, was ist schlechter?

Am Kunstsupermarkt beginne ich zu experimentieren. Ich probiere neue Stile und Techniken aus und ich weiss beim Kunstsupermarkt aus Erfahrung, dass die Leute keine teuren Bilder kaufen, die ihnen gefallen. Für mich gibt es wirklich keine schlechten oder schönen Bilder. Wenn ich nach meiner Ansicht schlecht male, dann verkaufe ich das Gemälde auch nicht.

Gibt es Unterschiede zwischen den Kunstansprüchen in der Schweiz und in Deutschland? Und nehmen Sie auf solche Rücksicht?

Ich habe wirklich den Eindruck, dass gewisse Unterschiede zwischen der Schweiz und Deutschland bestehen, aber nicht im Bereich des Supermarktes. Ich habe aber bemerkt, dass Bilder, die mehr ins Klassische gehen, in Solothurn mehr Erfolg haben als am Kunstsupermarkt in Frankfurt. Liegt es an der Gesellschaft? Das ist möglich. Es kann auch einfach am Alltag liegen, den man vielleicht in Deutschland anders wahrnimmt als in der Schweiz.

Von wo holen Sie die Inspiration und Ideen für Ihre Bilder?

Ich nehme meine Inspiration fürs Malen aus meiner Liebe zu Katalonien und dem Mediterranen. Die von der Sonne verbrannte Erde, der salzige Wind und der gute Wein, den man bei einem Essen probiert. Das ist eine Art von reichem Leben für alle Bewohner. Aber weil ich jetzt das Meer und diese Stimmung nicht habe, sind für mich auch andere Themen wichtig geworden, wie zum Beispiel die Schönheit der Frauen und die menschlichen Gefühle.

Können Sie Ihre Techniken, die sie zum Malen verwenden, erklären?

Ich verwende quasi nie einen Pinsel und arbeite eigentlich immer mit den Händen und einem Spachtel auf einer Papierrolle. Ich liebe diese Materie. Die Farbe muss vom Bild hervorkommen, damit es für mich stimmt. Ich verwende übrigens auch praktisch nie eine Skizze für meine Werke. Ich gehe direkt mit meinem Instinkt, meiner Leidenschaft und meiner Spontaneität an die Leinwand heran.

Wie kamen Sie zu diesem Malstil und wann haben Sie mit dem Malen begonnen?

Mein Stil ist eine Fortentwicklung, die sich mit der Zeit und wahrscheinlich mit der Materie gebildet hat. Viele Künstler beginnen mit sehr unterschiedlichen Malstilen. Ich denke, dass jeder Einzelne eine für sich logische und instinktive Entwicklung durchmacht. Ich male seit dem zehnten Lebensjahr. Ich wurde von der Freiheit angelockt. Ich habe diese freie Art zu malen mir selber angelernt. 

Reichen die Erträge, um von dieser Passion zu leben?

Ich habe vier Kinder, was zur Konsequenz hat, dass ich momentan auf Arbeitsuche bin. Es müsste etwa in der Höhe eines Professors sein, um das Minimum abzudecken. Ich verzweifle aber nicht an dieser Situation. Das Geld von den Bildern würde aber nicht reichen, um davon zu leben.

Haben Sie momentan noch eine andere Serie Bilder an einer Ausstellung? Wenn ja, wo und zu welchem Thema?

Ich habe momentan noch eine Ausstellung in der Stadtbibliothek im deutschen Neuenburg. Ab kommendem Januar 2007 bin ich auch noch am Kunstsupermarkt in Frankfurt mit einigen Werken vertreten.