20.11.2006

Wiena Hundstrümmerl

Text von Anita Kupper
Die grösste Gefahr beim kurzen Gang von unserer Haustüre über die Lange Gasse bis zum Lebensmittelladen auf der anderen Strassenseite sind weder zu schnelle Autos noch unachtsame Radfahrer. Nein, die grösste Gefahr sind die Hundstrümmerl. Teil 1 der Serie Wiena Gschichtln.
Herrl und Frauerl müssen es endlich lernen. Plakat der Stadt Wien.

Seit Mitte September lebe ich nun in der Josefstadt, im 8. Bezirk der Stadt Wien. Mit ihrem Charme zieht die Weltstadt Fremde schnell in ihren Bann. Die geschichtsträchtigen Gebäude, die lebendigen Plätze, die versteckten Gässchen, die altmodischen Fiaker, die verrauchten Kaffeehäuser und der farbenfrohe Naschmarkt: In Wien gibt es sehr viel zu entdecken. Die Stadt fasziniert immer wieder aufs Neue.

Daneben gibt es auch noch den Wiener Alltag, der ebenso Erstaunliches zu bieten hat. Als Schweizerin und selbsternanntes Landei aus dem Züri Oberland, werde ich jeden Tag mit den Eigenheiten dieser Stadt und ihrer Bewohnerinnen und Bewohner konfrontiert.  

 
Schon früh wurde ich gewarnt: Schau immer, wo du hintrittst, sonst klebt die warme braune Masse an deinem Schuh und du kriegst den ganzen Tag den unverwechselbaren Gestank nicht mehr los. Bis jetzt hatte ich Glück, aber die Chancen, das Hundekotproblem am eigenen Leib zu spüren, sind gross.

Trotz allem Charme – in Wien sind zu viele braune Würstl zwischen eng geparkten Autos zu finden. Die Wiener Bevölkerung und ich freuen sich daher, dass sich die Stadt Wien sehr dafür einsetzt, diesen Zustand zu ändern: In einer stark präsenten Kampagne fordert ein Jack-Russell-Terrier seit Anfang Oktober alle Herrl und Frauerl der Stadt auf: „Nimm ein Sackerl für mein Gackerl“.  

Trotz der bis zu 72 Euro hohen Busse, die die Wiener Polizei von Hundebesitzerinnen und Hundebesitzern bei Liegenlassen von Hundekot einfordern darf, scheint das Problem noch nicht aus den Wiener Gassen zu sein. Im Gegenteil, in den letzten Tagen hatte ich das Gefühl, die Hundstrümmerl hätten sich vermehrt. Ein Wiener meinte schmunzelnd dazu: „Das ist doch logisch, das traditionelle Martini-Gansl-Essen ist schuld daran.“ Ich kann mich glücklich schätzen, dass ich während den kommenden Weihnachtsfeierlichkeiten und ausgedehnten Festessen zu Hause in der Schweiz bin.

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