Kultur | 27.11.2006

Vielfalt an der Swiss Comedy Gala

Text von Janosch Szabo
Zwei blitzgeschwinde Wortakrobaten, ein Duo aus der Ferne, ein Zauberer mit Witz und ein Abwart mit Recyclingwagen: Die Swiss Comedy Gala türmte im Miller's Studio einen bunten Haufen Schweizer Komikkunst auf. Auffallend war die grosse Vielfalt der auftretenden Künstler. Zum Lachen brachten sie das Publikum allesamt.
Viel Show und Geplapper an der Swiss Comedy Gala. Fotos: Janosch Szabo Alles andere als Ohrengenuss: Musik-Kasperett des Duos Zärtlichkeiten mit Freunden. Verkleideter Zauberer: Michel Gammenthaler als Frau Heggenschwiler mit einem Kartenset. Verkrampfte Auflockerungversuche der Assistentin. Margrit Bornet, die Verwandlungskünstlerin. Veri, der Abwart hat seinen Recyclingwagen im Schlepptau. Sprudelnde Wortakrobatik: Das Duo Pasta del Amore.

Einzige ausländische Gäste an diesem Abend in Zürich waren die Gewinner des Swiss Comedy Award, das Duo Zärtlichkeiten mit Freunden. Und wie schon knapp zwei Wochen zuvor im KKL in Luzern boten sie auch im Miller’s Studio wieder eine kurze aber stechende Show.  

Schräges Musik-Kasperett

Was sie unverwechselbar macht, ist diese gekonnt gespielte Distanz. Da tratschen zwei auf der Bühne die längste Zeit über ostdeutsches Kleinbürgerleben, über das Punktespiel im Quartier und Frau Meissners Kniescheibe, die wegen einer Blutgrätsche heraussprang und wieder angetackert werden musste, und das Publikum starrt gebannt zur Bühne, als wäre das etwa spannend. Und es wartet auf ein Konzert, denn da ist ein grosses Schlagzeug aufgebaut, ein Notenständer und eine E-Gitarre. Doch die musikalischen Einlagen sind kurz und alles andere als Ohrengenuss. Zärtlichkeiten mit Freunden machen nicht etwa Rock, sie machen Musik-Kasperett. Eine bisher nie gesehene Form der komischen Künste, die hier mit viel Kulisse protzt und da im nächsten Augenblick mit absoluter Schlichtheit besticht. Mit gezielten Pointen, die aus dem Nichts hervorspriessen. 

Bezauberndes Geldfischen

Schlicht präsentierte sich auch Michel Gammenthaler, zumindest in Sachen Kleidung. Ganz in schwarz kam er hinter dem Vorhang hervor und wollte nicht recht ins Bild der bunten lustigen Comedians passen. Doch Zeit um Nachzudenken blieb den Zuschauenden nicht. Schon fischte der Zauberer allerhand Münzen aus der Luft. Man konnte beim besten Willen und auch bei angestrengtem Hinschauen nicht erkennen, was da vor sich ging und blieb zwangsläufig etwas perplex im Dunkel des Saales sitzen.        

Verkrampfte Auflockerung

Durch den Abend führte Annette Corti wild, dynamisch und ungestüm als Henriette Hilpert und verkrampft und scheu als Hilperts Assistentin. Letztere Rolle zog sie derart konsequent durch, dass man tatsächlich Mitleid mit der stotternden Assistentin bekam. Diese sollte für Auflockerung zwischen den Nummern sorgen, ihre Intermezzi jedoch führten viel eher zu einer verkrampften Atmosphäre, zwischendurch unterbrochen von einem Lacher, wenn die Assistentin ihren Lieblingswitz, ihr Lieblingslied oder ihre Lieblingseselsbrücke vorlas.  

Weihnächtliche Stimmung

Während sich Crusius & Deutsch als schräge Serviertöchter um eine Weihnachtsstimmung bemühten und ihre Version von Josef und Maria natürlich in Versform vorgetragen mit dem Satz „Ig bi verchrazet überall, jetzt gänds öis huere Siech en Stall“ beendeten, präsentierte Margrit Bornet ihre Verwandlungskünste. Mal kam sie als hippe coole Jugendliche auf die Bühne, mal als braves Schulmädchen und dann wieder als die Mutter der beiden. Kurze durchaus amüsante Einlagen. Mehr Zeit nahm sich Veri, der Abwart. Er kam zur Hintertür herein mit einem klapperigen Wagen aus und voll Recycling-Material im Schlepptau. Nachdem er diesen auf die Bühne gehievt hatte, begann er zu plaudern und zu tratschen, über Hindermoos und Sicherheitsvorkehrungen und vieles mehr.  

Präzises Geplapper

Richtig Dampf gaben zum Schluss Christian Gysi und Bruno Maurer als Duo Pasta del Amore. Ihre Wortakrobatik steigerten sie, bis dass sie halbe Wörter im dauernden Wechsel plapperten und das ganze erstaunlicherweise nach einem fliessenden Satz tönte. Einmal die Zuschauer in ihrem Bann, fuhren sie allerlei Wortspielerei auf, fanden, dass eine, die am längsten den Atem anhalten kann, Miss Lungä heissen sollte und die Gescheiteste Miss Bildung. Entschuldigten sich aber sogleich für diesen bei genauem Betrachten etwas groben Ausrutscher und kamen auf Berufe zu sprechen. Ein Gärtner müsste Tom Ate heissen, befand Christian und Bruno gab dem Tontechniker den Namen Mik Chegger. Glück gehabt, der Junge.      

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