Gesellschaft | 20.11.2006

Projekte für mehr Friedenskultur

Text von Janosch Szabo
Vom 16. bis 17. November trafen sich in Genf rund 120 Schülerinnen, Schüler, Lehrerinnen und Lehrer zur Jahrestagung der Unesco-assoziierten Schulen. Der Anlass war dem Thema Menschenrechte und Kultur des Friedens gewidmet.
Was können wir gegen die Armut tun bei uns uns anderswo? Schwierige Fragen an der Jahrestagung der Unesco-assoziierten Schulen. Fotos: Janosch Szabo Fröhlicher Auftakt: Der Zirkus Rustelli Confetti bot eine begeisternde Vorstellung. Botschafter Blaise Godet sprach über die Menschenrechte... ...und zog die Aufmerksamkeit des Publikums trotz langer Rede auf sich. Engagierte Gruppenarbeit: Lehrer und Schüler erarbeiten gemeinsam Projektideen.

Zum Auftakt der Jahrestagung, an der 36 Unesco-assoziierte Schulen teilnahmen, gab es eine halbstündige Vorstellung des Zirkus Rustelli Confetti der Rudolf-Steiner Schule Genf. Die Gastgeber zeigten eine wirklich atemberaubende, witzige und bunte Show, an der Schülerinnen und Schüler aller Klassen, von der ersten bis zur zwölften, mitwirkten.

Menschenrechte und deren Überprüfung

Nach dieser fröhlichen Einstimmung hielt Botschafter Blaise Godet ein engagiertes Referat zum Thema Menschenrechte. Er sprach von Pakten der Uno, Konventionen und Deklarationen, von der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte aus dem Jahre 1948 und von einem Menschenrechts-Komitee, das periodisch auf der ganzen Welt die Einhaltung der Menschenrechte prüft  und dorthin, wo sie missbraucht werden, Experten schickt. Zur Schweiz sagte Godet, der Chef der ständigen Mission der Schweiz bei der Uno ist: „Wir verteidigen die Menschenrechte. Sie sind allgemeingültig.“

Armut, Ausländer, Rassismus

Nach einer Pause wurden die Teilnehmenden auf den praktischen Teil des Treffens eingestimmt. Zuerst mit Präsentationen von vier bereits erfolgreich durchgeführten Projekten zu der Menschrechts- und Kultur des Friedens-Thematik und gleich anschliessend mit einem Input zu Projektkonzeption und -realisierung. Ausgerüstet mit dem Merkblatt „Von der Idee zum Konzept“ verteilten sich schliesslich alle auf die acht Ateliers, drei davon für die Französischsprachigen und jedes mit einer spezifischen Fragestellung, wie zum Beispiel „Was können wir tun gegen Armut bei uns und anderswo?“ oder „Que faire pour l’intégration des étrangers?“ Zu diesen Fragen nahmen jeweils Fachpersonen von verschiedenen Institutionen und Organisationen Stellung und führten die mit Schülern und Lehrern durchmischten Gruppen in die Thematiken ein. So zum Beispiel Glenda Loebell, Anti-Apartheid Aktivistin in Süd-Afrika und Gründerin der Bewegung SOS Rassismus Deutschschweiz, die das Atelier „Wie bekämpfen wir Diskriminierung und Rassismus?“ begleitete.

Spannende Projektideen

Am Donnerstagabend gab es zwar noch keine konkreten Ansätze für Projekte, am nächsten Morgen aber wurde in den Ateliers konzentriert gearbeitet. Die Stimmung war engagiert und die Dynamik der Gruppen sehr unterschiedlich. Mal waren es eher die Lehrerinnen und Lehrer, die den Ton angaben und vorwärts preschten, mal eher die Schülerinnen und Schüler. Trotz knapp bemessener Zeit konnten schliesslich noch vor dem Mittag acht spannende Projektideen im Plenum präsentiert werden.

Dabei überraschte vor allem die Gruppe, die sich mit der Frage „Que faire pour favoriser l’intégration des étrangers?“ auseinandergesetzt hatte. Ihr Vorschlag war es, ein Videospiel zu lancieren, in dem die Helden Missionen in anderen Ländern erfüllen müssen. Dabei entdeckt der Spieler die anderen Kulturen und deren Feinheiten, wodurch sich seine Vorurteile abbauen und die Ausländer hierzulande besser integriert werden. Ausgeklügelte positive Manipulation.

Verständigung, Austausch, Annäherung

In der Gruppe zwei hatte man sich ebenfalls mit den Vorurteilen beschäftigt und ein Projekt entwickelt, das einen interreligiösen Austausch zum Ziel hat und dazu Vertreter verschiedener Religionen mit einbindet, damit den Leuten ein Einblick in andere Welten ermöglicht werden kann, durch Musik, Tanz, Schrift, Kunsthandwerk.

Auch die Projektidee aus dem Atelier mit Glenda Loebell beinhaltet eine Plattform für kulturellen Austausch. Die Ziele sind klar: Verständigung, Austausch und Annäherung der Kulturen mittels regelmässig stattfindender Anlässe mit Essen, Musik, Filmen oder Theatervorstellungen. Daran sollen Jung und Alt, Schwarz und Weiss teilnehmen, damit gemischte Gruppen entstehen. So werden Vorurteile abgebaut, die oft ein Grund für Rassismus sind.

Das Ganze sehen

Den Abschluss des Jahrestreffens machte Pierre Varcher, Präsident der Sektion Bildung und Gesellschaft der Schweizerischen Unesco-Kommission. In seiner Rede lobte er die Motivation der Jugendlichen, etwas Konkretes zu machen, forderte aber auch zum Nachdenken auf und dazu, dass die Schulen als Ganzes die Werte der Unesco miteinbeziehen sollten und nicht bloss deren Unesco-Gruppen. Das Zentrum seiner Ansprache bildete ein Zitat von Edgar Morin: „Das Ganze ist mehr als die Summe der einzelnen Teile.“

Die Projektideen


Die Projektideen werden nun zunächst von den Vertretern jeder Arbeitsgruppe in digitale Formulare eingefüllt. Danach sollen sie in absehbarer Zeit auf der Website der Unesco gesammelt präsentiert werden und als Inspirationsquelle dienen. Unesco-Gruppen von assoziierten Schulen können sich diese Ideen holen und realisieren.

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