Gesellschaft | 14.11.2006

Presse ohne Grenzen

Text von Claudia Peter
Die Europäische Jugendpresse (EYP) tagte mitten in Berlin in einem modernen Glasbau der Handelsunion mit roten Teppichen. Aus ganz Europa waren die nationalen Vorstände zur GV angereist. Die Vertreter zwölf verschiedener Medienorganisationen trafen sich am 28. Oktober, um über Presse und die Welt zu diskutieren.
Anna aus Schweden (rechts) ist neu im Vorstand der EYP. Fotos: Claudia Peter Jahresberichte, Finanzberichte, Eventmagazine…. Saule vertritt die EYP ab sofort in Brüssel.

„Warum sind wir hier?“, fragt Katrin, Vorstandsmitglied der Deutschen Jugendpresse, einigermassen ironisch zu Beginn der Generalversammlung der EYP. Einige Anwesende scheint dieselbe Frage zu beschäftigen. Noch etwas unsicher schauen sie sich um, versuchen diese Organisation mit den hier anwesenden Gesichtern in Verbindung zu bringen. Von diesen hat es in der Tat viele. Altbekannte aber auch ganz viele neue, die das erste Mal überhaupt dabei sind. So nehmen erstmals auch Jugendliche aus Armenien, Moldawien, Mazedonien und Spanien teil. Zudem sind natürlich auch die bisherigen Mitgliederländer  Frankreich, Deutschland, Polen, Österreich, Ungarn, Schweden, Russland und die Schweiz vertreten.  

Ich berichte, also bin ich

Weshalb wir hier sind, wird spätestens bei einem Blick auf die Traktandenliste klar. Sie ist lang. Zuerst kämpfen wir uns durch alle organisatorischen Angelegenheiten, durch Länderberichte, Finanzberichte und Vorstandsberichte, denn schliesslich hat jede und jeder etwas zu berichten. Und das dauert – gut einen halben Tag.

Auch Junge Medien Schweiz, der nationale Verein für junge Medienschaffende, informiert über seine Aktivitäten des letzten halben Jahres. Die zwei wichtigsten Projekte waren das Bodenseecamp an Pfingsten mit gegen hundert Jugendlichen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz und das Seminar Resun Europa, in dessen Rahmen Jugendliche aus ganz Europa während der Jugendsession an einem Eventmagazin arbeiteten und über Jugendpartizipation in Europa diskutierten.  

Der Arbeitsplan der EYP für das kommende Jahr ist nicht weniger ehrgeizig. Trainingskurse, eine Sommerakademie sowie ein Eventmagazin über das All- russian festival stehen auf dem Programm – natürlich auch noch vieles mehr.  

Qual der Wahlen

Um all diese Aufgaben bewältigen zu können, müssen noch zwei neue Vorstandsmitglieder gewählt werden, da ebenso viele auf Ende Jahr zurücktreten. Magnus, Mitglied der Schwedischen Jugendpresse, unterstützt die Kandidatur seiner Vorstandsgenossin: „Anna ist eine grossartige Präsidentin und sehr motivierend.“ Auch der zweite Kandidat, Dumitru aus Moldawien, wird gelobt. „Ich habe erlebt, dass Dumitru eine Person ist, mit der es einfach ist, zusammen zu arbeiten“, meint Robert aus Ungarn. Schlussendlich werden beide deutlich gewählt. Sie sind doch auch die einzigen Kandidierenden.

Weniger reibungslos verläuft die Wahl eines neuen Mitglieds für die Revisionskommission. Als es zur Abstimmung kommt, melden die polnischen Delegierten an, dass sie gar niemanden wählen möchten. Sie verlangen, dass zuerst darüber abgestimmt werden soll, ob überhaupt jemand gewählt werden muss. Naja, abstimmen scheint beliebt. Die Zeit ist ja unendlich und Besseres zu tun, haben wir auch nicht. Schlussendlich wird Magnus, der Schwede, gewählt – ganz demokratisch und geheim.  

Reif für Brüssel

Bereits entschieden war, wer das neue Büro der EYP in Brüssel führen wird. Zum Glück, Wahlen in Ehren.

Wer international dabei sein will und etwas von sich hält, der hat sein Büro oder zumindest eine Adresse in Brüssel. Die EYP hat seit kurzem beides. Das neue Hauptquartier liegt nur wenige Minuten von den EU-Institutionen entfernt. Nach langer Suche hat die EYP nun auch eine Leitungsperson gefunden: Saule Dagilyte aus Litauen. Sie hat zwar wenig Erfahrung im Medienbereich, dafür umso mehr mit der EU und den Behörden. „Einer meiner Werte ist, dass ich nicht nur den Weg gehen will, sondern auch Resultate möchte“, meint sie beim Vorstellen. Dies kann sie schon bald beweisen. Die kommenden Jugendmedientage, die normalerweise in Deutschland stattfinden, sind im Frühling 2007 in Brüssel zu Gast. Bis es so weit ist, muss noch viel organisiert werden. Es soll ein Medienanlass der Superlative werden. 600 junge Journalistinnen und Journalisten werden unter anderem über Politik und Medien, Zeitschriftenproduktion und Rethorik diskutieren. Zudem besteht die Möglichkeit das Europäische Parlament kennen zu lernen.  

Ein Blick nach Afrika

Nebst dem Schritt nach Brüssel wagt die EYP auch den Sprung auf den afrikanischen Kontinent. Im Sommer sollen einige Mitglieder eine Jugendpresseorganisation im Senegal besuchen und dabei über zukünftige Projekte zwischen jungen Journalisten der beiden Kontinente diskutieren.

Grosses steht also bevor, sowohl in Europa als auch einige Kilometer südlicher. Damit die vielen Ideen auch realisiert werden können, beginnen wir zum Schluss der Generalversammlung mit der konkreten Projektplanung und verteilen die Aufgaben. Müde, aber mit vielen neuen Ideen und Tatendrang verlassen wir gegen sechs Uhr das Gebäude, treten vom weichen, roten Teppich hinaus auf den harten Berliner Asphalt. Irgendwie hatte das Ganze doch einen Hauch von hohem Staatsbesuch, von Wichtigkeit und Prominenz, von internationalem Esprit. Zugegeben, der rote Teppich wurde nicht speziell für uns ausgerollt, doch die Motivation, das Engagement und die Begeisterung waren echt – der Glasbau übrigens auch.

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