Gesellschaft | 13.11.2006

Online-Demonstration gegen Zensur

Text von Lailo Sadeghi
Reporter ohne Grenzen, die international tätige Menschenrechtsorganisation, die sich für uneingeschränkte Pressefreiheit stark macht, veranstaltete vom 7. bis 8. November eine 24-stündige Online-Demonstration gegen Internetzensur.
Die Schwarzen Löcher des Internets.

Weltweit kamen durch die Demo 17’000 Stimmen, also Klicks, gegen Internetzensur zusammen. Es wurden 55 Blogs auf der neuen Plattform von Reporter ohne Grenzen eingerichtet: Ein kostenpflichtiges Angebot, mit dem man die Organisation und den Kampf gegen Zensur unterstützen kann. Und 340 Besucherinnen und Besucher haben Jerry Yang, dem Gründer von Yahoo, eine Nachricht hinterlassen.  

Yahoo zensiert wie kein anderer

Yahoo wird von Reporter ohne Grenzen wegen ihrer Zensierpolitik schon seit längerem kritisiert. Der Konzern mit einem Jahresumsatz von mehr als 2,4 Milliarden US-Dollar unterschrieb 2002 die „Öffentliche Erklärung zur Selbstdisziplin“ des Staates China. Das heisst, sie produzieren, verbreiten und veröffentlichen keine „gefährliche Informationen“. Yahoo zensiert in China nicht nur mehr als Google und MSN, die Zensur überragt auch jene der chinesischen Konkurrenz Baidu.

Pressefreiheit gleich Demokratie

Für die Organisation Reporter ohne Grenzen, die 1985 im südfranzösischen Montpellier von einer Hand voll Journalisten gegründet wurde, ist Pressefreiheit die Basis einer demokratischen Gesellschaft. Sie setzt sich dort ein, wo Berichterstatter eingeschränkt werden. Und dies geschieht nicht zu knapp. Seit dem ersten Januar dieses Jahres wurden weltweit 96 Medienschaffende getötet, 136 befinden sich in Haft. Hinzu kommen 59 inhaftierte Online-Dissidenten, deren Texte von der Regierung als gefährlich einstuft worden sind.

Reporter ohne Grenzen arbeitet mit über 100 Korrespondentinnen, Korrespondenten und zahlreichen Nicht-Regierungs-Organisationen zusammen. Die Situation der Pressefreiheit wird kontinuierlich dokumentiert. Jährlich wird der Press Freedom Index heraus gegeben. Werden Berichterstattende bedroht oder eingesperrt, mobilisieren sie schnellstmöglich internationale Unterstützung und versuchen so Druck auszuüben.

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