Gesellschaft | 27.11.2006

Medienlandschaft – Spiel der Gezeiten

Text von Karim Abouelela
Konsument oder nicht, wir kennen und lieben alle das Fernsehen. Als Kind oft ein Grund gegen seine Eltern zu rebellieren, so stehen wir Jugendliche dem Spiel der Medien je länger desto mehr kritisch gegenüber. Was können wir für die Zukunft aus diesem Wechselhaften Spiel der Medien lernen?
Baldige Flut?

In fast jeder Karriere eines Schülers, einer Studentin oder Lehrlingstochter war und ist die multimediale Lektion ein, allgegenwärtiger Inhalt des Unterrichts. Den Bildungsauftrag, den die Fernsehanstalten erfüllen müssen, prägt die Medienlandschaft besonders stark. Die Technologie entwickelt sich, und mit ihr die Bevölkerung. Allen voran das Fernsehen, welches durch die Programmvielfalt aus Bildung, Information, Unterhaltung und Kultur die Meinungsbildung fördert, wenn nicht sogar vorgibt. Die Sender sagen nicht direkt, was wir denken sollen. Sie halten optimalerweise durch eine  ausgewogene Berichterstattung die Meinungen im Gleichgewicht. Jeder Mensch kann freiwillig entscheiden, annehmen oder verweigern. Dazu brauchen wir eigentlich kein Fernsehen, aber seien wir ehrlich, es erleichtert die Angelegenheit um ein Vielfaches. Wenn es dieser Tage schon so schwer ist sich gegenseitig zuzuhören dann ist eines Gewiss; dem Fernsehen sind wir mit einem Ohr treu ergeben. Das andere brauchen wir um selber zu hören, was sich verändert hat, denn sind wir mit beiden Ohren dem TV verschrieben, wird uns der Anblick, in einer nicht von Illusionen und Märchen umwobenen Welt, erst recht aus der Fassung bringen.

Man könnte meinen die Programmdirektoren und Kameramänner seien herzlos, wenn sie uns Bilder von sterbenden und leidenden  Menschen zeigen. Sind sie es? Oder ist ihr Blickwinkel der des heimlichen Beobachters? Sind wir nicht selber oft in derselben Lage und fühlen uns meist gar nicht dazu verpflichtet etwas zu unternehmen. Zivilcourage hier, Heldenmut da und am Schluss blind aufgrund übereifrigen Stolzes.

Beim Anblick von Leid, Freude, Ohnmacht und Stolz wird auch der Zuschauer zu einem Teil davon. Sympathie und Wut reichen sich die Hand und schliessen in alle Ewigkeit miteinander Frieden. Denn es geht weiter. Der Mensch geht mit der Zeit. Das Fernsehen geht mit der Zeit  und wir folgen ihm. Oder ist es trotzdem umgekehrt und das Fernsehen folgt uns?

Es heisst, dass Neue Medien –und Kommunikationsformen wie Internet, Pay –TV, digitales Fernsehen und digitaler Hörfunk zunehmend erfolgreich seien und neue Programm –und Dienstleistplattformen bieten würden. Sie seien für das klassische Medium Rundfunk eine neue und weit reichende Herausforderung und würden die ganze Medienlandschaft und das Kommunikationsverhalten der Gesellschaft stark verändern.

Von welcher Gesellschaft ist hier die Rede? Es betrifft vor allem alle die, welche Zugang zu modernen Kommunikationsmittel haben und dann und wann die Qual der Wahl haben ihre Sendung zu schauen, hören, lesen, fühlen ja manchmal sogar lieben. Wir brauchen uns eigentlich gar nicht zu verstecken, oder kennen sie eine Prominente Person, die sich nicht gerne vor der Kamera zeigt, verkörpert, ja beinahe sogar entblösst. Und irgendwie wollen wir doch alle auch ein Teil davon sein, oder etwa nicht?

Ja ist man vor der Kamera, im Fernsehen, am Radio, online, möchte man eigentlich schleunigst wieder weg. Nach Hause, wo man seine Ruhe hat. Es ist ihr Beruf und den vollbringen Medienschaffende professionell, grösstenteils, oder wenigstens dem Anschein nach. Wie kommt das Fernsehen eigentlich zu Geld? Haben sie schon mal einen Einzahlungsschein verbucht, mit dem Namen einer Fernsehanstalt darauf versehen? Oder wissen Sie, wie das mit den Einschaltquoten funktioniert, bekamen Sie schon jemals einen Telefonanruf, eins Fernsehsenders, mit der Frage was sie so schauen, im TV, gerade während Sie Ihre Lieblingsserie guckten?

Zitat: «Wer sich nach diesen Zeiten zurücksehnt, hat einfach nicht verstanden, wo es in unserer Kultur langgeht! Mit Medien kann man Milliarden –Geschäfte machen und ein wesentlicher Bestandteil davon sind Werbung und Einschaltquoten, die für den Preis, den die Werbekunden bezahlen müssen, die Messlatte bilden.« Falls sie es bemerkt haben, die Quintessenz liegt in Einschaltquoten und Messlatte. Seien sie unbesorgt, von den Milliarden werden auch sie einen Teil davon abbekommen. Indem sie in Genuss unseres neuen, schnelleren, informativeren, noch lustigeren, viel entspannenderen Programmangebots kommen.

Zitat: «Der Wettbewerb erfolgt deshalb im Wesentlichen auf dem Gebiet von Programminhalten und Programmformen in vorhandenen Märkten.« Fernsehen schafft Arbeitsplätze. Man muss nicht unbedingt vor der Kamera stehen um von der grossen gesunden Welt wahrgenommen zu werden. Es sind die kleinen Dinge, die scheuen Mitarbeiter und der abermals charmante Beleuchter, die eine Sendung erst richtig interessant machen.

Zitat: «Es wird viel von der Digitalisierung der Medien gesprochen, von dem schönen globalen Informationszeitalter. In der Tat geht man davon aus, dass die Umwälzung, die jetzt durch die neue Computertechnik bei Fernsehen und Hörfunk stattfinden wird, mit dem Computereinsatz in der Printindustrie zu vergleichen ist, der die ganze Branche aufgewirbelt und verändert hat.«

Also wenn sich die ganze Branche verändern wird und vorher, wie war das noch?…  «, wird das Kommunikationsverhalten der Gesellschaft stark verändern«, dann werde ich mich ja ohnehin mit verändern. Ach du schöne neue Zeit der Auto Pilot gesteuerten- unfallverhindernden  Sportwagen, Allzweckallesreiniger und 10sec. Fertiggerichte. Wie sehr habe ich auf dich gewartet. Mit Optimismus in eine Zukunft – die einen sicherlich, die anderen schlafend auf dem Sofa.


Quelltexte und Zitate sind von Webseiten von 3SAT aus der Fernsehreihe hitec in Zusammnehang mit der Ausstrahlung einer dreiteiligen Dokumentaton von Michael Wolff – Medienlandschaften und Digitalisierung.
Weitere Zitate sind entnommen auf der Webseite Kulturprogramm.de in Anlehnung eines Beitrages über den Fernsehsender PHOENIX. Alle Zitate stammen aus dem Jahr 2001 und sind nicht mehr online.

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