Kultur | 06.11.2006

In 30 Tagen ein Roman

Text von Claudio Notz
In diesem November schreiben sich einige hundert Menschen in der Schweiz die Finger wund. Für das Novemberschreiben, das von der Schreibszene Schweiz organisiert wird, haben sich bereits etwa 500 Personen angemeldet.
Das Novemberschreiben hat begonnen. Hunderte tippen fleissig an ihrem Roman. Auch die Zwillinge Suresh und Jyoti Guptara aus Weinfelden machen mit. Die beiden 17-Jährigen haben soeben ihr erstes Buch "Conspiracy of Calaspia herausgegeben.

Ihr Ziel haben sie sich hoch gesteckt: Mit insgesamt 50 000 Wörtern wollen die Schreibenden in einem Monat einen Roman realisieren. Auch einige Jugendliche machen beim Wettbewerb mit: Die jüngste Teilnehmerin ist zehn Jahre alt und versucht vom 1. bis am 30. November 25 000 Wörter zu schreiben.

Die Novemberschreiberinnen und -schreiber erleben wie es einem Schriftsteller geht, sollten sie doch täglich zwei bis drei Seiten schreiben, um ihr Ziel zu erreichen.

Treffen im Forum

Damit die Autorinnen und Autoren, von denen einige zum ersten Mal bei einem so grossen Schreibprojekt mitmachen, nicht ganz alleine im stillen Kämmerlein brüten, hat die Schreibszene ein Internetforum aufgeschaltet. Dort greifen sich die Schreibenden gegenseitig unter die Arme: Wer das tägliche 1600-Wörter-Pensum nicht schafft, wird aufgemuntert. Auch Ängste, plötzlich nach zehn Seiten nichts mehr zu schreiben zu wissen, werden an diesem Ort geäussert und gelindert.

Erste Erfahrungen

Über die ersten Schreibtage wird äusserst angeregt diskutiert. Im Schreibtagebuch kann man einige Statements von Teilnehmenden lesen, denen das Schreiben ganz locker von der Hand geht. Sie müssten einfach ihren Gedanken freien Lauf lassen. Die Geschichte zu genau zu planen nütze sowieso nichts, denn im spontanen Schreibfluss werde sich die Handlung sowieso anders entwickeln.

Innerer Zensor in die Ferien

Schwierig ist für viele Teilnehmende der innere Zensor, die Instanz, die beim Schreiben immer denkt, das Geschriebene sei nicht gut und müsse laufend überarbeitet werden. Doch geht es im November vor allem darum, viel zu schreiben. Die Überarbeitung des Textes kommt erst später dran, sonst erreicht man das sehr hoch gesteckte Ziel von 50 000 Wörtern innerhalb eines Monats nicht. Viel Glück und Durchhaltewille also den Teilnehmenden.

Mitmachen


Wer beim Novemberschreiben noch mitmachen will, kann sofort das Anmeldeformular auf der Novemberschreiben-Homepage ausfüllen, oder sich direkt bei Organisatorin Fatima Vidal melden: info@novemberschreiben.ch, und gleich mit dem eigenen Roman beginnen. Anmeldeschluss für Extremschreiberinnen und -schreiber ist der 25. November. Mitmachen kann jede und jeder. Die Teilnahme ist gratis. Kosten tun nur die Schreibkurse, die zusätzlich angeboten werden, zum Beispiel von Schriftstellerin Milena Moser.

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