Gesellschaft | 20.11.2006

„Ideen entstehen im Dialog mit anderen“

Text von Janosch Szabo
Eine aktive Unesco-Gruppe gibt es an der Kantonsschule Wil noch nicht. Deshalb haben sich Sonja Enz, 17, und Isabelle Egger, 18, spontan mit ihrem Lehrer Beat Steiger zu einer Gründungssitzung zusammengesetzt. Tink.ch war dabei und sprach mit den beiden jungen Frauen über Menschenrechte, Toleranz und ihr Engagement.
Sonja Enz hat das Projekt "Kultureller Austausch" mitentwickelt. Fotos: Janosch Szabo Isabelle Egger erklärt im Plenum, dass es Bewusstseinsarbeit braucht, um das Problem der Armut in der Schweiz anzupacken.

Das Thema der diesjährigen Jahrestagung der Unesco-assoziierten Schulen war „Menschenrechte und Kultur des Friedens“. Warum beschäftigt euch das?

Sonja: Die Menschenrechte und eine Kultur des Friedens sind etwas Grundlegendes und Unentbehrliches um zusammen leben zu können. Und es bedrückt mich, wenn ich sehe, wie die Menschenrechte missachtet werden. Aber ich sehe auch das Positive, wie diese Unesco-Tagung.

Isabelle: Ich mag die Nachrichten gar nicht mehr hören. Es ist wie Pingpong, aber viel krasser. Es geht immer hin und her und niemand ist bereit einen Schritt zurück zu machen.

Wann genau erlebst du dieses Pingpong?

Isabelle: Wenn zwei aneinander vorbei reden und aus Angst zurückgeben, statt richtig zuzuhören. Das beobachte ich oft im Alltag. Viele Leute haben keinen Respekt vor ihren Mitmenschen und sind nicht tolerant. Sie merken es nicht einmal.

Und wie ist es bei dir?

Isabelle: Für mich sind Respekt und Toleranz sehr wichtig. Aber Toleranz heisst für mich nicht einfach Dasitzen und Zuhören, sondern, einen offenen Geist haben und sich nicht verhärten.

Sonja: Auch ich bemühe mich, mit Menschen respektvoll umzugehen. Es gelingt natürlich nicht immer.

Wie war die Stimmung in euren Arbeitsgruppen?

Sonja: Ich war in einer guten Gruppe. Jeder hat sich eingebracht. Manche hatten schon Erfahrungen mit Diskriminierung und Rassismus gemacht. Diese Eindrücke haben wir am Anfang mit einem Brainstorming gesammelt und uns dann gefragt, „Was verleiht den schwarzen Menschen hier Würde?“ und „Wie entsteht Rassismus?“. Aus Vorurteilen, wie uns klar geworden ist. Und Vorurteile entstehen, weil kein Austausch stattfindet. Also setzten wir da an und wollen mit unserem Projekt einen Austausch zwischen den Kulturen erreichen. Uns ist wichtig, dass gegenseitiges Interesse vorhanden ist.

Isabelle: Ich war im Atelier 1, wo es um die Frage „Was können wir gegen Armut tun, bei uns und anderswo?“ ging. Wir waren auch ein gutes Team, aber gewisse Leute waren nicht so motiviert und haben sich zurückgehalten oder gar nichts gesagt. Trotzdem konnte ich meine eigene Meinung weiterentwickeln.

Was nehmt ihr nun mit von dieser Jahrestagung?

Sonja: Die Gewissheit, dass es auch anderswo Leute gibt, die sich engagieren.

Isabelle: Ja, man sieht, dass man nicht alleine ist.

Sonja: Ich hatte ein paar interessante Diskussionen und habe neue Sichtweisen kennen gelernt. Ich fand es spannend mit Leuten, die sich nicht kennen, ein Projekt zu entwickeln.

Isabelle: Ideen entstehen eben erst im Dialog mit anderen. Da kommt man viel weiter.

Sonja: Ja, man kommt auf ganz neue Ideen.

Ihr kehrt also mit neuen Ideen und Motivation zurück. Was werdet ihr als nächstes anpacken?

Sonja: Wir werden die Ziele der Unesco in unserer Schule verbreiten.

Isabelle: Und die Schülerinnen und Schüler über das neu gegründete Unesco-Team informieren, damit sie wissen, dass sie etwas machen können.