Kultur | 07.11.2006

„Eigentlich ist er es selber“

Text von Janosch Szabo
Der Schriftsteller und der Schauspieler: An den Krimitagen trafen sich Hansjörg Schneider und Mathias Gnädinger auf der Bühne des Casino Theaters Burgdorf zu einer Vorlesung aus «Hunkeler macht Sachen«. Eben dieser Kommissär verbindet die beiden seit einigen Jahren. Schneider hat ihn erfunden, Gnädinger verkörpert ihn in Filmen.
Hansjörg Schneider wurde am 27. März 1938 geboren und lebt heute als freier Schriftsteller in Basel. Fotos: Janosch Szabo Schauspieler Mathias Gnädinger (Mitte) im Gespräch mit der Moderatorin des Podiums.

Wer Hunkeler eigentlich sei, möchte die Moderatorin zu Beginn des Podiums von den beiden älteren Herren wissen. „Eigentlich ist er es selber“, antwortet Gnädinger prompt, blickt zum Autor rüber und sagt, um diese Aussage zu bekräftigen: „Er hat viel von dir.“

Seitenhiebe

Schneider ist erstaunt, fängt sich aber schnell und beginnt ruhig zu erklären: „Optisch habe ich ihn mir nie vorgestellt den Hunkeler. Er ist ein älterer Mann, er lebt gerne, er trinkt gerne, er mag Menschen, er ist erotisch, schlau und intuitiv.“ „Er kommt mir ziemlich nah. Ich muss mich in ihn reinfühlen und alles kapieren, damit seine Art rüberkommt“, fährt Gnädinger fort, der den Hunkeler nun schon in den Filmen „Das Paar im Kahn“ und „Tod einer Ärztin“ verkörpert hat.

Wie es dazu gekommen sei, fragt die Moderatorin und diesmal ist Schneider der Schnellere: „Es musste ein mürber älterer Mann sein.“ Das Publikum lacht. Schneider freut sich schelmisch über seinen Seitehieb, bleibt aber sachlich: „Den Gnädinger habe ich mir gewünscht.“

Lesestunde

Dann beginnt das erfolgreiche Duo mit der Vorlesung aus dem jüngsten, 2004 erschienenen Kriminalroman „Hunkeler macht Sachen“, abwechslungsweise, mal im dialogischen Wechselspiel und immer mit ein paar gezielten für das Publikum amüsanten Seitenhieben zwischen den Szenen. Die Lesestunde vergeht wie im Flug und auch wenn die Handlung des Krimis eher wenig Action bietet, ist eine gewisse Spannung im Saal zu spüren. Besonders als Hansjörg Schneider unvermittelt endet: „Hunkeler ging nach hinten zur Herrentoilette. Dort war eine Tür, die in den Hinterhof führte. Die war zugesperrt. Daneben war ein Fenster. Das stand offen.“

Die beiden älteren Herren klappen ihre Bücher zu. Das Ende bleibt offen.

Kriminalroman


„Hunkeler macht Sachen“ von Hansjörg Schneider ist im Taschenbuchformat im Buchhandel für 14.70 Franken erhältlich.

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