Kultur | 07.11.2006

„Der Krimi passt sich der Zeit an“

Text von Janosch Szabo
Seit 1994 finden alle zwei Jahre in Burgdorf die Krimitage statt. Von Anfang an dabei ist der heutige Geschäftsführer Bruno Lehmann. Tink.ch sprach mit dem Burgdorfer über die Faszination Krimi, die Veränderungen über die Jahrzehnte und das vielfältige Programm an den Krimitagen.
Bruno Lehmann ist Burgdorfer und Geschäftsführer der Krimitage. Fotos: Susanne Mani "Wir haben viele Stammgäste und unser Verein zählt 500 Mitglieder." "Ich bin Schachspieler und liebe deshalb schachspielartige Krimis."

Es gibt die Krimitage nun schon zum siebten Mal. Wie erleben Sie die Stimmung?

Die Leute kommen mit viel Goodwill hier her, sie kennen den Anlass. Wir haben viele Stammgäste und unser Verein zählt 500 Mitglieder.

Für mich persönlich sind die Krimitage jeweils ein Riesenstress, obwohl ich dafür extra ein bis zwei Wochen Ferien nehme. Die Befriedigung kommt dann im Nachhinein.  

Das Programm ist sehr vielfältig.

Ja, bei uns gibt es alles, von der Lesung bis zum Theater und vom Film bis zum Konzert. Das unterscheidet uns von anderen Krimifestivals, wo es zum Teil nur Lesungen gibt. Wir bringen auch mal ganz neue Sachen, um möglichst vielen Leuten mit verschiedenen Interessen etwas bieten zu können. Wir beharren dabei auch nicht stur auf dem Krimi, sondern bauen unser Programm viel mehr rund um das jeweilige Leitthema auf.  

Ist die Faszination Krimi zeitlos?

Ich glaube schon. Krimis hat es schon immer gegeben. Schon in den griechischen Tragödien waren Mord und Totschlag ein Thema. Der Krimi passt sich der Zeit an und erscheint in immer neuen Formen.  

Was ist anders als früher?

Früher musste der Krimi immer ein Happyend haben. Der Täter wurde gefunden. Das ist heute nicht mehr so. Es ermitteln nicht bloss Kommissare und Detektive sondern auch mal irgendwelche anderen Leute, oder das Ganze wird gar aus der Sicht des Täters erzählt.  

Und die Handlungen, sind sie brutaler geworden?

Ja, brutale Krimis sind etwas Neues, eine Erscheinung der letzten 20 Jahre. Sie kamen von Amerika her, wo es sie schon um 1920 gab.  

Was macht für Sie einen guten Krimi aus?

Da gibt es verschiedene Ansätze. Entweder ist er spannend, zeigt ein Milieu, das man noch nicht kennt, oder er ist witzig geschrieben.  

Haben Sie einen Lieblingsautoren?

Ich mag die Kriminalromane von Raymond Chandler. Aber auch C.A. Looslis «Schattmatbauern« ist etwas vom Bestens, das es gibt.  

Wann lesen Sie am liebsten Krimis?

In den Ferien oder spät am Abend. Sonst komme ich kaum dazu, besonders seit ich die Krimitage mitorganisiere. Aber natürlich lese ich jeweils, was da so kommen wird, damit ich weiss, was uns erwartet.

Ich habe das Tüfteln gern. Ich bin Schachspieler und liebe deshalb schachspielartige Krimis.  

Reizt es Sie selber mal einen Krimi zu schreiben?

Ja, schon. Ich habe es auch tatsächlich mal probiert, aber die Geschichte war zu langweilig. Interessante Figuren zu schaffen ist gar nicht so einfach.   

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