Gesellschaft | 08.11.2006

Aussichtlose Träumerei?!

Text von Nora Jakob
Oft steht man an einer Kreuzung, muss entscheiden, ob es links oder rechts weiter geht oder doch auf dem schon eingeschlagenen Weg. Meine Entscheidung fiel vor Kurzem auf Dritteres, wenn auch mit einem unkonventionellen Studiengang, für den ich mich vor zwei Jahren entschieden habe.
Nora Jakob, 18 Jahre, Jena (Thüringen), Studentin.

Ich habe in diesem Jahr mein Abitur erfolgreich abgeschlossen. Jetzt bin ich 18 Jahre alt. Gerade erst hat mein Studium angefangen, doch was kommt danach? Ich weiß es nicht.

Mein großer Traum ist es, Journalistin zu werden. Aber das wollen viele, denn trotz der Medienkrise hat der Beruf Journalist bei anderen in meinem Alter nicht an Faszination verloren. In einer Umfrage rangiert er auf Platz drei hinter Anwalt und Architekt. An der Universität Bonn bewerben sich für den Studiengang der Medienwissenschaften jährlich 1000 Abiturienten auf die nur 60 freien Plätze. Ähnlich ist es auch an der Universität Erlangen-Nürnberg. In den letzten Jahren hat sich die Zahl der Gesamtstudierenden medienrelevanter Fächer wie Medien- oder Theaterwissenschaften von 540 auf 685 erhöht.

Doch in Deutschland kann man eine Menge studieren, um dann doch noch Journalist zu werden. Denn es gibt keinen klassischen Ausbildungsgang Journalist. Ich beispielsweise habe begonnen Islamwissenschaften, Rechtswissenschaft und Wirtschafts- und Sozialgeschichte an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena (Thüringen) zu studieren. Mit Arabisch und Islamwissenschaften beschäftige ich mich aus zwei Gründen: Ich wollte unbedingt noch eine Sprache lernen, die unkonventionell ist. Und seit Jahren interessiere ich mich für die Kultur und das Leben in der arabischen und islamischen Welt. Aber es sind nicht nur die Kulturen oder Menschen des Orients, die mich fesseln, sondern andere Lebensweisen im Allgemeinen. Deswegen kann ich mir auch gut vorstellen in die Schweiz auszuwandern, um dort zu arbeiten und zu leben.

In Deutschland breitet sich das Interesse auf Medienberufe immer weiter aus und umfasst längst auch die Bereiche PR und Mediengestaltung. Trotzdem bleiben die Chancen auf dem Arbeitsmarkt schlecht. Auf die eh schon wenigen Stellen kommt eine Vielzahl von Nachwuchsjournalisten. Und die Volontariatsstellen werden von Jahr zu Jahr weniger. Schlechte Aussichten also? Ja schon, aber manchmal gibt es Situationen, wo man einfach nicht aufhören kann seiner Leidenschaft nachzugehen. Und diese Leidenschaft heißt bei mir Journalismus. Dafür bin ich bereit mein Bestes zu geben und dafür bin ich bereit zu kämpfen. Denn wer nicht kämpft, der hat schon verloren. Oder?