Kultur | 27.11.2006

„Arroganz ist eine Art von Ehrlichkeit“

Text von Martin Sigrist
Mando Diao, die arroganteste, schönste und beste Band der Welt? Lohnt es sich tatsächlich, ihnen um die Welt zu folgen oder ist dieser Hype wie so viele andere komplett unbegründet? Tink.ch ist der Sache auf den Grund gegangen.
Mats Björke (links) und Carl-Johan Fogelklou (rechts) von Mando Diao. Reporter Martin Sigrist mit Mats und Carl-Johan.

Mando Diao eilen seit ihren als Debut-Album erschienenen Demos von Konzert zu Konzert. Die Interviews der fünf jungen schmucken Herren aus Schweden sind legendär. Ob das an ihnen oder den Medien liegt, ist wohl individuell zu beantworten. Tink.ch hat sich mit Carl Johan Fogelklou und Mats Björke in ihrem „Dressing Room“ in der Züricher Maag Event Hall unterhalten. Dabei sollte das Selbstbild der Band nicht zu sehr in den Mittelpunkt rücken, was sich aber als nicht ganz einfach erwies.    

Draussen vor dem Konzertlokal standen bereits sieben Stunden vor Konzertbeginn kreischende Mädchen. Seid ihr eine Boygroup?

Carl Johan Fogelklou: Ja, wir sind eine Boygroup. Wir sind die Beatles des 21. Jahrhunderts, fünf Jungs zusammen in einer Band. Lass es uns Boyband nennen.

Boygroups sehen vor allem gut aus…

Ja natürlich profitieren wir davon. Wenn eine Band gut aussieht, ist das nie schlecht. Klar, gewisse Leute nehmen uns deswegen nicht ernst, aber ich hoffe, dass sie es tun, wenn sie uns auf der Bühne sehen und unsere Musik hören, dass sie dann merken, dass alles echt ist. Wir sind momentan meiner Ansicht nach die ehrlichste Band.  

Die ehrlichste Band?

Ja, alles was wir spielen, ist echt. Wir denken nicht so viel. Wir tun einfach. Wenn wir spielen, wenn wir aufnehmen, wenn wir auftreten, ist das immer ehrlich. Auch untereinander sind wir so ehrlich und klar. Ich glaube, die Leute merken das, wenn sie uns sehen und erleben. Es ist ehrliche Freude. Und wenn wir manchmal arrogant sind, ist auch das eine Art von Ehrlichkeit, denn manchmal fühlen wir uns einfach so.  

Habt ihr es satt, immer auf eure Arroganz angesprochen zu werden?  

Nein, mich frustriert nichts. Warum sollte ich irritiert sein, wenn mir ein Journalist Fragen stellt. Wir haben uns noch nie vorher gesehen, es ist das erste Mal, dass wir miteinander sprechen. Warum sollte ich da böse werden. Wenn du mich etwas fragst, antworte ich, und das ehrlich. Ich möchte dir bei deiner Arbeit helfen, so gut es geht. Und du hilfst mir. Wir müssen zusammen arbeiten.  

Mats Björke: Ich glaube, dieses Bild von uns als Band verändert sich laufend. Bei jedem Album bekommst du eine neue Seite von uns zu sehen. Nun haben wir „Ode to Ochrasy“ raus gebracht und das ist sehr sehr Mando Diao, so wie wir jetzt sind. Und das nächste Album wird hoffentlich noch mehr so sein, wie wir. Damit ist jedes Album ein historisches Dokument unserer Band.  

Carl Johan Fogelklou: Vielleicht sind wir jetzt weniger arrogant, weil wir zufriedener sind. Wir freuen uns über den Erfolg. Ich bin jeden Tag noch glücklicher.  

Nach der Veröffentlichung eures letzten Albums „Hurricane Bar“ habt ihr gesagt, dass es nun wieder Zeit für ein Rock’n’Roll-Album wäre. Als es dann draussen war, habt ihr es eher als ein Hangover-Album bezeichnet.

Zur Zeit von „Hurricane Bar“ haben wir alle diese Eindrücke aufgesogen. Wir haben so viele schöne und hässliche Dinge gesehen. Die sind nun im aktuellen Album integriert. Vielleicht ist es ein Hangover von Gefühlen.

Die Leute fangen dann an, eure Texte zu interpretieren.

Das ist interessant und beweist, dass die Leute sich unsere Musik anhören. Das macht uns glücklich. Wir können nur sagen, was wir meinen und denken. Für jeden bedeutet es wieder was anderes.  

Ich erinnere mich an zwei Festivalauftritte von euch im letzten Sommer. In Deutschland und in der Schweiz. Das Publikum hat völlig unterschiedlich reagiert.

Ja, wir bemerken den Unterschied. Es ist das Gras. Die Schweizer rauchen mehr davon und hören besser auf die Musik. Die Deutschen machen eher Party und trinken viel Bier.

Kürzlich waren wir im französischen Teil der Schweiz und die Leute standen still und haben uns zugeschaut. Nur die Mädchen in der ersten Reihe haben gerockt, aber das waren Deutsche. Es ist interessant, die verschiedenen Reaktionen des Publikums zu sehen. In Japan sind die Leute ganz still zwischen den Stücken, sie wollen genau hören was wir sagen. In Europa schreien sie mehr und in Amerika ist nur Geschrei zu hören.  


Ihr fordert es ja heraus, mehr zu schreien als ihr selbst.

Ja, das hoffe ich. Es ist toll, wenn die das tun, auch während den Songs. Das zeigt, dass die Leute voll dabei sind.  

Was ist euch am wichtigsten wenn ihr auf der Bühne steht?

Da zu sein, konzentriert, zusammen als Band zu spielen und dem Publikum das zu geben, was es braucht.  

Das da wäre…

Mando Diao. Und die geben wir ihnen, zu 100 Prozent.  

Wie wird Mando Diao in 15 Jahren sein?

15 Jahre älter. Ansonsten, keine Ahnung. Lieber weniger Touren, dafür ein Haus und Familie, und ein stabiles Leben. Es ist schon verführerisch zu sein wie U2, aber auch beängstigend. Ich möchte auf jeden Fall mit Musik weitermachen. Aber als alter Mann auf der Bühne vor 10’000 schreienden Mädchen, wie die Rolling Stones, nein danke. Dann noch lieber ein Musical-Sänger (lacht laut). Ach, es fühlt sich jedes Jahr gut an, ein Jahr älter zu sein.

Links