Kultur | 19.10.2006

Wie die gelben „Menschen“ faszinieren

Zappt man durch das TV-Programm, so stösst man früher oder später auf die Zeichentrickfilmserie mit den gelben Männchen. Die Simpsons sind omnipräsent. Es steckt jedoch viel mehr Wahrheit hinter all den Lachern, als dies der erste Eindruck verrät.
Bild: die-simpsons.de Homer, der 36-Jährige, ist das Kernstück der Simpson-Familie. Er und die beiden Kinder treiben Marge oft zur Verzweiflung. Lisa und Bart könnten unterschiedlicher nicht sein. Sie ist die Musterschülerin und er das Problemkind. Die Jüngste, Maggie, hängt sehr an ihrem Schnuller. Von Homer gefürchtet: Kernkraftwerk-Besitzer Montgomery Burns. Homer räumt auf, was zu einer noch grösseren Unordnung führt als zuvor.

Wer kennt sie nicht, die kleinen gelben «Menschen« aus der erfolgreichsten Zeinchentrickserie der Welt? Nach der gelungenen Erstausstrahlung auf dem konservativen FOX Network-TV-Sender in den USA 1990 erreichte die allererste Staffel ein Jahr später den deutschsprachigen Raum und schlug auch dort sofort ein. Es dauerte nicht lange, bis der Name Simpsons auf allen Kontinenten ein wohlbekannter Begriff war. Ob als TV-Stars, als Spielzeugfiguren, Computerspiele oder auf einem amerikanischen Linienflugzeug, die gelbe Familie findet man überall wieder.

Vom ersten Erfolg inspiriert, arbeitete das Team um Autor Matt Groening an weiteren Staffeln, die in den 90er Jahren auch den europäischen Markt erreichten. Dabei schreckten sie nie zurück, sich in ihrer Serie kritisch über politische und wirtschaftliche Machenschaften zu äussern. Auch am eigenen TV-Sender wird oft kein gutes Haar gelassen. So macht man sich in jeder Sendung aufs Neue über die Inkompetenz des FOX-Kanals lustig.    

Eine aussergewöhnliche Familie

Die Handlung der Simpsons-Folgen ist eigentlich ganz simpel: Der Hauptschauplatz ist die fiktive Stadt Springfield, ein oft gesehener Ortsname in den USA. Somit kann Springfield überall im ganzen Land sein, es wird jedoch nie der Bundesstaat verraten. Die Simpsons sind eine Familie, die den amerikanischen Standart lebt. Insbesondere Homer, der Ehemann von Marge und Vater von Bart, Lisa und Maggie, der selten auf eine ausgewogene Ernährung und die Umwelt achtet. Er arbeitet als Sicherheitsinspektor in einem Kernkraftwerk, was ein Widerspruch in sich ist, da Homer einen eher einfachen Geist besitzt und zu den verantwortungslosen Menschen gehört. Seine Vorliebe gehört dem Duff-Bier. Seinen frommen Nachbarn Ned Flanderswen kann er hingegen nicht ausstehen. Homer ist die Integrationsfigur in der Serie, da er mit seinem Ungeschick, Pech und seiner liebenswerten Art die Leute zum Lachen bringt.

Während die beiden Kinder die Schule besuchen und ganz unterschiedliche Leistungen erbringen – Lisa ist die Musterschülerin und Bart der Schrecken der Lehrer – kümmert sich die gutmütige Marge zu Hause um den Haushalt und die kleine Maggie.    

Viele Gastauftritte und 45 Auszeichnungen

Aus diesem alltäglichen Lebensablauf bringt sich die beliebte Familie immer wieder selber in Schwierigkeiten, und meist sind Bart und Homer dabei nicht ganz unschuldig. Jede der mehr als 20-minütigen Sendungen behandelt ein eigenes Thema. Oft treten bekannte Schauspieler, Sportler, Musiker und Politiker in den verschiedenen Staffeln als Gäste auf. Viele von ihnen synchronisierten ihre Stimme gleich selber, so auch der britische Premierminister Tony Blair. In den vielen Jahren, in denen die Simpsons Leute von jung bis alt unterhielten, wurden oft politische-, Wirtschafts- und Umweltprobleme angesprochen.

Die erfolgreichste TV-Serie überhaupt erhielt bereits 21 Emmys, 13 Annie Awards, vier Genesis, drei Monitors, drei Umwelt-Medien Awards und einen Peadbody Award. Und der Boom hält weiter an. Während in den USA bereits die 17 Staffel im TV läuft, liegt seit Oktober die achte Staffel auf DVD im Deutschen Raum in den Regalen.

Erstmals auf die Kinoleinwand

Die Produktion einer ganzen Staffel von 25 Folgen dauert dabei etwa ein halbes Jahr. Sogar in arabischen Ländern werden die Geschichten der gelbsten Familie der Welt ausgestrahlt. In Deutschland, Österreich und der Schweiz können sich Simpsons-Fans ihre Lieblinge unter der Woche gleich dreimal zu Gemüte führen. Am Abend strahlt das Schweizer Fernsehen und ORF 1 jeweils eine Folge aus, das deutsche Pro 7 gar zwei Serien hintereinander. In weniger als einem Jahr kommt es dann bereits zum nächsten Highlight. Mit «The Simpson Movie« wird die Welt der lustigen Zeichentrickfiguren im Juli erstmals im Kino zu bestaunen sein. Ein baldiges Ende des Simpsons-Booms ist also noch lange nicht abzusehen. Die Serien werden weiterhin faszinieren, solange die Macher unvoreingenommen und ohne moralische- und religiöse Zwänge Staffel um Staffel produzieren, so wie sie das bis anhin eindrücklich vollbracht haben.

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