Gesellschaft | 29.10.2006

Vom Pullover besticken zum eigenen Label

In Baden machen drei junge Aargauer von sich reden. Die ehemaligen Kantischüler Fabian, Toddy und Pascal stehen mit ihrem selbst kreierten Label vor dem Durchbruch. Doch hinter dem Namen Heizkessel steckt auch viel Arbeit, Zeit und Geld.
Heizkessel Kleider, Sommerkollektion 2007: Jung, frech und erfrischend.

Wie seid ihr eigentlich auf die Idee eines eigenen Labels gekommen? 

Fabian Keller: Toddy, Pascal und ich gingen in der Kanti in die gleiche Klasse. Da wir oft von Langeweile geplagt waren, begannen wir Pullover zu besticken und kreierten eigene Logos. Toddy begann dann auch Teile aus einem Kleidungsstück herauszuschneiden und wieder neu zusammenzunähen.  

Worin lag der Reiz bei diesem Vorhaben?  

Zuerst produzierten wir Pullis für uns selber, da wir keine teuren Kleider kaufen wollten. Aber viele unserer Kollegen wollten plötzlich auch ein Kleidungsstück von uns. Da wir nach der Kanti sowieso ein Freijahr einlegen wollten, begannen wir unsere Idee umzusetzen. Unsere ersten 300 Pullover wurden in Ungarn produziert. Danach gingen wir mit den Koffern voller Kleider von Laden zu Laden.

Wie muss man sich einen solchen Produktionsvorgang vorstellen?  

Zu Beginn sitze ich immer mit dem Designer zusammen und bespreche mit ihm, was gut war und was weniger gut lief. Danach macht er etwa 150 Vorschläge. Wir streichen daraufhin rund 50 Prozent wieder, damit die besten Ideen übrig bleiben, etwa 40 verschiedene Exemplare. Wir müssen uns immer beeilen, da die Läden bereits fast ein Jahr im Voraus ihre Kollektion zusammenstellen.  

Wo liegen die Schwierigkeiten bei der Umsetzung?  

Am schwierigsten ist es immer, einen Produzenten zu finden. Wir sind ein kleines Unternehmen und haben nur wenig Geld. So sind wir für eine Firma von vornherein unattraktiv.

Unser Produzent Angelo, der vor zwei Jahren zu uns gestossen ist, reist immer wieder nach China, um die Produktion zu überwachen.  

Wie seid ihr denn an diesen Produzenten gekommen?

Toddys Mutter arbeitet als Stewardess. Bei einem Flug hat sie den unter Flugangst leidenden Angelo kennengelernt und ihm von Heizkessel erzählt. Er war davon begeistert und ist nun fest in unsere Firma integriert. 

Gab es bei euch Startschwierigkeiten?  

Nein, eigentlich lief es am Anfang wesentlich besser als jetzt. Vor einigen Jahren gab es erst wenige Schweizer Labels, wie beispielsweise Zimtstern. Mittlerweile gibt es sehr viele Marken und das Geschäft der Läden läuft nicht mehr so gut wie auch schon.  

Ihr verkauft eure Produkte im Internet und in verschiedenen Shops. Auch im Ausland?  

Es gibt schon Möglichkeiten im Ausland. Da sind wir dann auch nicht wählerisch. In England wäre uns beinahe ein Deal geglückt. Der Verkäufer wollte grosse Mengen bei uns bestellen, konnte aber keine Sicherheiten geben.

In einem halben Jahr werden wir in Deutschland einige Vertreiber angehen.  

Ihr habt eine Sommerkollektion gestaltet. Wie sieht es mit dem Winter aus?  

Das ist natürlich ein Riesenthema. Nach dem Freestyle.ch, wo wir einen kleinen Stand hatten, war die Nachfrage gross. Leider kam die Baumwolle von Indien in China feucht an und konnte nicht mehr verwendet werden. Für eine Nachproduktion reicht die Zeit nicht mehr und so können wir nur Jacken anbieten. Das ist sehr bitter.  

Habt ihr euch bei der Firma nicht beschwert?  

Nein, wir dürfen da nicht reklamieren, denn sie sind nicht von uns abhängig, sondern wir von ihnen. Wir sind nur ein kleiner Fisch. Bei unseren Stückzahlen macht eine Produktionsfirma eher Verluste als Gewinne.

Die Grossen haben die Macht. Was wollt ihr unternehmen, um später selber zu den Grösseren zu gehören?  

Einerseits wollen wir uns im Ausland etablieren, andererseits sind wir in Abklärung mit Snowboard-Funktionskleidern. Unser Produzent sucht bereits eifrig nach Produktionsstätten. Wir führen den Heizkessel weiter und wollen uns stetig entwickeln. Aufhören tun wir sicher nicht, denn dafür haben wir bereits zu viel investiert.

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