Kultur | 09.10.2006

Visuelle Klänge

Text von Martin Sigrist
Elektronische Klänge erfüllten am vergangen Freitag das Foyer des Theater Basel während der zweiten Sinus-Series. Tink.ch hat mitgehört und mitgeschaut. Dabei wurde so manche Welt entdeckt.
Das Laptoporchester aus Berlin. Fotos: Martin Sigrist Skoltz Kolgen aus Montreal ... ... verbinden direkt Bild und Ton. Thomas Köner und Andreas Colinski führen Untertage Hippes Chillen nebenher Die Energie fliesst durch Mensch und Maschine. Diesmal als Liegewiese: das Foyer des Theater Basel Individuelle Klangwelten bei den Headphone Concerts

Electronic Music, Visuals and Sounds versprach das Programm der diesjährigern Sinus-Series. Das live realisierte Klangwerk war Mittelpunkt im Foyer des Theaters Basel. Dort traten diverse Künstler der elektronischen Augen- und Ohrenwelten aus dem In- und Ausland auf.

Die Räumlichkeiten mochten sich auch zu vorgerückter Stunde nicht füllen, doch sollte genau dies ein Vorteil werden. Eine ganz eigene freie Stimmung konnte sich dadurch verbreiten. Die Besucher breiteten sich auf dem Boden aus und durften sich damit äusserst entspannende Positionen leisten.

Da war das Laptoporchester aus Berlin zu sehen, sieben Herren auf der Galerie aufgereit, verpackt in aufgeblasenen Plastikhüllen, an ihren Laptops zu Werke.

Höhepunkt aus Kanada

Nicht überraschend als besonderes Highlight erwiesen sich Skoltz Kolgen aus Kanada mit ihrer Performance flüux:/terminal. Eine gekonnte interaktive Mischung von Audio und Vision, wobei die visuellen Geschehnisse durch immer neue Klänge direkt beeinflusst wurden. Dieses Wechselspiel zwischen Hören und Sehen vermochte zu fesseln und einen ersten Höhepunkt dieses Abends zu setzen.

Ein weiterer Programmteil waren Thomas Köner und Andreas Colinski aus Deutschland, die ebenfalls mit vielen Visuals vor die Zuschauer traten. Ihre Vorstellung mit dem Titel Untertage stand ganz im Zeichen der unterirdischen Welt des Bergbaus und deren Düsterheit und Einsamkeit. Im Verlaufe der Nacht folgen noch zahlreiche weitere Künstler aus der Schweiz. Freeform, die mit Spannung erwarteten Gäste aus England, mussten leider absagen.

Das Konzert im Kopfhörer

Ein besonderes Angebot gab es in einem separaten Raum. So genannte Headphone Concerts. Wer einen Kopfhörer aufzusetzte, konnte das Konzert mithören. So ergab sich ein individueller Hörgenuss, ganz egal wohin man sich bewegte und drehte.

Die zweite Phase der Veranstaltung fand am Samstag danach im Presswerk in Münchenstein statt, dort dann in Form einer Tanzveranstaltung.

Der Abend entpuppte sich entgegen dem ersten nüchternen und kühlen Eindruck als ein wirklich spannendes Erlebnis.

Das Publikum konnte sich anscheinend zu dieser nicht ganz alltäglichen Klang- und Bilderwelt ganz gut entspannend. Dies führte oft – vielleicht ein bisschen zu oft – zu ausgedehnten und nicht immer leisen Gesprächen während der Vorstellungen.

Die Räume wurden sehr dunkel gehalten, nur wenig dekoriert und nur zum nötigsten ausgeleuchtet. Daneben war viel Elektronik und eine ausserordentlich hohe Notebookdichte zu sehen. Diese brachte so manchen Besucher zum Staunen.

Dieser ungewöhnliche Abend verlangte dem Besucher in manchen Momenten so einiges an Interesse und Aufmerksamkeit ab. Er vermochte deshalb – und wohl auch ob dem happigen Eintrittspreis – nicht die grosse Masse zu erschliessen. Dies muss aber nicht immer das Ziel sein, gerade in eben diesen Welten.

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