Kultur | 30.10.2006

Un fieu artifizial – Ein Rap-Feuerwerk

Liricas Analas und Wurzel 5 im Kofmehl: Am Freitag wollten sich viele Solothurner weder explosive Beats noch Reimspektakel in Berndeutsch und Rätoromanisch entgehen lassen.
Freestyle an den Plattentellern: Liricas Analas in Aktion. Fotos: Live-On-Stage.ch Die Bündner Crew heizte mit romanischem Rap ein. Und dann kamen Wurzel 5 auf die Bretter. Die leicht düstere Grundstimmung der Tracks von der neuen Platte "Teamgeist" kam gut an. Das Publikum im Kofmehl feierte lautstark mit, bis zum letzten Beat.

Wann hat Solothurn schon die Gelegenheit, sich gleich zwei grosser Leckerbissen aus dem Schweizer Rap-Kuchen zu bedienen? Zwar hat wohl jeder Besucher die Berner Giele aus der Chlyklass schon mindestens einmal gesehen. Doch wer schon mit ihrer neuen Platte „Teamgeist“ vertraut gemacht worden war, dürfte leicht zu überzeugen gewesen sein.

Liricas Analas wiederum waren letztmals an der Abschlusssause der alten Kulturfabrik Kofmehl zu Gast in Solothurn. Eine lange Wartezeit für die Fans, die ihnen aber mit der neuen CD „AnalFaBad“, veröffentlicht im April diesen Jahres, etwas verkürzt wurde.

Mo Plaun?

Den Anfang machten die Bündner. Und die hatten nichts von ihrem Elan eingebüsst, sondern legten nach dem ersten Song gleich mal eine nette Freestyle-Einlage ein. Abwechslungsweise wurden dann Titel von „Analogia“ und vor allem von „AnalFaBad“ gespielt. Dabei überzeugten allen voran die melodischen Songs. Schliesslich blieb dem Beat neben den fünf MC’s nur wenig Gehör. Die Viva-Generation feierte, als mit „Siemis“ der Song zum stilvollen Video gespielt wurde. Die Jungs versuchten immer wieder, das Publikum mit einzubeziehen, um die Sprachbarriere zu überwinden. Doch dem Publikum war es im Grunde egal, was sie mitschrien. „Mo Plaun“, „nur langsam“, wurde skandiert. Ein weiterer Höhepunkt: Der druckvolle Song „I Tonscha“. Die Zugabe war fast selbstverständlich, schon nur um den Titel «Rapmaschina« zu bestätigen.

Eingespieltes Team

Kaum hatte dieser erste Teil aufgehört, ging es auch schon wieder weiter mit Diens, Tiersch, Serej und DJ Link, einem eingespielten Team. Ist Wurzel 5 erwachsen geworden? Keineswegs, doch wieder werden neue Wege gegangen. Für die Beats durften alle ran, diesmal vom Opernsänger bis zum Bläser. Die leicht düstere Grundstimmung der Tracks kam gut an. Zwischendurch liessen die Berner mit Stücken wie „Spitze vom Bärg“ auch Nostalgiker auf ihre Kosten kommen. Doch die Highlights waren die neuen Tracks „Teamgeist“, „Es git Zyte“ und „Nume Wyter So“. Das  ziemlich junge Publikum feierte, und «d’Wurzle« lobten das Solothurner Publikum.

Lange Zugabe

Die Zugabe schliesslich dauerte fast so lange wie der Gig selbst. Die Fans durften die Bühne stürmen und kräftig mittun, selbst die ganz jungen Angehörigen der Crewmitglieder. Der Schlusspunkt wurde mit dem polarisierenden Titel „Für Di“ gesetzt. Nur einmal griffen die Jungs tief in die Popkiste, und das stand ihnen gar nicht so schlecht an. Alles in allem wird sich aber der Grossteil des Publikums über ein Wurzel-Kollektiv gefreut haben, welches es unterlassen hat, sich zu verkaufen. Und zeigte, dass trotzdem neue Wege gegangen werden können. 

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