Gesellschaft | 21.10.2006

Schweizer Jugendvertretung an der UNO

Vom 29. September bis am 11. Oktober 2006 nahm die 24-jährige Maja Rüegg als Mitglied der Schweizer Delegation an der UNO-Generalversammlung in New York teil und brachte als Jugendvertreterin ihre Perspektiven ein. Für Tink.ch schrieb sie ein Tagebuch.
Maja Rüegg als Rednerin im dritten Ausschuss der UNO-Generalversammlung. Treffen der Jugenddelegierten mit UNO-Generalsekretär Kofi Annan.
Bild: UN Photo/Mark Garten Working Breakfast der Jugenddelegierten in der Schweizerischen UNO-Mission.

Maja Rüegg ist eine von drei Jugendlichen, die sich im Rahmen des Programms «Youth Rep» engagieren. Mit diesem Programm, das die Schweizerische Arbeitsgemeinschaft der Jugendverbände (SAJV) koordiniert und in Zusammenarbeit mit dem Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) durchführt, sollen Anliegen junger Leute aus der Schweiz in die UNO Agenda einfliessen, sowie Jugendliche in der Schweiz für Themen der UNO interessiert werden.

Freitag, 29. September

Ein eindrücklicher Moment, zum ersten Mal die berühmte New Yorker Skyline zu sehen. Kaum das Gepäck im Hotel abgestellt, bin ich losgedüst, um mir den Badge zum UNO Gebäude zu holen.

Dieses Jahr werden Youth Rep aus 13 Ländern erwartet. Jugenddelegierte aus acht Ländern dürfen wie ich eine Rede halten. Wir werden uns im dritten Ausschuss der Generalversammlung an die Vertreterinnen und Vertreter der 192 UNO-Mitgliedstaaten wenden. Im dritten Ausschuss werden soziale, humanitäre und kulturelle Fragen besprochen.

Montag, 2. Oktober

In der Schweizerischen UNO-Mission in New York bekam ich meinen Arbeitsplatz zugewiesen und lernte schon bald einige Leute kennen. Mir wurde mitgeteilt, dass ich auf der Liste der Redner für die Morgen-Session bin. Nichts wie los also zur UNO.

Die Nervosität vor der Rede verflog schnell. Ich sprach über Jugendarbeitslosigkeit und Jugendpartizipation. Dabei betonte ich, dass fast die Hälfte aller Arbeitslosen weltweit Jugendliche sind und diese Situation schwere Folgen für die ganze Gesellschaft hat. Ich rief die Regierungen aller Staaten dazu auf, sich zusammen mit dem Privatsektor und der Zivilgesellschaft dem Problem anzunehmen.

Dienstag, 3. Oktober

Bevor die heutige Session an der UNO begann, verteilte ich zusammen mit anderen Jugenddelegierten unseren ersten Newsletter. Er erklärte, was ein oder eine Youth Rep ist – natürlich kreativ gestaltet, wie es sich für uns Jugendliche gehört. Anschliessend hatten meine Youth Rep Kollegen ihre Statements. Sie waren sehr interessant und einiges engagierter als die meisten Statements der Staatsvertreterinnen und -vertreter.

Mit den Reden war der offizielle Jugendteil an der UNO-Generalversammlung eigentlich schon fertig, nicht aber die Arbeit der Jugenddelegierten. In den restlichen Tagen unseres Aufenthaltes werden wir versuchen, die Jugendperspektive ausserhalb der offiziellen Agenda in den UNO-Alltag reinzubringen. Dafür steht aber noch einiges an Vorbereitung an.

Freitag, 6. Oktober

Am Morgen früh fand in der Schweizer Mission das Working Breakfast statt, das ich für die übrigen Youth Rep organisiert hatte. Ich nutzte dieses Treffen, um über Jugendarbeitslosigkeit zu sprechen; dazu hatte ich auch einen UNO-Experten eingeladen. Nach seiner Präsentation über Jugendarbeitslosigkeit weltweit, sprach ich über die Situation in der Schweiz. Dabei betonte ich speziell, dass Jugendliche mit Migrationshintergrund mehr gefährdet sind, keine Arbeit zu finden. Sie brauchen darum gezielte Unterstützung. Nach diesen zwei Präsentationen gab es eine Diskussion, in der die anderen Jugendlichen über die Erfahrungen in ihren eigenen Ländern sprachen und wir einige Lösungsansätze diskutieren konnten.

Anschliessend rannte die ganze Youth Rep Gruppe zum UNO-Gebäude rüber zum Treffen mit dem irakischen Botschafter Dr. Hamid Al Bayati. Er ist der Chairman, also sozusagen der «Leiter«, des dritten Ausschusses dieses Jahr. Es war ein sehr erfolgreiches Meeting. Er war durch unsere Statements und Newsletters auf uns aufmerksam geworden und wollte nun von jedem einzelnen und jeder einzelnen hören, was für Verbesserungsvorschläge wir haben.

Folgende Aussage des Botschafters freute mich besonders: «Ich war mir nicht bewusst, dass es Jugendvertreter an der UNO gibt. Durch euer Engagement wurde ich auf euch aufmerksam und begann mir Gedanken zu machen über die Jugend in meinem eigenen Land, Irak.«

Dienstag, 10. Oktober

Heute war der Youth Rep Side Event zum Thema Jugend und Migration. Ich war für die Moderation des Events zuständig. Es waren etwa 45 Personen anwesend. In der Einleitung wies ich auf unsere Arbeit als Youth Rep hin und rief die Staaten dazu auf, Jugendvertreter in ihre Delegation einzubeziehen. Dann interviewte ich die Experten. Sie sprachen Themen an wie Migration Jugendlicher aufgrund von Armut; die Risiken, welche sie auf der Reise antreffen; die Anpassungsfähigkeit junger Migrantinnen und Migranten; Rücksendungen von Geldern in die Heimat; die Identitätssuche Jugendlicher mit Migrationshintergrund. Sowohl die Beiträge der Experten, wie auch die anschliessende Fragerunde und Diskussion im Plenum waren sehr interessant. Wir haben durch den Side Event erreicht, die Jugendperspektive in ein weltweit wichtiges Thema wie Migration reinzubringen.

Nach dem Side Event traf sich die ganze Youth Rep Gruppe mit Generalsekretär Kofi Annan. Nach Fotos und Händeschütteln nahm sich der Generalsekretär noch einige Minuten Zeit, um mit uns zu sprechen. Wir betonten einmal mehr, wie wichtig es sei, die Jugendlichen in die Arbeit der UNO miteinzubeziehen. Abschliessend meinte er, dass sie die Welt in unsere Hände übergeben werden und wir sie hoffentlich besser machen werden.

Mittwoch, 11. Oktober

Mein letzter Tag als Youth Rep an der UNO-Generalversammlung. Ich traf mich mit den Jugenddelegierten, um unsere Arbeit nach der GV in unseren jeweiligen Ländern zu besprechen. In den vergangenen zehn Tagen haben wir die UNO-Delegierten auf die Wichtigkeit des Engagements der Jugendlichen aufmerksam gemacht. Zurück in der Schweiz möchte ich mich nun mit dem Youth Rep Team auf die andere Seite der Brücke begeben und den jungen Leuten in der Schweiz über die Arbeit der UNO berichten.

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