Politik | 05.10.2006

“Schnell stellte ich fest: Das ist ja kinderleicht”

Eine Schar junger, wissbegieriger Leute versammelt sich um den einheimischen Gimma, der während zwei Stunden das Rüstzeug fürs Rappen zu vermitteln versucht. Die meisten Kursteilnehmerinnen waren sich vorher nicht bewusst, dass den locker flockig gesprochenen Sätzen oft eine komplexe Theorie zugrunde liegt. Diese will ihnen der Künstler näher bringen.
Fotos: Raphael Hünerfauth Foto 2 ist ein teilnehmer der sich gerade am reims ausdenken ist.

Als Einführung erzählt Gimma von der Geschichte der Hiphop-Kultur. Diese beinhaltet die vier Kunstformen Rap, Breakdance, Graffiti und DJing. Zwar unterlegten junge Musiker schon in den 70er Jahren ihre Texte mit Musik, doch richtig Wirbel erzeugte die Musikrichtung erst zu Beginn der 80er Jahre in New York. Die Rapper betrachteten ihr Metier als reine Unterhaltungsform, deswegen waren ihre Produktionen etwas dilettantisch.

In einer harten, provokativen Sprache schrieb die revolutionäre Band Public Enemy Texte über die Unterdrückung der Schwarzen in den USA, Drogenprobleme und die rassistischen Tendenzen in der Filmmetropole Hollywood. Der Rap wurde als politisches Sprachrohr genutzt.  

Blingbling – die Oberflächlichkeit nimmt überhand

Der Rap verändert sich immerzu. Heutzutage kann man dem im Mainstream angelangten Gangsterrap kaum mehr entfliehen. Der Erfolg dieser Strömung ist immens. Überall wird man mit Labereien von goldbehangenen Homeboys mit ihren Gedanken zu Frauen, Autos, Gewalt und Geld belästigt. Auch in der Schweiz findet dieses Rapgenre immer mehr Anklang. Etwas beängstigend.

Raptechnik: Sehr einfach zu durchschauen

Gimma berichtet: «Früher in der Schule haben wir uns oft mit Gedichten befasst. Schnell stellte ich fest: Das ist ja kinderleicht. Am Schluss steht ein Wort, das sich auf ein anderes reimt. Beispielsweise Haus auf Maus. Rapper benutzen meist eine sehr einfache Ausdrucksweise, was das Rapschema durchschaubar macht. Man kann das Ganze natürlich auf ein höheres Level bringen, indem man komplexere Reimstrukturen ausprobiert, zum Beispiel 20 zweisilbige Wörter aneinander reiht.« So getan hat es Eminem mit seinem Song «The way I am«. Der Silben-Meister fand dafür 516 Silbenreime. So viele findet man bei Gimma auf dem ganzen Album.  

Vom Lehrling zum Meister

Die Kursteilnehmer schrieben sich zuerst vier einsilbige, sich reimende Wörter auf. Danach konnten sie versuchen Doppelreime einzubauen wie «Hauswand, Klaus fand«. Gimma sagt: «Je komplexer der Reim, desto grösser ist die Gefahr, dass der Inhalt in den Hintergrund rückt. Für mich ist der Stellenwert des Reims nicht so hoch. Ich war auch einmal in einem Workshop für Rap. Das war sehr lustig. Meine Workshoplehrer waren Bligg und Lex. Sie haben mir eingetrichtert, dass sich jeder Buchstabe reimen muss. Brutal genau. In den 90er Jahren war das scheinbar noch sehr wichtig. Ich habe dann die Theorie über den Haufen geworfen, indem ich es geschafft habe ganze Lieder zu rappen ohne einen einzigen Reim. Ich war ein trotziger Schüler.«  


Tipps und Tricks für absolute Beginners auf dem Gebiet des Rappens gibts auch im Internet auf der unten erwähnten Website.

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