Sport | 23.10.2006

Pusten, sprinten, konzentrieren

Text von Janosch Szabo
Die Wisschenschaftstage Sport luden zum mitmachen ein, eröffneten den Dialog zwischen Experten, Forschern, Sportlern und dem Publikum und zeigten auf, in welchen Bereichen Sport und Wissenschaft in Kontakt kommen. Ein Rundgang durch die Bieler Innenstadt.
Roman Hoss, 18, aus Port trainiert mit dem SpiroTiger, genau beobachtet von Samuel Verges. Fotos: Julian Perrenoud Der Forscher von der ETH erklärt dem 20-jährigen Simon Burkhalter aus Souboz den Spirometer. Ein Team der Universität Bern beriet die Besucher in dieser Frage. Der Reaktionstest verlangte viel Konzentration und schnelles Reagieren mit Händen und Füssen. Das Höhenzelt auf dem Zentralplatz: Und drinnen ist die Luft so dünn, wie auf 3000 Metern über Meer. Volle Wucht: Wer hat den stärksten Schuss? Oberschenkel im Schütteltest: Der Skisimulator fuhr einem tüchtig in die Beine.

Im Volkshaus in Biel ist schon kurz nach Türöffnung einiges los. Ganze Schulklassen sind unterwegs an den ersten Wissenschaftstagen zum Thema Sport. Überall hat es in gelb gekleidete Studenten und Forschende, grössenteils von der eidgenössischen Hochschule für Sport in Magglingen und vom Institut für Sportwisschenschaften der Uni Bern, aber auch von anderen Hochschulen. Sie beraten die Interessierten, zeigen ihnen verschiedene Tests, und erklären neu entwickelte Trainingsgeräte.

Atmungstraining mit Spirometer und SpiroTiger

Während ihre Klassenkolleginnen und -kollegen im Diagnostikzentrum der Frage “Welcher Sport passt zu mir?” nachgehen, testen Simon Burkhalter und Roman Hoss ihre Lungen an einem der Stände. Samuel Verges, Forscher im Sportphysiologielabor an der ETH Zürich, erklärt ihnen zu Beginn den Spirometer, ein Gerät um Lungenvolumen und -fluss zu messen: “Wir können damit feststellen, wie gut die Lungen funktionieren.” Verges fragt die Jungs nach ihrem Alter, Gewicht und ihrer Grösse, macht ein paar Einstellungen am Spirometer und lässt dann Simon und Roman volles Rohr hineinblasen. Beide erreichen etwas über 100 Prozent des normalen Lungenvolumens von Menschen ihres Geschlechts, Alters, Grösse und Gewicht. “Bei Rauchern ist das anders”, erklärt Verges, “sie haben Schwierigkeiten auszuatmen, weil ihre Bronchien verengt sind und deshalb Widerstand leisten.” Somit können stark abhängige Raucher beim Ausatmen in der ersten Sekunde manchmal nur 40 statt mehr als 70 Prozent ihres Lungenvolumens ausatmen, weiss der Forscher. Dann zeigt er den beiden einen SpiroTiger, ein Gerät, mit dem man die Atmungsmuskelausdauer messen und trainieren kann. Wieder macht er Einstellungen und wieder dürfen Simon und Roman atmen, mit 40 Zyklen pro Minute anstatt der normalen 10 bis 15 Zyklen. Damit den Testpersonen bei so schnellem Atmen nicht schwindlig wird, ist der SpiroTiger mit einem Beutel und Ventil ausgestattet, was einen CO2-Verlust verhindert. Verges empfiehlt ein 30-minütiges Atmungstraining während 4 bis 5 Tagen in der Woche und verspricht eine deutliche Leistungssteigerung, beispielsweise beim Radfahren, nach einem Monat Training. Auch Leistungssportler setzen das teure Gerät zu Trainingszwecken einsetzen.

Zum Abschluss misst er dann noch den inspiratorischen Druck, ein Mass für die Kraft der Einatmungsmuskulatur, der beiden Interessierten. Dazu müssen sie tief ausatmen und dann so kraftvoll sie können an einem Plastikrohr saugen. Das Wasser, das sich darin befindet, steigt dadurch und man kann den inspiratorischen Druck in Zentimeter H2O ablesen. Zum Schluss gibts noch ein bisschen Anatomieunterricht. “Der wichtigste inspiratorische Muskel ist das Zwerchfell, der wichtigste expiratorische ist aber der Bauchmuskel”, sagt Verges.

Dünne Luft und ausser Atem

Auch auf dem Zentralplatz geht es ums Atmen. Mitten in der Stadt im Höhenzelt ist die Luft ziemlich dünn, so dünn wie auf 3000 Metern über Meer. Das Herz schlägt schneller und man muss mehr Luft einatmen, um genügend Sauerstoff aufzunehmen, denn die gleiche Menge Sauerstoff verteilt sich auf dieser Höhe im Vergleich zu Meereshöhe auf ein grösseres Volumen. Ursache ist der um einen Drittel geringere Luftdruck.

Für eine Fahrt in luftige Höhen steht gleich neben dem Höhenzelt ein gelber Kran bereit. Von 6,14 Höhe kann man über eine Stabhochsprunganlage auf eine Matte runterschauen und in Gedanken miterleben, was Sergej Bubka erlebte, als er 1994 diesen Weltrekordsprung machte.

Um schliesslich wieder etwas Bodenhaftung zu bekommen, kann man sich beim Starkschuss auf ein Fussballtor oder bei einem Sprint in der Nidaugasse versuchen. Und mit aufgewärmten Oberschenkeln geht es schliesslich zurück zum Guisanplatz, wo einem am Stand der Schweizerischen Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu) ein Skisimulator erwartet. Am Beispiel von Hundsschopf und Österreicherloch kann man seine Fähigkeit messen, Schläge abzufedern. Der ganze Spass fährt tüchtig in die Beine.

Interaktive Ausstellung: Dialog und Interesse

Für den Abschluss des Rundgangs ist eine Erholung angesagt, zumindest eine körperliche. Auf einem weichen Sessel sitzend und an Elektroden und Pulsmessgerät angeschlossen erlebt man virtuell die Lauberhornabfahrt. Ganz schön stressig. Genau das ist aber das Ziel. Durch den Stress verändert sich eine Drüsenfunktion, Hormone werden ausgeschüttet und man schwitzt auf der Haut. Der Strom im Stromkreis zwischen den beiden Elektroden fliesst schneller. Auf dem Computerbildschirm entsteht eine Kurve der so genannten Hautleitwertfähigkeit, die erkennen lässt, wie konzentriert und damit gestresst man während des virtuellen Rennens war. Sie sollte während dieser Phase möglichst konstant hoch sein, während die Kurve der Herzfrequenz beständig tief bleiben sollte.

Am Ende des Rundgangs bleibt die Erkenntnis: Wissenschaft und Sport gehören tatsächlich eng zusammen. Und beides fasziniert, vor allem an einer derart interaktiven Ausstellung mitten in der Stadt. “Es herrschte eine gute und entspannte Stimmung”, blickt Mitorganisatorin Elisabeth Veya zurück. Die Geschäftsführerin der Stiftung Science et Cité, die das Ziel verfolgt den Dialog zwischen der Wissenschaft und dem Publikum zu eröffnen, zieht eine durchwegs positive Bilanz: “Das Publikum war interessiert, es gab viele Gespräche an den Ständen und auch die Forscherinnen und Forscher waren mit Spass und Freude dabei.”

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