Kultur | 30.10.2006

„Irgendwann musst du aufhören zu malen“

«Ich bin nicht sehr interessant", sagt Paul Wilson. Der Bassist der Schottischen Band Snow Patrol gibt Interviews lieber nach den Konzerten. Das Gespräch mit Tink.ch vor dem Auftritt im Volkshaus Zürich fand er trotzdem okay.
Paul Wilson von Snow Patrol: "Ich bin nicht sehr interessant."
Bild: Martin Sigrist Paul, Tink-Reporter Martin und Barbi (von links nach rechts). Paul Wilson

Was tut ihr so in diesem Bus nach den Shows?

Wenn wir fertig sind, ist es meistens schon sehr spät. Dann passiert nichts aufregendes mehr. Ich gehe dann zu Bett, schaue mir noch DVDs an auf meiner Pritsche oder lese Bücher. Ich bin nicht sehr Rock’n’Roll. Ich habe aufgehört zu trinken und zu rauchen. Und das obwohl ich 10 Jahre lang mich oft betrunken habe. Da habe ich mir gedacht, dass ich vielleicht mal eine Pause brauche. Aber mein nächster Geburtstag ist in zwei Tagen, da werde ich mich wohl wieder mal betrinken, vielleicht wieder für ein ganzes Jahr.

Ist es Euch wichtig, wie ihr auf der Bühne ausseht?

Wir selbst müssen nicht gut aussehen. Hauptsache die Lichter sehen gut aus. Die Lichtshow kann uns verstecken und ihr müsst uns nicht ansehen.

Ist die Show für euch wichtig, oder setzt ihr eher auf die Musik, um damit professioneller zu sein?

Nein, wir sind nicht professionell, wir sind wohl eher die unprofessionellste Band, die es gibt.

Aber die Leute mögen euch. Gestern hattet ihr auf Eurer myspace.com Seite 242188 Freunde.

Oh, das sind viele Freunde. Da wird es schwierig mit jedem einzelnen in Kontakt zu bleiben. Dafür haben wir nicht genügend Zeit, aber wir schauen uns die Kommentare an, und wenn es was Spektakuläres gibt, werden wir vielleicht antworten. Am besten Ihr sendet eure Sachen direkt an unsere eigene Webseite.

Wie verbindet ihr euch mit euren Fans?

Durch die Musik. Wir versuchen immer eine gute Stimmung bei den Konzerten zu erzeugen, es soll eine Art interaktive Show entstehen. Die Leute sehen uns auf der Bühne und sie können fühlen, wie wir uns fühlen. Das ist schön.

Merkt ihr, dass in vielen Ländern die Leute eure Texte nicht verstehen. Englisch ist ja in den meisten Staaten eine Fremdsprache.

Ja schon, aber du wärst erstaunt, denn viele Leute verstehen es, die kennen die Texte und singen mit. Okay, vielleicht verstehen sie es auch nicht. Das ist ja wie wenn alle lachen, auch jene die es nicht verstehen, lachen mal aus Anstand mit.

Die Musik hat sich von euren älteren Platten zu heute etwas verändert.

Die letzte Platte „Final Straw“ wurde in zwei Wochen aufgenommen. Das war zu schnell. Bei der Produktion der neuen Platte war mehr Druck da, nicht von unserem Label, sondern von uns selbst. Diesmal wollten wir es besser machen. Die Hauptsache war für uns, dass es grösser klingen sollte, und musikalischer. Wir hatten die Zeit und auch das Geld, um etwas zu probieren. 

Schlussendlich haben wir aber einfach das gemacht, was uns gerade in den Sinn kam. Am Ende mussten wir all die Teile dann irgendwie sortieren. Das war nicht einfach, denn ein paar von uns mochten Elektro, andere eher Heavy.

Seid ihr für den Moment da wo ihr sein möchtet?

Ja, schon. Aber man kann sich immer verbessern. Du kannst immer zurück schauen und denken, dass das eine oder das andere hätte besser gemacht werden können. Damit musst du leben. Es ist wie mit einem Bild. Du musst irgendwann aufhören zu malen, um ein gutes Bild zu erhalten. Ich glaube, dass wir mit „Eyes Open“ an diesem Punkt angekommen sind.

Ihr werdet hier und dort im gleichen Atemzug mit Bands wie Travis, Starsailor, Coldplay und Keane genannt. Zählt Ihr euch zu diesen Bands?

Nein. Leute, das sind doch wieder diese Schubladen. Alles wird so vereinfacht, dass es die Leute verstehen. Somit glauben dann manche, dass wir wie Coldplay oder sogar wie U2 klingen. Ich selbst glaube überhaupt nicht, dass wir uns irgendwie ähnlich sind. Wenn Leute aber nur jeweils einen Song kennen, bei uns vielleicht einen langsamen wie „Chasing Cars“, dann klingen wir nach ihrem Verständnis vielleicht wie ein Dutzend anderer Bands.

Magst du Interviews?

Ja, manchmal. Das hier ist okay, aber manche Leute sind so abgefahren. Entweder sie schauen dich nie an, sondern nur auf ihre Fragen, oder sie stellen komische Fragen. Neulich wollte eine wissen: Stell dir vor du wärst ein Football, ob es mich stört nackt in der Dusche zu sein, oder ob eine Parkbank mein Freund sei, da doch eine Gitarre mein Freund sein müsste. Ich habe überhaupt nichts begriffen und konnte keine Frage beantworten.

Möchtest du noch was anfügen?

Ich bin nicht sehr interessant. Ich bin einfach gerade müde und langweilig. Eigentlich müsste man Interviews nach den Konzerten machen, da bin ich dann immer sehr aufgedreht.

Aber wenn Du doch nur im Bus sitzt und liest

Ja, aber nicht in zwei Tagen. Da werde ich Wein trinken. Das ist gesund.

Verlosung:


Tink.ch verlost 2 Exemplare der neuen Snow Patrol CD "Eyes Open". Wer so eine Scheibe gewinnen möchte, schreibt eine E-Mail mit dem Stichwort "Snow Patrol" und seiner kompletten Adresse an redaktion@tink.ch Die Schnellsten sind die Ersten.

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