Gesellschaft | 15.10.2006

„Ich sehe stets die kleinen Details“

Daniel Steinke, General Manager des Kempinski Hotel Zogravski, Sofia, spricht über Stress und Zeit, Kommunikation und Zusammenarbeit und die Eigenschaften, die man als Geschäftsführer eines Hotels braucht.
Daniel Steinke: Ein Schweizer fühlt sich wohl in Sofia. "Unser Produkt entsteht jede Sekunde und kann nicht zurück zur Fabrik geschickt werden."

Wie ist es eigentlich dazu gekommen, dass Sie in Bulgarien arbeiten, einem Land, das von Ihrer Heimat, der Schweiz, so entfernt ist?

Für mich liegt Bulgarien ganz nah an der Schweiz. Früher war ich nämlich in Saudi Arabien, Indonesien, China und Russland. Für mich ist das wirklich ein «Zurück nach Europa«.

Wie hat Ihre Karriere begonnen?

Nach der Hochschule habe ich eine Kellnerlehre gemacht. Später habe ich eine Hotelfachschule in Lausanne besucht. Mein Ziel war ganz klar, mein Heimatland zu verlassen und andere Kulturen kennen zu lernen.

Wie können Sie die Länder, in denen Sie gearbeitet haben, mit Bulgarien vergleichen?

Einerseits gibt es gewisse Parallelen in Kultur, Politik und Geschichte der Länder. Andererseits aber auch sehr starke Unterschiede. So kommen die Leute in China, wenn es einen Empfang gibt, schon um sechs Uhr zum Essen. Es können tausend Personen anwesend sein, aber wenn um acht Uhr der Chef aufsteht und den Raum verlässt, gehen alle. Hier in Bulgarien kann es sein, dass die ersten Gäste erst um acht Uhr kommen. Sie sitzen gerne am Tisch und trinken noch ein Glas Wein. Man ist flexibler, was die Zeit betrifft, während man in China viel Wert auf Pünktlichkeit legt.

Wann waren Sie das letzte Mal Gast in einem anderen Hotel? Und wie haben Sie sich gefühlt, auf der anderen Seite zu sein?

So eine Situation ist für einen Hotelier immer schwierig. Einerseits probiert man Gast zu sein, andererseits hat man immer das professionelle Auge. Wenn ich in die Ferien gehe, gebe ich mir Mühe, nicht kritisch zu sein und meinen Urlaub zu geniessen. Trotzdem sehe ich stets die kleinen Details. Manche Ideen nehme ich sogar mit nach Hause. Es ist nicht schlecht etwas Gutes zu kopieren. 

Wie sieht ein normaler Arbeitstag bei Ihnen aus? Gibt es viel Stress?

Stress macht man sich selbst. Wenn etwas schief läuft, dann kommen die Gäste und beschweren sich bei mir. Wenn ich nervös bin, verlieren sie das Vertrauen.

Haben Sie als Manager des Kempinski Hotels in Sofia schon etwas verbessert?

Ich bin hier jetzt erst seit drei Monaten. In erster Linie gilt es für mich, die aktuelle Lage wahrzunehmen, denn es gibt immer eine gewisse Gefahr, den Anforderungen der Gäste in einem Land mit einer fremden Kultur nicht zu entsprechen.

Sie wollen also die bulgarische Kultur kennen lernen. Wie machen Sie das?

Ich glaube man lernt viel durch Kommunikation mit den Leuten, mit denen man jeden Tag in Kontakt kommt. Sprachlich ist es aber schwierig, weil ich in ein paar Jahren weiterziehen werde. Die Zeit reicht nicht. Ich könnte sicher einige Ausdrücke auf Bulgarisch lernen, aber nicht mehr.

Welche Ihrer Eigenschaften haben Ihnen am meisten geholfen, eine solche Karriere zu machen?

Da gibt es zwei, drei Haupteigenschaften, die man als Geschäftsführer eines Hotels braucht. Das ist sicher einmal die Auffassung kleiner Sachen. Es gibt viele 5-Sterne-Hotels, aber die «Top-Ones« kann man an den Details erkennen. Man braucht auch eine gute Grundausbildung und einen festen Willen. Das Wichtigste in unserem Beruf ist aber die Fähigkeit zusammen mit anderen Leuten arbeiten zu können. Was ich alleine mache, reicht nicht. Im Gegensatz zur Industrie können wir uns keinen Fehler leisten. Unser Produkt entsteht jede Sekunde und kann nicht zurück zur Fabrik geschickt werden.

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