Kultur | 09.10.2006

Gitarrengewitter und Melancholie

Mit einem grandiosen Konzert vermochte Placebo in Zürich ihr gesamtes Können zu demonstrieren. Der Auftritt der Band wirkte leichter und rockiger als auch schon, die drei Musiker liessen es sich jedoch nicht nehmen von ihrer Experimentierfreude gebrauch zu machen.
Fotos: Zene.net Brian Molko versprühte mit seiner Stimme viel Melancholie. Placebo verstand es, eine Mischung zwischen harten Gitarrenriffs ... ... und Ruhe zu finden. Nach dem Konzert in Zürich folgt mit Genf der dritte Auftritt in der Schweiz.

Hört man den Namen Placebo, so wird man unweigerlich mit der Rock-Band oder dem medizinischen Präparat konfrontiert. Aus diesem Scheinmedikament heraus bildete sich auch der Name der nun seit Jahren erfolgreichen britischen Band. Ihr Auftritt in Zürich wurde von vielen Fans bereits sehnlichst erwartet. Mit im Gepäck von Placebo der Support-Act She Wants Revenge, eine Indie-Band aus den Vereinigten Staaten, die um 20 Uhr das Konzert eröffnete. Bereits zuvor drängten viele hundert Fans nach vorne, um möglichst nahe an der Bühne und bei ihren Lieblingen zu sein. Dafür nahmen sie rund drei Stunden stehend in Kauf. Die 5-köpfige Band She Wants Revenge legte sogleich mit ihrem Programm los. Rostig, unnahbar und melodiös hämmerten sie ihre Musik dem Publikum entgegen, für viele erst etwas gewöhnungsbedürftig, jedoch sprachen die Amerikaner eine äusserst interessante Seite der Musik an.  

Blitzlichtgewitter in der Nacht

Für die schnellen Gitarrenriffs und die wechselnden hohen und tiefen Klangelemente erntete She Wants Revenge auch grossen Applaus von den Rängen. Der von Elektroeinflüssen geprägte Sound einerseits, oder die am Elektroklavier spielende junge Frau anderseits waren Gründe dafür, dass bereits früh am Abend viele, vor allem männliche Besucher, zur Bühne drängten und zu tanzen begannen. Nach 30 Minuten verabschiedeten sich die fünf Musiker und kurz nach 21 Uhr war es soweit. Brian Molko, Steve Hewitt und Stefan Olsdal erschienen im weiss-schwarzen Look auf der Bühne. Ein Hühnerhauterlebnis im nicht ganz ausverkaufte Hallenstadion. Die vielen tausend Besucher tobten und ein Blitzlichtgewitter flutete über das Dunkel in Richtung der Band. Auf zwölf verschiedenen Bildschirmen wurde eine animierte Bilder- und Farbenshow gezeigt. Die drei Musiker starteten mit Songs aus ihrer neuen CD «Meds«, mit der sie auf Tour sind.  

Schnell, vibrierend und zerbrechlich

Die hohe und zerbrechlich wirkende Stimme von Sänger Brian Molko ergänzte die tiefen Bassriffs von Stefan Olsdal. Auch das, was die britische Band auszeichnet, kam während dem Konzert zum Vorschein. Die Experimentierfreude an der eigenen Musik sowie die speziell abgestimmten Gitarren. Verstärkt mit zwei zusätzlichen Gitarristen verströmte Placebo im Hallenstadion eine Atmosphäre der Melancholie und Nachdenklichkeit. Gekonnt vermochten sie es, die Besucher an ihrer Musik teilhaben zu lassen. Doch just als man in eine Welt der Ruhe und Trauer abgetaucht war, wurde man mit schnellen und laut vibrierenden Hits aus den Gedanken gerüttelt. Die Band lebte ihre Musik, als spielten sie diese zum ersten Mal. Ganz klare Höhepunkte waren der Soundtracktitel aus dem Film Cruel Intention (Eiskalte Engel) Every you every me und The Bitter End. Placebo bot während anderthalb Stunden und 15 Minuten Zugabe ein Konzert der Sonderklasse. Nach dem letzten Lied lebte die spezielle Placebo-Traurigkeit wohl noch in manchem Besucher weiter.

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