Gesellschaft | 30.10.2006

„Es gibt zwei Arten von Stress“

Text von Lailo Sadeghi
Stress haben wir fast alle, von der Managerin bis zum Pizzabäcker. Kaum Jemand bleibt verschont. Er treibt uns zu Höchstleistungen an und lässt uns zerbrechen. Ein Tink.ch Reporter ging auf die Strasse, um zu erfahren, was die Berner Passanten über Stress denken und wie sie mit damit umgehen.
"Eigentlich bin ich gerne im Stress." Daniel Hofstettler Fotos: Lailo Sadeghi "Alles eine Frage der Einteilung." Sara Colella "Es gibt zwei Arten von Stress." Thomas Bösch "Ich zähle die stressigen Stunden nicht." Michele "Klar arbeitet man schneller, wenn man im Stress ist." David Stulz "Stress, das kennen wir gar nicht." Alina Mürset und Crazy

Daniel Hofstettler: Wenn man viele Sachen gleichzeitig erledigen sollte, entsteht Stress, das ist logisch. Eigentlich bin ich gerne im Stress. Nur wenn er über lange Zeit anhält, muss ich eine Auszeit nehmen. Es gibt ein gewisses Limit. Alles darüber ist ungesund.

Sara Colella: Ich kann meine Zeit nicht richtig einteilen. Ich habe kein Zeitgefühl. Daher habe ich sehr oft Stress. Mein Mittel um Stress zu vermeiden, habe ich noch nicht gefunden. Ich denke aber, dass alles eine Frage der Einteilung ist.

Tomas Bösch: Es gibt zwei Arten von Stress, negativen und positiven. Negativen habe ich eigentlich keinen, positiven vielleicht acht Stunden am Tag. Ich leide nicht darunter, denn es macht mir Spass zu arbeiten.

Michele: Ich zähle die stressigen Stunden nicht, aber es sind viele. Schätzungsweise 50 Prozent des Tages verbringe ich in Stress. Ich habe einen Beruf, in dem Stress alltäglich ist. Ich bin Journalistin beim Tessiner Fernsehen. Wenn es mir aber zuviel wird, bleibe ich zu Hause und mache etwa Ruhiges.

Klar arbeite ich besser wenn ich gestresst bin, es ist aber sicherlich nicht gut für die Gesundheit, und auch für zwischenmenschliche Beziehungen ist Stress schädlich.

David Stulz: In meinem Beruf sind etwa zwei Stunden pro Tag von Stress geprägt. Als Ausgleich mache ich Sport oder gehe spazieren. Klar arbeitet man schneller, wenn man im Stress ist, aber langfristig ist es schädlich für die Gesundheit.

Alina Mürset und Crazy: Stress, das kennen wir gar nicht. Wenn wir schlafen wollen, dann schlafen wir. Wenn wir saufen wollen, dann saufen wir. Viel mehr wollen wir gar nicht. Es gibt nur Leute, die mit uns Stress haben, aber wir haben nie Stress. Die Leute denken, sie müssen arbeiten und Karriere machen und reich sein und eine geile Hütte haben und ein geiles Auto. Darum haben sie Stress. Auf der Strasse hat man keinen Stress, weil man kein Geld hat. Der grösste Stress entsteht wegen dem Geld.