Politik | 01.10.2006

Erstes Aufbäumen schon als Schüler

Der Bündner Regierungsratspräsident Claudio Lardi packte am Eröffnungstag der Jugendsession die Chance, zu den Jungparlamentariern zu sprechen. Für Tink.ch nahm er sich Zeit, um von sich, seiner Heimat und seinem Engagement zu erzählen.
Claudio Lardi: "Ich hatte einen romantisch naiven Hang zu Gerechtigkeit." Fotos: Jonas Bischoff Der Regierungsratspräsident liebt am Kanton Graubünden die Vielfalt der Landschaft, der Sprachen und der Meinungen.

Was bedeutet für Sie Heimat?

Heimat ist für mich in erster Linie ein geografischer Ort. Das ist Poschiavo, wo ich aufgewachsen bin. Diesem Ort fühle ich mich verbunden und zugehörig. Graubünden ist zu meiner neuen Heimat geworden. Politisch bin ich in der SP beheimatet.

Was schätzen Sie am Kanton Graubünden?

Die allgemeine Vielfalt – der Landschaft, der Sprachen, der Meinungen.

Was stört Sie am Kanton Graubünden?

Eine gewisse Selbstzufriedenheit gepaart mit wenig Selbstbewusstsein.

Jugendliche hier klagen, es sei nichts los. Wie haben Sie als Teenager ihre Wochenenden verbracht?

Es war auch bei uns so. Aber klagen hilft nichts. Man muss das Beste aus den Wochenenden machen. Wer es nicht tut, ist selbst schuld.

Wie fanden Sie den Weg zur Politik?

Mein erstes Aufbäumen fand schon als Schüler statt. Als Junge wollte ich unbedingt an Hockeymatches, was unsere Eltern aber verboten. Ich habe kurzerhand einen offenen Brief für eine Zeitung geschrieben, in dem ich mich über die Kurzsichtigkeit der Erwachsenen klipp und klar beschwerte. Das passte den Lehrern und Eltern natürlich überhaupt nicht. Aus mir wurde in der Folge ein Gegenpol zu allem, was nach Autorität roch. Ich hatte als Jugendlicher einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn. Es regte mich auf, wenn ich Unrecht beobachten musste. In den 68ern konnte man mich durchaus als aufmüpfigen Teenager bezeichnen. Ich war jedoch kein Hippie. Aber ich hatte einen romantisch naiven Hang zu Gerechtigkeit.

Haben Sie etwas erreicht?

Als Jugendlicher habe ich nichts erreicht. Jetzt hingegen schon. Klar, ich kann dem Hunger auf der Welt kein Ende bereiten, den Krieg nicht stoppen, aber ich habe mich entschieden im Kleinen zu wirken. In meiner unmittelbaren Umgebung kann ich viel Positives erreichen, Leuten helfen.