Kultur | 30.10.2006

„Eifach so?“

Das Theaterensemble Aeternam spielt «Besuch bei Katt und Fred« im Treibhaus Luzern. Katt und Fred besitzen einen Raum, dessen Ausstattung aus zwei genau gleichen Sofas besteht. Die Einrichtung ist perfekt, alles stimmt, doch dann kommt Besuch.
Die Welt von Katt und Fred ist noch in Ordnung. Miranda (links) stellt die Beziehung von Katt und Fred auf den Kopf.

Die Tür öffnet sich, das Publikum strömt in den Aktionsraum vom Treibhaus. Auf den Sofas auf der Bühne liegt je eine Person mit dem Rücken zum Publikum, schlafend, mit angezogenen Beinen. Stille herrscht. Die beiden Personen, eine Frau links, ein Mann rechts, bewegen sich synchron. Katt und Fred pflegen Ordnung zu halten, sie sind, da nur zu zweit, perfekt eingerichtet und aufeinander abgestimmt. Das zeigt sich in ihren sich ständig wiederholenden Bewegungs- und Wortspielen. Doch Katt findet, Besuch wäre interessant. Worauf Fred sogleich beleidigt ist. Ob Katt ihn denn nicht interessant finde? Ob er langweilig sei? Aber nein, findet Katt, aber Besuch sei etwas Neues und deshalb spannend.

Besuch ist da

Plötzlich ist Besuch im Raum. Er steht da, während Katt und Fred über dessen Herkunft diskutieren. Niemand hat ihn eingeladen. Miranda ist von der Strasse heraufgekommen. Katt will wissen: «Eifach so?« Und Miranda antwortet: «Eifach so.« Dann lachen beide verlegen. Dieses Wortspiel wiederholt sich einige Male, das verlegenene Lachen wird dabei immer länger.

Dinner zu dritt

Erst ist Fred überhaupt nicht einverstanden, denn Miranda bringt die Zweierordnung durcheinander. Doch als Miranda beginnt, Fred Komplimente zu machen, taut er auf und der Spiess dreht sich. Nun ist Katt nicht zufrieden. Sie will, dass der Besuch wieder geht, weil Miranda ihr Fred abspenstig zu machen scheint. Doch weil der Besuch König ist, kann er nicht einfach vertrieben werden. Das nützt Miranda freilich aus. Es gibt Essen und da im Raum nur zwei Teller und zwei Löffel vorhanden sind, erklärt sich Katt bereit bei Fred mitzuessen. Dieser beachtet sie allerdings nicht und freut sich mit Miranda zu speisen. Als Katt nach dem Löffel fragt, damit sie auch etwas essen kann, gibt Fred ihr diesen bereitwillig. Sogar Miranda gibt den ihren. Miranda und Fred essen also mit den Fingern. Katt reicht es, sie droht mit ihrem Weggang. Da erst wird Fred bewusst, wie wichtig ihm Katt ist. Es kommt zur Entscheidung.

Überzeugendes Trio

Franziska Bachmann Pfister, Marco Sieber und Rita Zimmerli vom Theaterensemble Aeternam müssen extrem intensiv spielen, da sie nur zu dritt sind. Der Spannungsbogen zieht sich von der ersten bis zur letzten Minute durch. Die Handlung ist überhaupt nicht einschätzbar, weshalb man teilweise wie auf Kohle sitzt. Die Schauspieler dürfen sich keinen Fehlblick ins Publikum leisten, auch ein unterdrücktes Lächeln oder Lachen würde sofort bemerkt werden. Sie haben sich sehr gut im Griff.

Leider ist der Eintritt, der für Erwachsene 25 und für Studierende 20 Franken kostet, für das nur fünfzig Minuten dauernde Spektakel, das ausser den beiden Sofas kaum sichtbare Requisiten verwendete, überteuert. Um das Theater wirklich beurteilen und begreifen zu können, muss man es selbst gesehen haben. Es dient als idealer Anstoss, eine philosophische Diskussion über den Wert eines Besuchs zu führen oder wie weit man gehen darf, wenn jemand einem nicht passt.

Info:


Am Freitag 17. und Samstag 18. November finden zwei weitere Vorstellungen im Schtei in Sempach statt.

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