Kultur | 23.10.2006

Die Rückkehr gut erzählter Geschichten

Text von Andreas Renggli
Fumetto hat das neue Thema für den Comicwettbewerb bekannt gegeben. Im Interview äussert sich der neue künstlerische Leiter Lynn Kost zur Zukunft, dem neuen Trend guter Erzählungen und der Einbettung des Festivals in Luzern.

Das Thema für den Comicwettbewerb 2007 lautet Zukunft. Wieso?

Wir haben ein Thema gesucht, das den Blick nach vorne lenkt. Das passt auch zum Festival selber. Juliette Wyler und ich bilden seit einer Woche die neue Festivalleitung und schauen gemeinsam in die Zukunft. Wir wollten zudem ein breites Thema mit vielen Anknüpfungspunkten und Freiheiten für die Zeichner und ihre Vorstellungen.

Welches sind die weiteren Kriterien für gute Wettbewerbsthemen?

Wir wählen jedes Jahr nur ein Thema für alle drei Alterskategorien. Daher darf es nicht allzu abstrakt sein. Zudem wollen wir auch nicht nur schwere, sozial relevante Themen. Camping (2004) und Musik (2005) haben für Abwechslung gesorgt. Ein enges Thema schafft ein sehr homogenes Festival. Das wollen wir ebenfalls möglichst verhindern.

Wie wichtig ist der Wettbewerb für das Festival?

Er bildet seit der ersten Festivalausgabe 1992 das Kernstück vom Fumetto. Der Wettbewerb zieht immer mehr junge Künstler an. 2006 erhielten wir 1024 Einsendungen aus 33 Ländern. In den letzten vier Jahren sind sämtliche prämierte Wettbewerbsbeiträge von Verlagen publiziert worden. Die Auszeichnung ist zu einer Art Gütesiegel geworden. Der Wettbewerb dient auch als Förderinstrument und bietet jungen Zeichnern die Chance, sich mit anderen zu vergleichen.

Könnte diese starke Zunahme der Wettbewerbseingaben auch am Preisgeld liegen?

Nein, das denke ich nicht. In den letzten fünf Jahren sind die Preisgelder nicht gestiegen. Sie sind ohnehin nicht sehr hoch. Ingesamt vergeben wir 5’000 Franken in Geldform und 5’000 Franken als Sachpreise. Was für die Teilnahme zählt, ist wirklich die Aussicht auf eine gute Referenz.

Das Festival lebt nicht nur vom Wettbewerb. Welche Elemente bilden nächstes Jahr weitere Schwerpunkte?

Es gibt einen Trend aus der alternativen Szene, dass wieder vermehrt gute Geschichten erzählt werden. Insbesondere auch bei jungen Künstlern. Sie setzen auf gute Erzählungen, ohne dass das Zeichnerische zu kurz kommt. Dieser neuen Entwicklung wollen wir viel Platz geben.

Stehen bereits erste Namen fest?

Ja, zum Beispiel Nicolas De Crécy. Er ist in Frankreich mit seinen Geschichten, die teilweise über mehrere Bände reichen, massentauglich. Trotzdem publiziert er nach wie vor auch in kleineren Verlagen. Wir zeigen seinen lockeren, aber sehr intensiven Strich zum ersten Mal ausserhalb Frankreichs. Ebenfalls eine internationale Premiere präsentieren wir mit Gipi. Der Italiener ist ein grosses Erzähltalent und arbeitet mit einer ungewöhnlichen Wort-Bild-Kombination. Seine Figuren sagen sehr wenig und erzeugen trotzdem eine sehr grosse Aussagekraft.

Und wie wird die einheimische Szene am Festival vertreten sein?

Unter anderen mit der aufstrebenden Zürcherin Kati Rickenbach. Sie steht kurz vor der Publikation ihres ersten Buches, indem sie ironische Geschichten aus ihrem Alltag erzählt. Neben ihr zeigen wir auch den 32-jährigen Genfer Frederik Peeters. Im Dezember erscheint in Frankreich ein Krimi, der auf Tatsachen beruht.

Du hast angekündigt, dass das Festival künftig offener für andere Kunstrichtungen werden soll. Was ist geplant?

Bereits in den letzten drei, vier Jahren hat es immer einzelne dem Comic nahe Ausstellungen gegeben. Beispielsweise Grafiken, die stark inspiriert wurden durch den Comic, aber sich dennoch deutlich abheben. Solche Elemente bereichern das Festival, indem sie gegenseitige Einflüsse aufzeigen. Das wollen wir künftig weiter ausbauen. In den USA ist diese Vermischung verwandter Kunstrichtungen bereits viel weiter fortgeschritten als bei uns. Dort ist der Zwang, sich an den klassischen Formen der hohen Kunst zu orientieren, viel schwächer.

Aufgrund des Erfolgs vom Fumetto rühmt sich Luzern als Festival- und Comicstadt. Zu Recht?

Ja, durchaus. Während des Festivals gibt es zusätzlich 50 Schaufenster und Satellitenausstellungen in Restaurants mit Comics. Viele Läden wollen mitmachen, auch viele Zeichner aus der Region. Es gibt höchstens einen Kapazitätsengpass auf unserer Seite. Trotzdem habe ich keine Angst, dass diese zusätzlichen Bestandteile das Festival verwässern. Im Gegenteil: Ich finde das sehr schön.

Das Fumetto 2007 bestreitest du zum ersten Mal als künstlerischer Leiter. Mit welchem Gefühl?

Ich habe ein sehr positives Gefühl, zumal ich ja bereits seit zwei Jahren für das Festival arbeite und das Umfeld gut kenne. Mit Juliette Wyler, der neuen Marketingverantwortlichen, arbeite ich zwar erst seit kurzer Zeit zusammen, dafür intensiv. Es herrscht eine gute Stimmung. Das Festival steht auf einer soliden Basis, sein Image ist sehr stark. Trotzdem steckt immer wieder sehr viel Arbeit dahinter, insbesondere für die Finanzierung. Kaum ist das Festival jeweils zu Ende, beginnt die Planung für die nächste Ausgabe.

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