Kultur | 11.10.2006

“Das ist alles auch eine Therapie für mich”

Mit dem Auftritt im Zürcher Abart übertraf Matt Costa am vergangenen Montag jegliche Erwartungen. Der Kalifornier versprühte genau jene lockere Fröhlichkeit, die auch seine Musik auszeichnet. Und dies mit Erfolg: Schon nach wenigen Takten zog er das Publikum in seinen Bann.
Matt Costa - Sänger ohne Allüren und spontan bereit zum Interview.
Bild: Stefanie Pfändler

Matt Costa lacht. Wie so häufig. Legt den Kopf schräg und fährt sich verlegen durch die Haare. «Mein grösstes Ziel? Was ich bisher erreicht habe, ist mehr, als ich jemals erwartet hätte. Ich bin in einem fremden Land und dennoch kommen so viele Leute um meine Musik zu hören. Ich glaube, mein grösster Wunsch ist, als alter Mann auf ein erfülltes Leben zurückzublicken, viele Lieder geschrieben, viel gesehen zu haben.«

Während andere Musiker solche bescheidenen Worte gezielt einsetzen, um Sympathiepunkte zu gewinnen, klingt aus Matt Costas Antwort offene Ehrlichkeit. So erklärt er sich auch spontan dazu bereit, vor seinem Konzert einige Fragen zu beantworten. Keine Spur von Arroganz oder Überheblichkeit. Es scheint, als wäre Costa trotz seiner Welttour mit Jack Johnson immer noch der Gitarre spielende Skateboarder geblieben – viel mehr der sympathische Junge von nebenan als der nach Rampenlicht strebende Jungstar.

Spielerische Leichtigkeit

Ironischerweise gab sich sogar die Vorband Portobello weltgewandter als der Kalifornier. Die vier Luzerner vermochten das Publikum trotz oder gerade wegen all ihrer Bemühungen nicht zu überzeugen. Vielleicht war es der Kontrast zu jener Kühle, der Matt Costas Auftritt in einen vollen Erfolg verwandelte: Während der vorangehende Auftritt fast angestrengt wirkte, zeigte dieser gekonnt, wieso man den Ausdruck “Gitarre spielen” verwendet. So liess Costa keinen Zweifel daran, dass er und seine Band auf der Bühne vor allem eines haben: Jede Menge Spass. Trotz seiner unbeschwerten Art ist der 24-Jährige nicht das, was man sich unter einem kalifornischen Sunnyboy vorstellt. Die zerzausten Haare und das schlichte Hemd machten einmal mehr deutlich, dass Costa nicht das auf Hochglanz polierte Produkt irgendeiner Plattenfirma ist, sondern seine persönliche Lebensauffassung authentisch wiedergibt.

Eine Portion Sonnenschein

Auf die Frage hin, ob der Wert seiner Lieder durch die stetigen Wiederholungen nicht irgendwann abgenutzt werde, reagiert Costa mit einem nachdenklichen Kopfschütteln. «Die Lieder, die ich singe, bedeuten mir sehr viel. Sie stehen für den Abschnitt in meinem Leben, in dem ich mich gerade befinde. Ich kann mir deshalb nicht vorstellen, Lieder zu schreiben, die mir irgendwann keine Freude mehr bereiten.«

So gelang es Costa und seiner Band, die voll besetzte Halle für eineinhalb Stunden an die sonnigen Küsten Kaliforniens zu versetzen. Sie schlugen die Brücke zwischen Rock, verträumter Gitarrenmusik und folkig angehauchten Songs absolut problemlos. Costa selbst suchte immer wieder den Kontakt zu den Zuschauern, machte Witze oder bedankte sich. Sogar einen Zwischenfall mit einem übereifrigen Fan kommentierte er mit einem freundlichen Lächeln und wies den Sicherheitsmann höflich zurecht, als dieser etwas grob zur Tat schritt.

Neue Erfahrungen

«Es ist schwierig zu sagen, ob ich lieber in einem kleinen Klub auftrete oder vor vielen Menschen. Mit meiner momentanen Situation bin ich mehr als glücklich. Bei grösseren Konzerten ist die Herausforderung, eine Beziehung zum Publikum aufzubauen, natürlich viel schwieriger.«  Er hält einen Moment inne und fügt dann grinsend hinzu: «Natürlich würde ich zu einem grossen Auftritt dennoch nicht nein sagen.«

Mit seiner Show hat Matt Costa bewiesen, dass er alle Eigenschaften vereint, die einen erfolgreicher Musiker ausmachen. Bleibt nur zu hoffen, dass er auch dann noch mit beiden Füssen auf dem Boden steht, wenn seine Lieder im Radio rauf und runter gespielt werden. Doch es ist schwer zu glauben, dass Costas Aufgeschlossenheit irgendwann abhanden kommen könnte. «Durch meine Musik, die vielen Reisen und die Fragen, die mir gestellt werden, erfahre ich nicht nur sehr viel über die Welt, sondern auch über mich selbst«, erzählt Costa. « Ich mache mir Gedanken über Dinge, mit denen ich mich sonst kaum beschäftigt hätte. Somit ist das alles auch eine Art von Therapie für mich.«  Er zuckt kaum merklich zusammen, als das Licht einer Kamera aufblitzt. Und lacht.

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