Zauberhafte Lichtgestalten

Im abgedunkelten Saal des Musical Theaters Basel herrscht tosender Applaus. Das Publikum klatscht und zeigt seine Begeisterung.

„Mummenschanz ist lebende Poesie“ sagte Florina Frassetto, die Gründerin der Gruppe. “Es ist die Analyse der Misskommunikation durch Poesie und Humor”, fährt sie fort. Für den Zuschauer sind es grosse Masken und Kostüme. Diese Masken schaffen es, das Publikum von der Lebendigkeit der Figuren zu überzeugen.

Geschichten ohne Worte und ohne Musik

Da sehen wir eine grosse grüne Kugel. Die Kugel hat ein breites Maul und erinnert an Kermit den Frosch. In der absoluten Dunkelheit der Bühne und nur von wenigen Spot-Lichtern erhellt, beobachten die Zuschauer, wie das fabelhafte Wesen auf der Bühne umhertollt und die rote Zunge geschickt als Hilfsmittel einsetzt.

Die Szenen sind kurz und schon bald spielt ein 5-Meter-Rohr mit einem grossen, roten Ballon. Beim Zusehen entschwindet dem Betrachter der Mensch hinter der Figur. Die Figur steht im Vordergrund und erzählt lustige, aber auch traurige Geschichten. Das Geheimnis ist vielleicht, dass die Geschichten ohne jegliche Musik und ohne ein gesprochenes Wort auskommen. Einzig die Reaktionen vom Publikum sind zu hören. Wie die Darsteller schon sagten: „Therapie für die Seele“, die dem Ruhesuchenden in der hektischen Welt Ruhe bringen soll.

Wie Mummenschanz entstand  

Die Geschichte von Mummenschanz begann in der Tanz- und Bewegungsschule von Jaques Lecoq. Bernie Schürch arbeitete zusammen mit Andrès Bossard an einer neuen visuellen Ausdrucksform. In einer späteren Entwicklungsphase lernten die Entwickler Florina Frassetto kennen, die bis zu diesem Zeitpunkt an verschiedenen Pantomime-Projekten mitwirkte. Sie schloss sich den beiden an. Seit 1972 sind so zahlreiche Aufführungen entstanden. Die Darsteller hauchen seither ihren vielseitigen Masken leben ein. Die Tour dauert noch bis März 2007 und macht in mehreren Schweizer Städten Halt.

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Auf der anderen Seite des Regenbogens

Die vierzehnjährige Dorothy lebt in Kansas. Ihre Pflegeeltern – Tante Emmy und Onkel Henry – müssen sich um die Küken kümmern, und die drei Farmarbeiter haben ebenfalls zu tun. Niemand hat Zeit für Dorothy. Sie reisst aus, aber ein Wirbelsturm scheucht sie zurück. In ihrem Zimmer wird sie von einem durch den Sturm aufgerissenes Fenster am Kopf getroffen und fällt in Ohnmacht.

Der Tornado wirbelt das Haus durch die Luft und setzt es auf der anderen Seite des Regenbogens wieder ab. Dorothy befindet sich nun im bunten Land Oz, das von den winzigen Munchkins, Feen und fliegenden Affen bewohnt wird. Die gute Hexe Glinda rät Dorothy, den mächtigen Zauberer Oz in seinem grünen Schloss in der Smaragdstadt aufzusuchen: Nur er könne ihr helfen, nach Kansas zurückzukehren.

Unterwegs schliessen sich dem Mädchen und seinem Hund drei Wesen an, die  ihr helfen die Reiseabenteuer zu bestehen: Eine mit Stroh ausgestopfte Vogelscheuche, die den Zauberer Oz um Verstand bitten möchte, ein Blechmann, der sich ein fühlendes Herz wünscht und ein Löwe, der sich für feig hält und hofft, dass der Zauberer ihn mutig macht.

Der Zauberer Oz kann zwar die Wünsche der Bittsteller nicht erfüllen, denn er verfügt in Wirklichkeit über keine übernatürlichen Kräfte, aber er verschafft der Vogelscheuche ein Diplom, dem Blechmann eine Auszeichnung als Wohltäter, dem Löwen einen Orden und leitet sie zur Selbsthilfe an.

Info:


"Der Zauberer von Oz" wird an folgenden Wochenenden in der Aula der Pädagogischen Hochschule Solothurn aufgeführt: 3.-5. November, 10.-12. November und 17.-19. November, am Freitag uns Samstag jeweils um 19.30 Uhr, am Sonntag um 16.30 Uhr. Tickets sind für Erwachsene ab 20 Franken und für Jugendliche (bis 16) ab 10 Franken erhältlich , auch im Vorverkauf unter der Nummer 079 282 35 56.

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Un fieu artifizial – Ein Rap-Feuerwerk

Wann hat Solothurn schon die Gelegenheit, sich gleich zwei grosser Leckerbissen aus dem Schweizer Rap-Kuchen zu bedienen? Zwar hat wohl jeder Besucher die Berner Giele aus der Chlyklass schon mindestens einmal gesehen. Doch wer schon mit ihrer neuen Platte “Teamgeist” vertraut gemacht worden war, dürfte leicht zu überzeugen gewesen sein.

Liricas Analas wiederum waren letztmals an der Abschlusssause der alten Kulturfabrik Kofmehl zu Gast in Solothurn. Eine lange Wartezeit für die Fans, die ihnen aber mit der neuen CD “AnalFaBad”, veröffentlicht im April diesen Jahres, etwas verkürzt wurde.

Mo Plaun?

Den Anfang machten die Bündner. Und die hatten nichts von ihrem Elan eingebüsst, sondern legten nach dem ersten Song gleich mal eine nette Freestyle-Einlage ein. Abwechslungsweise wurden dann Titel von “Analogia” und vor allem von “AnalFaBad” gespielt. Dabei überzeugten allen voran die melodischen Songs. Schliesslich blieb dem Beat neben den fünf MC’s nur wenig Gehör. Die Viva-Generation feierte, als mit “Siemis” der Song zum stilvollen Video gespielt wurde. Die Jungs versuchten immer wieder, das Publikum mit einzubeziehen, um die Sprachbarriere zu überwinden. Doch dem Publikum war es im Grunde egal, was sie mitschrien. “Mo Plaun”, “nur langsam”, wurde skandiert. Ein weiterer Höhepunkt: Der druckvolle Song “I Tonscha”. Die Zugabe war fast selbstverständlich, schon nur um den Titel „Rapmaschina“ zu bestätigen.

Eingespieltes Team

Kaum hatte dieser erste Teil aufgehört, ging es auch schon wieder weiter mit Diens, Tiersch, Serej und DJ Link, einem eingespielten Team. Ist Wurzel 5 erwachsen geworden? Keineswegs, doch wieder werden neue Wege gegangen. Für die Beats durften alle ran, diesmal vom Opernsänger bis zum Bläser. Die leicht düstere Grundstimmung der Tracks kam gut an. Zwischendurch liessen die Berner mit Stücken wie “Spitze vom Bärg” auch Nostalgiker auf ihre Kosten kommen. Doch die Highlights waren die neuen Tracks “Teamgeist”, “Es git Zyte” und “Nume Wyter So”. Das  ziemlich junge Publikum feierte, und „d’Wurzle“ lobten das Solothurner Publikum.

Lange Zugabe

Die Zugabe schliesslich dauerte fast so lange wie der Gig selbst. Die Fans durften die Bühne stürmen und kräftig mittun, selbst die ganz jungen Angehörigen der Crewmitglieder. Der Schlusspunkt wurde mit dem polarisierenden Titel “Für Di” gesetzt. Nur einmal griffen die Jungs tief in die Popkiste, und das stand ihnen gar nicht so schlecht an. Alles in allem wird sich aber der Grossteil des Publikums über ein Wurzel-Kollektiv gefreut haben, welches es unterlassen hat, sich zu verkaufen. Und zeigte, dass trotzdem neue Wege gegangen werden können. 

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„Eifach so?“

Die Tür öffnet sich, das Publikum strömt in den Aktionsraum vom Treibhaus. Auf den Sofas auf der Bühne liegt je eine Person mit dem Rücken zum Publikum, schlafend, mit angezogenen Beinen. Stille herrscht. Die beiden Personen, eine Frau links, ein Mann rechts, bewegen sich synchron. Katt und Fred pflegen Ordnung zu halten, sie sind, da nur zu zweit, perfekt eingerichtet und aufeinander abgestimmt. Das zeigt sich in ihren sich ständig wiederholenden Bewegungs- und Wortspielen. Doch Katt findet, Besuch wäre interessant. Worauf Fred sogleich beleidigt ist. Ob Katt ihn denn nicht interessant finde? Ob er langweilig sei? Aber nein, findet Katt, aber Besuch sei etwas Neues und deshalb spannend.

Besuch ist da

Plötzlich ist Besuch im Raum. Er steht da, während Katt und Fred über dessen Herkunft diskutieren. Niemand hat ihn eingeladen. Miranda ist von der Strasse heraufgekommen. Katt will wissen: „Eifach so?“ Und Miranda antwortet: „Eifach so.“ Dann lachen beide verlegen. Dieses Wortspiel wiederholt sich einige Male, das verlegenene Lachen wird dabei immer länger.

Dinner zu dritt

Erst ist Fred überhaupt nicht einverstanden, denn Miranda bringt die Zweierordnung durcheinander. Doch als Miranda beginnt, Fred Komplimente zu machen, taut er auf und der Spiess dreht sich. Nun ist Katt nicht zufrieden. Sie will, dass der Besuch wieder geht, weil Miranda ihr Fred abspenstig zu machen scheint. Doch weil der Besuch König ist, kann er nicht einfach vertrieben werden. Das nützt Miranda freilich aus. Es gibt Essen und da im Raum nur zwei Teller und zwei Löffel vorhanden sind, erklärt sich Katt bereit bei Fred mitzuessen. Dieser beachtet sie allerdings nicht und freut sich mit Miranda zu speisen. Als Katt nach dem Löffel fragt, damit sie auch etwas essen kann, gibt Fred ihr diesen bereitwillig. Sogar Miranda gibt den ihren. Miranda und Fred essen also mit den Fingern. Katt reicht es, sie droht mit ihrem Weggang. Da erst wird Fred bewusst, wie wichtig ihm Katt ist. Es kommt zur Entscheidung.

Überzeugendes Trio

Franziska Bachmann Pfister, Marco Sieber und Rita Zimmerli vom Theaterensemble Aeternam müssen extrem intensiv spielen, da sie nur zu dritt sind. Der Spannungsbogen zieht sich von der ersten bis zur letzten Minute durch. Die Handlung ist überhaupt nicht einschätzbar, weshalb man teilweise wie auf Kohle sitzt. Die Schauspieler dürfen sich keinen Fehlblick ins Publikum leisten, auch ein unterdrücktes Lächeln oder Lachen würde sofort bemerkt werden. Sie haben sich sehr gut im Griff.

Leider ist der Eintritt, der für Erwachsene 25 und für Studierende 20 Franken kostet, für das nur fünfzig Minuten dauernde Spektakel, das ausser den beiden Sofas kaum sichtbare Requisiten verwendete, überteuert. Um das Theater wirklich beurteilen und begreifen zu können, muss man es selbst gesehen haben. Es dient als idealer Anstoss, eine philosophische Diskussion über den Wert eines Besuchs zu führen oder wie weit man gehen darf, wenn jemand einem nicht passt.

Info:


Am Freitag 17. und Samstag 18. November finden zwei weitere Vorstellungen im Schtei in Sempach statt.

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“Irgendwann musst du aufhören zu malen”

Was tut ihr so in diesem Bus nach den Shows?

Wenn wir fertig sind, ist es meistens schon sehr spät. Dann passiert nichts aufregendes mehr. Ich gehe dann zu Bett, schaue mir noch DVDs an auf meiner Pritsche oder lese Bücher. Ich bin nicht sehr Rock’n’Roll. Ich habe aufgehört zu trinken und zu rauchen. Und das obwohl ich 10 Jahre lang mich oft betrunken habe. Da habe ich mir gedacht, dass ich vielleicht mal eine Pause brauche. Aber mein nächster Geburtstag ist in zwei Tagen, da werde ich mich wohl wieder mal betrinken, vielleicht wieder für ein ganzes Jahr.

Ist es Euch wichtig, wie ihr auf der Bühne ausseht?

Wir selbst müssen nicht gut aussehen. Hauptsache die Lichter sehen gut aus. Die Lichtshow kann uns verstecken und ihr müsst uns nicht ansehen.

Ist die Show für euch wichtig, oder setzt ihr eher auf die Musik, um damit professioneller zu sein?

Nein, wir sind nicht professionell, wir sind wohl eher die unprofessionellste Band, die es gibt.

Aber die Leute mögen euch. Gestern hattet ihr auf Eurer myspace.com Seite 242188 Freunde.

Oh, das sind viele Freunde. Da wird es schwierig mit jedem einzelnen in Kontakt zu bleiben. Dafür haben wir nicht genügend Zeit, aber wir schauen uns die Kommentare an, und wenn es was Spektakuläres gibt, werden wir vielleicht antworten. Am besten Ihr sendet eure Sachen direkt an unsere eigene Webseite.

Wie verbindet ihr euch mit euren Fans?

Durch die Musik. Wir versuchen immer eine gute Stimmung bei den Konzerten zu erzeugen, es soll eine Art interaktive Show entstehen. Die Leute sehen uns auf der Bühne und sie können fühlen, wie wir uns fühlen. Das ist schön.

Merkt ihr, dass in vielen Ländern die Leute eure Texte nicht verstehen. Englisch ist ja in den meisten Staaten eine Fremdsprache.

Ja schon, aber du wärst erstaunt, denn viele Leute verstehen es, die kennen die Texte und singen mit. Okay, vielleicht verstehen sie es auch nicht. Das ist ja wie wenn alle lachen, auch jene die es nicht verstehen, lachen mal aus Anstand mit.

Die Musik hat sich von euren älteren Platten zu heute etwas verändert.

Die letzte Platte “Final Straw” wurde in zwei Wochen aufgenommen. Das war zu schnell. Bei der Produktion der neuen Platte war mehr Druck da, nicht von unserem Label, sondern von uns selbst. Diesmal wollten wir es besser machen. Die Hauptsache war für uns, dass es grösser klingen sollte, und musikalischer. Wir hatten die Zeit und auch das Geld, um etwas zu probieren. 

Schlussendlich haben wir aber einfach das gemacht, was uns gerade in den Sinn kam. Am Ende mussten wir all die Teile dann irgendwie sortieren. Das war nicht einfach, denn ein paar von uns mochten Elektro, andere eher Heavy.

Seid ihr für den Moment da wo ihr sein möchtet?

Ja, schon. Aber man kann sich immer verbessern. Du kannst immer zurück schauen und denken, dass das eine oder das andere hätte besser gemacht werden können. Damit musst du leben. Es ist wie mit einem Bild. Du musst irgendwann aufhören zu malen, um ein gutes Bild zu erhalten. Ich glaube, dass wir mit “Eyes Open” an diesem Punkt angekommen sind.

Ihr werdet hier und dort im gleichen Atemzug mit Bands wie Travis, Starsailor, Coldplay und Keane genannt. Zählt Ihr euch zu diesen Bands?

Nein. Leute, das sind doch wieder diese Schubladen. Alles wird so vereinfacht, dass es die Leute verstehen. Somit glauben dann manche, dass wir wie Coldplay oder sogar wie U2 klingen. Ich selbst glaube überhaupt nicht, dass wir uns irgendwie ähnlich sind. Wenn Leute aber nur jeweils einen Song kennen, bei uns vielleicht einen langsamen wie “Chasing Cars”, dann klingen wir nach ihrem Verständnis vielleicht wie ein Dutzend anderer Bands.

Magst du Interviews?

Ja, manchmal. Das hier ist okay, aber manche Leute sind so abgefahren. Entweder sie schauen dich nie an, sondern nur auf ihre Fragen, oder sie stellen komische Fragen. Neulich wollte eine wissen: Stell dir vor du wärst ein Football, ob es mich stört nackt in der Dusche zu sein, oder ob eine Parkbank mein Freund sei, da doch eine Gitarre mein Freund sein müsste. Ich habe überhaupt nichts begriffen und konnte keine Frage beantworten.

Möchtest du noch was anfügen?

Ich bin nicht sehr interessant. Ich bin einfach gerade müde und langweilig. Eigentlich müsste man Interviews nach den Konzerten machen, da bin ich dann immer sehr aufgedreht.

Aber wenn Du doch nur im Bus sitzt und liest

Ja, aber nicht in zwei Tagen. Da werde ich Wein trinken. Das ist gesund.

Verlosung:


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„Es gibt zwei Arten von Stress”

Daniel Hofstettler: Wenn man viele Sachen gleichzeitig erledigen sollte, entsteht Stress, das ist logisch. Eigentlich bin ich gerne im Stress. Nur wenn er über lange Zeit anhält, muss ich eine Auszeit nehmen. Es gibt ein gewisses Limit. Alles darüber ist ungesund.

Sara Colella: Ich kann meine Zeit nicht richtig einteilen. Ich habe kein Zeitgefühl. Daher habe ich sehr oft Stress. Mein Mittel um Stress zu vermeiden, habe ich noch nicht gefunden. Ich denke aber, dass alles eine Frage der Einteilung ist.

Tomas Bösch: Es gibt zwei Arten von Stress, negativen und positiven. Negativen habe ich eigentlich keinen, positiven vielleicht acht Stunden am Tag. Ich leide nicht darunter, denn es macht mir Spass zu arbeiten.

Michele: Ich zähle die stressigen Stunden nicht, aber es sind viele. Schätzungsweise 50 Prozent des Tages verbringe ich in Stress. Ich habe einen Beruf, in dem Stress alltäglich ist. Ich bin Journalistin beim Tessiner Fernsehen. Wenn es mir aber zuviel wird, bleibe ich zu Hause und mache etwa Ruhiges.

Klar arbeite ich besser wenn ich gestresst bin, es ist aber sicherlich nicht gut für die Gesundheit, und auch für zwischenmenschliche Beziehungen ist Stress schädlich.

David Stulz: In meinem Beruf sind etwa zwei Stunden pro Tag von Stress geprägt. Als Ausgleich mache ich Sport oder gehe spazieren. Klar arbeitet man schneller, wenn man im Stress ist, aber langfristig ist es schädlich für die Gesundheit.

Alina Mürset und Crazy: Stress, das kennen wir gar nicht. Wenn wir schlafen wollen, dann schlafen wir. Wenn wir saufen wollen, dann saufen wir. Viel mehr wollen wir gar nicht. Es gibt nur Leute, die mit uns Stress haben, aber wir haben nie Stress. Die Leute denken, sie müssen arbeiten und Karriere machen und reich sein und eine geile Hütte haben und ein geiles Auto. Darum haben sie Stress. Auf der Strasse hat man keinen Stress, weil man kein Geld hat. Der grösste Stress entsteht wegen dem Geld.

Die Zeit für Konsequenzen

„Manchmal, wenn wir der Schönheit der Natur wieder begegnen, merken wir plötzlich: Ach ja, das habe ich ganz vergessen.“ Dies sind die Worte Albert Arnold Gores. „Ich war einmal der nächste Präsident der Vereinigten Staaten“, stellt er sich vor.

Aktiv

Heute reist er mit seinen Diavorträgen durch die ganze Welt. Und seit kurzem auch in einem eindrücklichen Dokumentarfilm. „An Inconvenient Truth“ – eine unbequeme Wahrheit, nennt er seine Story, mit der er weltweit an seinen über tausend Vorträgen die Menschen zum Aufwachen, vor allem aber zum Nachdenken und hoffentlich, was er sich so sehr wünscht, zum Handeln gebracht hat.

Bedrückend

„It’s about global warming“ sagt der Texaner trocken, dem man es nicht geben würde, amerikanischer Beinahepräsident zu sein. Er ist nicht stolz darauf. Er wirkt bedrückt. Bedrückt von seiner unbequemen Wahrheit. Die Wahrheit, die man in den Medien gerne als Meinung präsentiert, die in der Bevölkerung als umstritten gilt und in der Politik emsig bekämpft wird. Die Wahrheit, dass sich die Erdatmosphäre gefährlich schnell und unverhältnismässig erwärmt. Die Wahrheit, dass wir Menschen mit unserem unkontrollierten Ausstoss von Treibhausgasen schuld daran sind. Die Wahrheit schliesslich, dass wir uns damit innert kürzester Zeit selber zu zerstören drohen.  

Aufrüttelnd

Mit eindrücklichen Bildern, Fakten und Vergleichen erklärt Al Gore für jedermann verständlich das Problem der globalen Klimaerwärmung. Trotz der schweren Last des Themas ist der Film keineswegs eine schwere Kost, sondern steht vielmehr in der Tradition von Michael Moore. Ein Film, der eine tragische und unbequeme Wahrheit trotz ihrer Schwere mit der nötigen Portion Humor zu präsentieren vermag, ohne im Geringsten seine aufrüttelnde Wirkung zu verlieren.  

Unumgehlich

Gore erinnert mich an den besten Lehrer meiner ganzen Schulzeit, der es vermochte, den Unterricht so spannend und verständlich zu gestalten, dass man beinahe die Pausenglocke überhörte. Damit ist der Film auch für Nichtkundige und wenig interessierte Kinogänger ein Muss.

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Geschichten, die das Leben schreibt

Die dritte Sekundarklasse vom Obesrtufenzentrum Auen in Frauenfeld hat im Rahmen des Deutschunterrichts zusammen mit ihrem Klassenlehrer Urs Poltéra ein Buch geschrieben. Wie der Titel “Life-Stories – Von Stars und Überlebenden”, vermuten lässt, handelt es von Geschichten, die das Leben schreibt, erzählt aus dem Leben von 16 zum Teil auch prominenten Persönlichkeiten aus der ganzen Schweiz.

So liest man in dem 220 Seiten starken Werk zum Beispiel über die Gothic Phase von Ex-Bauernmädchen Mona Vetsch und die Pubertätsgedanken von Franz Fischlin. Aber die 18 Schülerinnen und Schülern haben auch ernstere, erschütternde Geschichten dokumentiert: Die nicht selten unschönen Kindheitserinnerungen einer Zeitzeugin des ersten Golfkriegs etwa, die Erinnerungen eines Ex-Junkies, oder die Geschichte eines HIV-positiven Drogenopfers.

Jede Person wurde persönlich interviewt und das Hauptinteresse galt dabei prägenden Erlebnissen und Momenten der Kindheit und Jugend. Die Klasse beschäftigte die Frage: Was machte diese Personen zu dem, was sie heute sind?

Die 19 Geschichten, davon drei fiktive, lesen sich frisch und angenehm, sind berührend und regen zum nachdenken an. Das Schulprojekt ist geglückt.

Infos:


Das Buch "Life-Stories – Von Stars und Überlebenden" kann man ab sofort in allen deutschsprachigen Buchhandlungen, bei amazon.de oder direkt über die Buchhomepage bestellen. Am Montag 13. November um 20 Uhr findet in der Aula des Oberstufenzentrums Auen in Frauenfeld die Buchvernissage statt. Mit dabei sind prominente Gäste, wie Tagesschaumoderator Franz Fischlin, Sportreporter Matthias Hüppi, Ex-Nationalrat Ernst Mühlemann und Spitzensportler Marcel Hug.

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Einblick ins Schweizer Designschaffen

Das Bundesamt für Kultur (BAK) präsentiert in Kooperation mit dem Museum für Gestaltung Zürich die Arbeiten der zur zweiten Runde des Eidgenössischen Wettbewerbs für Design 2006 geladenen Designerinnen und Designer.

18 Eingaben ausgezeichnet

Der Eidgenössische Wettbewerb für Design ist der wichtigste nationale Wettbewerb zur Förderung des jungen Schweizer Designs. Er umfasst drei Teile: den Wettbewerb selbst, der jährlich vom BAK ausgeschrieben wird, die Ausstellung mit den Preisträgerinnen und Preisträgern, die alternierend im mudac in Lausanne und im Museum für Gestaltung Zürich stattfindet, sowie die Publikation des BAK mit den preisgekrönten Arbeiten. Dieses Massnahmenpaket soll junge Designerinnen und Designer finanziell und fachlich unterstützen und ihre Arbeiten einer breiten Öffentlichkeit vorstellen.

Der Wettbewerb findet in zwei Runden statt. Dieses Jahr bewarben sich 231 Designerinnen und Designer mit Dossiers für die erste Runde des Wettbewerbs. 41 von ihnen wurden eingeladen, ihre Originalarbeit für die zweite Runde in Bern zu präsentieren. Dem Vorschlag der Jury folgend, zeichnete das BAK schliesslich 18 Eingaben aus.

Die Wahl des Preises

Die Preisträgerinnen oder Preisträger bestimmen die Form ihres Preises selber. Sie haben die Wahl zwischen einer Preissumme über 20’000 CHF, einem freien Atelier in London oder New York und einem Praktikumsplatz bei einer international bekannten Designfirma.

International besetzte Jury

Die Jury besteht aus den Mitgliedern der vom Bundesrat gewählten Eidgenössischen Designkommission sowie aus mehreren eingeladenen internationalen Experten. Die Mitglieder der Eidgenössischen Designkommission und die Experten begutachten die zum Wettbewerb eingereichten Dossiers und treffen eine Auswahl für die zweite Runde. In der zweiten Runde werden die Originalobjekte beurteilt und die Förderpreise für Design gesprochen. Die Jury vergleicht dabei die Arbeiten sowohl mit Arbeiten aus denselben Disziplinen, als auch interdisziplinär, mit Arbeiten aus anderen Bereichen.

Das Geheimnis der Welt zwischen 0 und 1

„Wir laden Sie ein, das Geheimnis zu lüften und die Welt zwischen 0 und 1 zu entdecken“, versprach die ETH für ihre Ausstellung zur Geschichte und aktuellen Forschung der Informatik, die anlässlich des 25-jährigen Jubiläums des Departements Informatik während einer Woche an der ETH Zürich zu sehen war.

„Klingt viel versprechend, wenn auch etwas unrealistisch“, hab ich mir gedacht und mich daran gemacht, die Welt der Informatik zu erkunden. In der Haupthalle der ETH erfährt man dann tatsächlich einiges über die Entwicklung der Informatik im Laufe der Jahre. Besonders eindrücklich ist ein riesiger Stapel CDs, welcher darstellt, wie sich die Speicherkapazitäten der Computer rasant vergrössert haben. Hatte der gesamte Inhalt einer Festplatte vor einigen Jahren noch auf wenigen CDs Platz, so braucht es heute einen CD-Stapel von mehreren Metern, um alles darauf zu speichern.

Schreiende Legos

Der grösste Teil der Ausstellung zeigt, was Informatik mit unserem täglichen Leben zu tun hat und woran die Informatikerinnen und Informatiker der ETH zurzeit forschen. So gibt es zum Beispiel ein Legoschloss, welches auf den ersten Blick ganz normal aussieht. Die Betreuerin des Exponats erklärt mir dann aber, dass die Legofiguren in Zukunft Geräusche machen werden. Trifft beispielsweise die Königin auf das Schlossgespenst, beginnt sie zu schreien.

Gleich nebenan erzählt mir ein Informatikstudent, dass es bald möglich sein wird, mit dem Handy Strichcodes zu lesen und man somit gleich im Geschäft Informationen zu den verschiedenen Produkten abrufen werden könne.

Über Sinn und Unsinn dieser und weiterer „Innovationen“ könnte man wohl lange diskutieren. Die Möglichkeiten, die uns die Informatik bietet, sind aber auf jeden Fall faszinierend.

Der Arzt in der Westentasche

Auch für Naturwissenschaft und Medizin spielt die Informatik eine wichtige Rolle. So wird zurzeit an einem tragbaren Gerät geforscht, welches die Aktivitäten im Körperinnern fortlaufend abhört und auswertet, um bei Unregelmässigkeiten sofort über das Mobiltelefonnetz einen Alarm auszulösen.

Für Jung und Alt

Die Informationen und Anschauungsobjekte zu den verschiedenen Forschungsthemen sind nicht sehr ausführlich, dafür aber auch für Laien verständlich. Insbesondere dank der vielen interaktiven Möglichkeiten wird die Informatik für einmal praxisnah. Wer mehr wissen will, kann bei den Betreuerinnen und Betreuern nachfragen, wobei vor allem diejenigen, die selber am jeweiligen Forschungsprojekt beteiligt sind, gerne mehr über ihre Arbeit erzählen.

Der Besucheransturm hält sich in Grenzen, doch scheint das Thema alle Generationen zu interessieren. Man sieht sowohl Familien mit Kindern, Schulklassen, Studenten als auch ältere Leute.

Alles in allem eine gelungene Ausstellung, doch für mich bleibt das Geheimnis der Informatik weiterhin ungelüftet.

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