Kultur | 25.09.2006

„Wir haben nie eine Pause gemacht”

Text von Janosch Szabo | Bilder von Tink.ch
Noah, Gabriel, Simon und Stefan sind wie eine Familie, unzertrennbare Freunde. Zusammen gewinnen sie Wettbewerbe, spielen Konzerte, klopfen dreckige Sprüche, rennen Fussbällen hinterher und machen vor allem gute Musik. Sie sind Pegasus. Tink.ch traf die vier Jungs in ihrem Bandraum zum Interview.
Keine Zeit zum Experimentieren. Pegasus auf der Bühne.Noah: "Wenn man auf die Bühne geht, ist alles klar. Dann weiss jeder, was er zu tun hat."Simon: "Wir haben nie eine Pause gemacht. Viele Bands machen das."Gabriel über die erste CD: "Feedbacks habe ich noch nicht sehr viele bekommen. Aber sie hat sich ziemlich gut verkauft."
Bild: Tink.ch

Wir sind hier in eurem Bandraum.

Noah: Ja, das ist unsere Basis, unser zweites Zuhause. Hier stehen alle möglichen Instrumente herum, eine Orgel, ein Klavier, Bässe, Gitarren, Perkussion und das Schlagzeug. Hier drinnen geht viel mehr ab, als sonst in einem Bandraum. Manchmal sind wir zu zehnt, ziehen andere Musiker mit ein. Es ist dann nicht ein Üben sondern viel mehr ein Experimentieren. Aber hier arrangieren wir auch unsere neuen Songs und schleifen sie.

Und wo entstehen sie?

Gabriel: Meistens bei Noah zu Hause oder in seinem Kopf.

Noah: Ja, die Musik schreibe ich zu Hause, die Songs entstehen am Klavier oder an der Gitarre. Dann bringe ich sie hier in den Bandraum, wo sie sich schrittweise entwickeln. Die Texte folgen meistens erst, nachdem wir den Song arrangiert haben.

Wann kommen dir die Inspirationen und Ideen?

Noah: In der Stube habe ich einen Flügel. Früher hatte ich ihn zur Wand hin, jetzt habe ich ihn gedreht und sehe in den Garten raus. Seither gehen mir viel mehr Sachen durch den Kopf. Die Aussicht gibt mir viel mehr Inspiration. Ich sehe Blätter, Dächer und die Stadt. Meine Augen nehmen Sachen auf. Diese Eindrücke verarbeite ich mit Musik. Manchmal ist es gar nicht wirklich Musik, sondern nur Emotion, ganz kurz, 20 bis 30 Sekunden, in denen ganz viele Emotionen drin stecken.

Wie reagiert ihr anderen, wenn Noah mit einem neuen Song kommt?

Simon: Er spielt ihn uns meistens vor, auf dem Klavier oder an der Gitarre. Dann gehen wir an die Instrumente und fangen an.

Stefan: Wir tun schon auch kritisieren, aber meistens gibt es nicht viel auszusetzen.

Noah: Der Ehrlichste ist Gabriel. Wenn ich etwas fertig habe, rufe ich ihn an. Dann kommt er rüber, setzt sich hin und sagt: Spiel es mal. Und dann sagt er, was er davon hält.

Wo spielt ihr lieber, hier im Bandraum oder auf den Bühnen?

Noah: Ich bin lieber hier im Bandraum. Ich habe es lieber, wenn wir unter uns sind und den Song anschauen. Klar, es ist immer noch ein Erlebnis, wenn wir ihn nachher auf der Bühne spielen, aber die grösste Wirkung hat er, wenn wir ihn die ersten drei vier Male spielen. Das ist wie ein Trip.

Stefan: Ja, hier ist es die ganze Zeit ein Probieren. Das kann man auf der Bühne nicht.

Noah: Wenn man auf die Bühne geht, ist alles klar. Dann weiss jeder, was er zu tun hat. Hier drinnen haben wir mehr Zeit zum Experimentieren.

Trotzdem, die Bühne hat doch ihren Reiz.

Noah: Ja, der Sound ist oft viel besser auf der Bühne, man hört ihn aus allen Richtungen. Es kommt alles wie aus einem Ganzen heraus. Und natürlich sind dort die Leute. Die spüren wir hier drinnen nicht, wissen nicht, was die Leute von dem Song halten werden.

Vor ein paar Tagen ist eure erste CD, eine EP mit drei Songs, in die Läden gekommen. Wie sind die ersten Reaktionen?

Gabriel: Feedbacks habe ich noch nicht sehr viele bekommen. Aber sie hat sich ziemlich gut verkauft.

Noah: Viel besser, als wir erwartet haben. Im Laden ist fast alles raus. An vier Arbeitstagen sind 125 Exemplare verkauft worden. Ich hatte mit 30 bis 40 gerechnet. Aus dem privaten Umfeld sind natürlich schon Reaktionen gekommen und auch auf der Homepage gabs im Gästebuch ein paar Einträge.

Wie verliefen die Aufnahmen im Studio?

Noah: Im Sommer 2004 haben wir angefangen.

Simon: Und haben zwei Songs aufgenommen, unter anderem «Music is my baby«, der jetzt auch auf der aktuellen CD die Nummer eins ist. Letztes Jahr im Oktober sind wir dann wieder ins Studio und haben mit den Aufnahmen fürs Album begonnen. Sie dauerten bis im März.

Noah: Es war eine sehr harte Zeit, für alle. Im letzten Winter ist jeder an seine Grenzen gestossen. Unsere Nerven waren irgendwann am Ende. Jeder hatte die Lehre oder sonst irgendetwas abgebrochen. Die Musik und die Arbeit im Studio waren nie ein Problem, aber das ganze Drumherum, das so genannte Business, die Verträge, das Releasedatum, das immer wieder verschoben wurde. Eigentlich hätte die erste CD schon im Oktober 2004 herauskommen sollen, jetzt ist sie mit 23 Monaten Verspätung auf dem Markt. Das Album kommt dann im nächsten Frühling raus, acht Wochen nach einer Single.

Wie wird das Album tönen?

Noah: Es wird ruhiger sein, als wir live sind. Es wird neben ein paar Live-Songs auch solche drauf haben, die die wir noch nie auf einer Bühne gespielt haben. Das sind ruhige, nachdenkliche, etwas tiefere Songs, als jene, die von Frauen oder vom Wetter handeln. Im Studio haben wir die Möglichkeit gesehen, eben auch ruhigere Sachen zu machen.

Wann sind bei euch die Träume erwacht, eine eigene CD zu aufzunehmen?

Noah: Am Aarebordfest im August 2003 haben wir zwei Studiotage gewonnen. Die wollten wir nutzen, um eine Demo aufzunehmen. Aber an dem Tag, als wir ins Studio kamen, war nicht nur Produzent Serge dort, sondern auch ein Mischer und der Manager. Plötzlich haben sie begonnen von einem Album zu reden und dass sie uns gerne unterstützen würden. Das war für uns wie ein Traum, dass professionelle Leute mit uns etwas Professionelles machen wollen.

Unterstützen euch eure Familien?

Noah: Ja, nicht immer, aber meine Mutter ist immer dahinter gestanden. Als wir noch ganz klein waren, der Simon und ich, und im Keller unten gespielt haben, sassen seine und meine Mutter oft dort und haben uns zugehört.

Simon: Und haben uns Picknick in den Keller runtergebracht.

Noah: Die Eltern sind schon stolz, aber es ist auch eine gewisse Angst da, denn der Weg, den wir gehen, ist kein normaler. Anstatt herumzuhängen und zu saufen, sind wir jedes Wochenende unterwegs gewesen und haben für die Band gearbeitet.

Simon: Wir haben nie eine Pause gemacht. Viele Bands machen das. Es gab schon Zeiten, in denen wir weniger geübt haben, aber dann sind wir halt mehr Fussball spielen gegangen.

Noah: Wir sind praktisch seit vier Jahren ununterbrochen dran, jede Woche, auch in den Ferien.

Woher nehmt ihr denn die Kraft?

Noah: Wir sind einfach gerne zusammen, nicht nur wegen der Musik. Wenn wir nicht Musik machen würden, würden wir wohl eine Fussballmannschaft gründen. Ich kann es mir gar nicht vorstellen zu sagen: Ich brauche eine Pause. Da wäre dann eine riesige Leere. Vor dem habe ich auch Angst, dass irgendwann ein Tag kommt, an dem es fertig ist. Was dann?

Gabriel: Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass das überhaupt möglich ist.

 

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