Gesellschaft | 09.09.2006

Winterthur kriegt ein alternatives Radio

Text von Andreas Renggli
Bald kriegt Winterthur zum zweiten Mal eine junge Radiofrequenz. Aber nur für einen Monat. Danach kehrt das Rauschen zurück. Im Interview verrät Stéphanie Bossard, was es für den Traum Radio braucht.
Moderator Samuel Studer im Studio. Stéphanie Bosshard: "Eine permanente Konzession ist das langfristige Ziel von Radio Stadtfilter." Die Programmgruppe von links nach rechts: Thomas Brunner, Pascal Gutknecht (Vize-Präsident), Jürg Feuz (Präsident), Marion Knoth, Ramon Comi, Nik Leuthold.

Wann genau weicht das Rauschen auf 90,1 MHz dem Programm von Radio Stadtfilter?

Vom 30. September bis 29. Oktober werden wir auf der Frequenz 90,1 MHz sowie auf Kabel im Raum Winterthur und via Internet von überall her zu hören sein.

 

Was filtert euer Radio in Winterthur heraus? Und was soll durch den Filter sickern?

Radio Stadtfilter filtert nicht, sondern wählt gezielt Themen aus, die kommerziell weniger gut verwertbar sind und daher auf anderen Sendern keine Plattform finden. Wir sehen uns als Komplettierung des bestehenden Radioangebotes, da es in Winterthur keinen Sender gibt, der sich vertieft mit regionalen Themen beschäftigt. Der letztjährige Sendemonat hat gezeigt, dass in Winterthur sowohl das Bedürfnis wie auch das Potential für ein alternatives Lokalradio vorhanden ist.

 

Welche Musik gibt es zu hören?

Radio Stadtfilter konzentriert sich auf Musik jenseits der Hitparaden aus allen Sparten. Von Live-Übertragungen über DJ-Sets bis hin zu thematischen Sendungen verschiedenster Musikrichtungen und Bands hat Radio Stadtfilter jedem und jeder etwas zu bieten. Tagsüber wird Musik in der Richtung von Independent Rock, Trip-Hop und Punk beziehungsweise Punkrock zu hören sein. Das Nachtprogramm ist vor allem von Techno und Techhouse geprägt. Weiter wird es über Mittag ein Jazz-Special geben. Auch ein Rockabilly-Special ist in unserem Programm enthalten.

 

Und was dazwischen?

Fussball-Live-Übertragungen des FC Winterthur, das Infomagazin Destillator mit aktuellen Themen aus Politik und Gesellschaft, der Literaturklub Bücherwurm, Hörspiele, Filmfoyer, Bartour, Anleitungen für eigene Drinks sowie Diskussionssendungen über verschiedene Gruppierungen in Winterthur.

 

Wie unterscheidet sich Radio Stadtfilter von anderen Frequenzen?

Die Mitarbeit bei Radio Stadtfilter ist ehrenamtlich und steht grundsätzlich allen offen, die eine Idee für eine Sendung haben und diese realisieren möchten. Unser Programm wird gestaltet von Kulturinteressierten, die auf Radio Stadtfilter ihre Ideen präsentieren können. Radio Stadtfilter ist werbefrei, unabhängig und gemeinschaftlich.

 

Und was ändert sich beim Programm?

Das diesjährige Programm ist besser strukturiert und wird dezidierte Themen enthalten. Die Inhalte haben klarere Konturen. Der diesjährige Sendemonat wird hauptsächlich von den Zehn-Jahr-Jubiläen der Winterthurer Kulturinstitutionen Salzhaus, Gaswerk, Kraftfeld, Internationale Kurzfilmtage sowie der Lichtspieltage geprägt sein.

 

Wie schwierig ist es, vom Bundesamt für Kommunikation eine Konzession für einen temporären Sendebetrieb zu kriegen?

Es waren für den Erhalt der Konzession viel Arbeit und Abklärungen nötig. Im letzen Jahr konnten wir diesbezüglich schon Erfahrungen sammeln, das hat die Vorbereitungen für das diesjährige Projekt erleichtert.

 

Wie hoch sind die Kosten für dieses Projekt und wie deckt ihr sie?

Die Kosten für unser Projekt betragen ungefähr 40’000 Franken. Nur durch ehrenamtliche Mitarbeit, verschiedene Veranstaltungen wie Parties, Lesungen und Konzerte sowie mit Beiträgen von Sponsoren und Mitgliedern ist es möglich, das Projekt Radio Stadtfilter zu realisieren. Am 15. September steigt deshalb im Salzhaus Winterthur eine grosse Radio-Stadtfilter-Party. Spielen werden Drainpipes (Rockabilly), Sacho Fender (Folkpop), Transmartha (Vintage Rock), The Peacocks (Punkrock) und Catchpole (Punkrock). Danach werden unsere DJs zu hören sein.

 

Der Betrieb eines Webradios scheint für euch keine Option zu sein. Weshalb nicht?

Das kann man so nicht sagen. Radio Stadtfilter möchte ein Internetradio betreiben, welches länger als diesen einen Monat sendet. Dafür ist aber noch viel Arbeit nötig, denn wir möchten unseren Hörerinnen und Hörern auch über Internet ein anspruchsvolles und interessantes Programm bieten.

 

Besteht auch die Idee einer permanenten Konzession?

Eine permanente Konzession ist das langfristige Ziel von Radio Stadtfilter. Allerdings fehlen uns im Moment die personellen Ressourcen, wie auch die finanziellen Mittel dafür. Ausserdem wird vom Bakom im Moment keine dauerhafte Frequenz im Raum Winterthur ausgeschrieben.

Links