Kultur | 12.09.2006

Weg von mir

Text von Lailo Sadeghi
Die kalifornische Punkgruppe Dead to me hat ein Album. Tink.ch hat eine Kritik dazu. Über toten Punk, verschwendetes Geld und schöne Erinnerungen.
Das Trio Dead to me: So sehen sie aus. Cuban Ballerina von vorne und von hinten

Okay, zugegeben, mit dreizehn Jahren hätte ich zu dieser Musik noch Luftsprünge gemacht. Es war die Zeit der grossen Identitätskrise. Ich bemerkte langsam, dass Chartmusik und Hitparade scheisse sind. Gleichzeitig bemerkte ich, dass die ganze Welt scheisse ist. Abgrenzung von der Gesellschaft musste her. Da kam der Punk wie gerufen. Ein sicherer Zufluchtsort in Form von «Subkultur«: Viele Drogen, vielleicht irgendwann einmal Sex, Spass, und no Future. Auch kleine Dinge, wie der Glauben an die Anarchie, obwohl ich diese damals nicht so ganz verstand, und der verbindende Hass gegen die rechte Szene waren willkommen. Meine Helden waren Blink 182, Pennywise und Sum41. Heute werde ich nur beim Anblick von bestimmten Häuserwänden an diese dunkle Zeit erinnert, aber eben auch, wenn Musik wie Dead to me läuft, so genannter Punk, aus Amerika.

Kommerz, Bravo, oder Mode?

Eigentlich schade, wenn das Lied über die grosse Liebe mit derselben Artikulation wiedergegeben wird, wie jenes über den amerikanischen Völkermord. Auch die instrumentalen Unterschiede zwischen den Liedern sind so klein und fein, dass nur ein geschultes Gehör sie zu erkennen vermag. Aber das kann den Kaliforniern egal sein, sie sind eben voll und ganz Punker. Manche würden sie zwar eher als Kommerz-, Bravo- oder Modepunks bezeichnen. Aber was wissen die schon. Heutzutage funktioniert nun mal nichts mehr ohne Vermarktung, da ist es ganz üblich, dass eine Punkgruppe neben der offiziellen Homepage auch eine Myspace Domäne besitzt und an Medien aus aller Welt schöne Briefe mit Bandbiographie und CD verschickt.

Es funktioniert einfach nicht

Dass der Mythos Punk tot ist, ist nichts Neues, dass die Punks mit dem System und nicht dagegen arbeiten auch nicht, und dass eine Musikgruppe mit Pseudo-Rebellionsmusik Geld macht, ebenfalls nicht. Doch dies und noch mehr wird einem mit der CD “Cuban Ballerina” von Dead to Me noch einmal auf nervtötende Art und Weise in Erinnerung gerufen. Obwohl die Lieder vom technischen Standpunkt her über gute Ansätze in Gitarrenlinien, Basssolos und Drumeinlagen verfügen, macht die Musik einfach keinen Spass, überzeugt kein bisschen. Schade um das Geld.

Auf der Lailoskala hat dieses Produkt 16 von möglichen 100 Punkten erreicht.

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