Kultur | 12.09.2006

“Vielleicht ein bisschen lauter und schneller”

Tink.ch traf Mogwai-Gitarrist und Manchmalsänger Stuart Braithwaite vor dem Konzert in Basel zum Interview. Der erzählte vom neuen Album, vom Aufbau des eigenen Labels, den Fans und der textarmen Mogwai-Musik.
Stuart Braithwaite: "Ich glaube, wir versuchen gleichzeitig abgefahren und langweilig zu sein, dann werden die Sachen wirklich spannend."
Bild: Martin Sigrist Stuart Braithwaite mit Tink-Reporter Martin Sigrist.

Tink.ch: Hallo, wie geht es dir?

Stuart Braithwaite: Sehr gut, danke.  

Ihr bringt euer neustes Album «Mr. Beast« mit. Was ist neu, was ist anders?

Es ist nicht völlig neu, es ist noch immer ein Mogwai-Album. Vielleicht ist es ein bisschen lauter als das letzte, und vielleicht ein bisschen schneller. Aber im Grossen und Ganzen nicht total anders.

Das neueste Album wird als typisch Mogwai bezeichnet. Glaubst du, dass es gut ist, wenn ihr Euch so ähnlich und treu bleibt?

Das kommt immer darauf an, was die Leute mögen. Wenn du magst, was wir tun, dann ist es wohl toll. Wenn du aber möchtest, dass wir was anders machen, dann ist die Ähnlichkeit wohl schlecht. Ich glaube, dass sich alle unsere Alben unterscheiden. Sie sind bestimmt nicht gleich.

Eure Stücke sind ja nicht sehr verbal, meist ganz ohne Text. Ist es für euch schwierig, Zuhörer zu finden?

Klar, man spielt uns nicht oft im Radio. Dafür können Leute auf der ganzen Welt unsere Musik mögen, ohne die Ideen dahinter zu verstehen, zumindest ohne die Texte und die genauen Worte. Es macht die Musik damit universeller, auch wenn wir nicht so stark in den Medien auftauchen.

Werden eure Stücke in der Öffentlichkeit weniger interpretiert und analysiert weil es einfach keinen Text gibt?

Ich glaube, die Leute haben sich daran gewöhnt. Alle die von guter Musik eine Ahnung haben, wissen, dass wir die Musik nicht so stark um einer bestimmten Aussage willen machen. Wenn wir etwas zu sagen hätten, würden wir Texte schreiben oder wir würden über irgendwas singen, vielleicht Felder, oder wovon Songs sonst so handeln.

Gibt es eine Grenze bei eurer Art von Musik, dass sie irgendwann zu abgefahren werden könnte, oder zu langweilig?

Zu abgefahren oder zu langweilig? Ich glaube, wir versuchen gleichzeitig abgefahren und langweilig zu sein, dann werden die Sachen wirklich spannend. (lacht) Wenn es zu langweilig würde, wäre das wohl schlecht. Wenn die Sache hingegen zu abgefahren würde, wäre das wohl gut.

Wie stellt Ihr Euch Eure Fans vor?

Das sind ganz normale Menschen, die gute Musik hören wollen. Ein paar sind ziemlich aufdringlich, aber nicht auf eine schlechte Art. Eigentlich sind das alles eher nette Leute.

  

Aufdringliche Leute?

Ein paar ja, das ist wohl mit jeder Band so, die sich ein bisschen im Untergrund aufhält.  

Macht es einen Unterschied wo Ihr spielt?

Ja, auf jeden Fall. Wir spielten eben in Italien. Alle waren aufgeweckt und ziemlich schnell zu begeistern. An anderen Orten sind die Leute eher zurückhaltend und ruhig. Mich stört das nicht, solange sie zuhören. Das ist eigentlich das einzige was zählt.

Ihr habt Euer eigenes Label «Rock Action Records-. Wie kam das?

Wir haben 1996 damit angefangen, um unsere erste Mogwai-Single zu veröffentlichen. Dann haben wir eine Weile lang nichts mehr gemacht. Vor ein paar Jahren haben wir aber dann angefangen, weitere Platten von anderen Bands zu veröffentlichen, so etwa 25. Das ist  gut. 

Ist das auch ein bisschen gegen die grossen Labels gerichtet?

Das weiss ich nicht so genau, aber unser Label ist so klein, wir können nicht gegen die grossen Labels antreten. Es ist eher, um den Leuten, die wir kennen oder deren Musik toll ist, zu helfen. Das ist bereits eine Art Tradition. Auch uns wurde ja mal von einem Label geholfen, als wir angefangen haben.

Ist es schwierig, als neue junge Band Erfolg zu haben?

Es ist schwierig dein eigenes Label zu starten, weil du viel Geld dafür brauchst. Als wir angefangen haben, hatten wir kein Geld. Wir waren noch Kinder. Wir haben es uns von den Freunden unserer Schwestern geliehen, um unsere Platten zu machen. Und wir haben es zurückgegeben. Jetzt sind wir etwas besser dran als mit 19 (lacht).

Gibt es Besonderes, was junge Bands tun können, um Erfolg zu haben?

Es einfach versuchen, gute Musik machen und hoffen, dass die Leute sie mögen. Es gibt kein wirkliches Geheimnis. Bands, die das glauben und damit irgendwas versuchen, werden entweder scheitern oder zu viele Kompromisse eingehen müssen.  

Könnt Ihr tun was Ihr wollt, ohne Kompromisse?

Ja, ziemlich.

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