Politik | 30.09.2006

“Rap ist eine sehr primitive Ausdrucksform”

Rapper Gimma: Ein sexistischer Gangster? Ein hymnesingender Patriot? Ganz und gar nicht. Ruhig, konzentriert und besonnen stand der Churer Wortakrobat Tink.ch Red und Antwort.
Rapper Gimma: "Intelligente Hörer können zwischen Ernst und Ironie unterscheiden." Fotos: Raphael Hünerfauth

Was wünscht du dir für die Schweiz?

70 Prozent Nein. Allgemein mehr Aktivität. Mehr Einsatz in verschiedenen Bereichen. Anpacken und verwirklichen. Weniger reden, mehr bewegen.

Seit wann hörst, machst, lebst du Hiphop?

Leben? Hiphop ist kein Lifestyle, sowas behaupten nur Dogmatiker. Anfang 1993 habe ich erstmals Hiphop gehört. Heute nicht mehr. Rap ist eine sehr primitive Ausdrucksform. Es gibt keinen Rapper, den ich mir lange anhören mag. Ich bevorzuge Rock und Techno.

Wie entsteht ein Song?

Das ist ganz unterschiedlich: Manchmal habe ich einen Text in fünf Minuten fertig, manchmal dauert es zwei Tage oder ich brauche ein halbes Jahr.

Deine Konzerte locken Scharen von Teenagern an. Bist du dir deiner Verantwortung bewusst?

Texte können Menschen beeinflussen. Ich weiss, dass sie eine enorme Wirkung auf Menschen haben können. Aber es ist nicht meine Aufgabe, meine Konzertbesucher zu erziehen. Das ist Sache der Eltern. Intelligente Hörer können zwischen Ernst und Ironie unterscheiden. Früher blieb ich nach den Konzerten regelmässig bis am Schluss, doch das habe ich aufgegeben. Ich versuche mit den Besuchern zu reden. Es freut mich, dass sie sich für mich und meine Musik interessieren. Auch Autogrammwünsche versuche ich zu erfüllen. Allerdings gibt es Leute, die extrem aufdringlich sind. Das kann mit der Zeit nerven.

Bitte vervollständige folgende Sätze:

Am schönsten ist… schlafen.

Ich empfehle… Scheuklappen abschütteln und Augen öffnen.

Ich bin Politiker… in Chur. Auf der Freien Liste. Letztes Mal hatte ich leider 800 Stimmen zuwenig, um in den Gemeinderat gewählt zu werden. Im Jahr 2008 trete ich wieder an.

Unbedingt einmal zusammen arbeiten, möchte ich mit… The Streets und Richard Ashcroft.

TV ist… sinnlos. Scheiss auf die BILAG und auf das Schweizer Fernsehen.

Ich wünsche mir… Familie und Kinder.  

Was sind deine nächsten Projekte?

Im März erscheint, wenn alles wie geplant läuft, mein neues Album. Ich werde die Hauptrolle in einem Film spielen und den Soundtrack dazu produzieren. Es wird viele Konzerte geben. Das Jahr 2007 ist schon ziemlich verplant.