Gesellschaft | 11.09.2006

„Orangelog.eu muss nah an seinen Redakteuren sein“

Text von Janosch Szabo | Bilder von Sven Greschbach
Jona Hölderle hat den Workshop zum Auftakt des neuen multimedialen Webportals Orangelog.eu geleitet. Im Interview mit Tink.ch schaut der 23-Jährige in die Zukunft, schätzt mögliche Entwicklungen ab und spricht von «frisch, fruchtig und selbstgepressten« Beiträgen, die dem Internet-Projekt zum Durchbruch verhelfen sollen.
Jona Hölderle, Generalsekretär der European Youth Press: Er hat die letzten Puzzleteile von Orangelog.eu zusammengesetzt.
Bild: Sven Greschbach

Tink.ch: Orangelog.eu ist gestartet. Was ist dein Eindruck von diesem ersten Auftritt des Webportals?

Jona Hölderle: Der Auftritt gefällt mir sehr gut. Die Seite macht etwas her und gerade die multimediale Einbindung, die intern noch etwas schwierig ist, kommt gut rüber.

Was sind nun die ersten Schritte nach diesem Auftakt?

Wir wollen dieses Jahr noch auf ein paar Veranstaltungen online mit Orangelog.eu berichten. Die Federal Youth Session in der Schweiz, das jährliche Jugendpresse Festival in Russland und das Science Festival in Warschau wären grossartige Möglichkeiten dafür. Wenn das alles gut anläuft und sich ein paar Aktive finden, die das Projekt weiter betreuen wollen, können wir darüber nachdenken, das Angebot thematisch zu erweitern.

Also wird’s nebst Berichterstattungen von Events auch thematische Beiträge geben?

Wir wollen mit Veranstaltungen starten, weil dies leichter zu koordinieren ist und die Autoren mehr davon haben, wenn sie sich auch real treffen. Aber die meisten Artikel beziehen sich nicht nur auf eine einzelne Veranstaltung, sondern sind auch thematisch interessant. Mein Ziel wäre es, hier anzusetzen und die thematischen Berichte einzelner Veranstaltungen zusammen zu fassen und durch neue Artikel zu erweitern. So könnte zum Beispiel eine Kategorie “culture” entstehen, bei der es sich jederzeit lohnt, sie zu lesen.

Wie entstand die Idee für diese Plattform?

Die Idee eine Veranstaltungsplattform der European Youth Press zu machen stand schon eine Weile im Raum. Einige unserer Mitgliedsstaaten hatten schon gute Erfahrungen mit Veranstaltungszeitungen ähnlichen Konzeptes gemacht, bei dem die jungen Journalisten vor Ort praktisch lernen wie Redaktionsarbeit funktioniert. Dies wollten wir verbinden mit den erst in den letzten Jahren geschaffenen Möglichkeiten der neuen Medien. Als dann das Angebot des M100 Sanssouci Colloquiums kam, haben wir diese Idee verschriftlicht.

Du hast eben diesen Jugendmedienworkshop im Rahmen des M100 Colloquiums vorbereitet und geleitet. Wie war es für dich mit den 35 jungen Leuten zusammenzuarbeiten?

Unheimlich interessant und natürlich auch etwas anstrengend. 35 Leute aus fünf verschiedenen Ländern, die alle mit etwas unterschiedlichen Erwartungen an das Wochenende nach Potsdam kommen, sind ein ganz schön quirliger Haufen. Ich hatte die Möglichkeit viele nette Leute kennen zu lernen und von diesen Neues zu lernen, sowohl thematisch als auch im unterschiedlichen Umgang miteinander.

Orangelog.eu ist ein europäisches Projekt. Spürst du einen europäischen Zusammenhalt, ein Bedürfnis, sich mit anderen Leuten innerhalb Europas auszutauschen?

Ich spüre das Bedürfnis, nationale Grenzen nicht mehr als die eigenen Grenzen des Denkens und Handelns zu akzeptieren. Dort hilft mir Europa und ermöglicht mir, dank der relativen räumlichen und kulturellen Einheit, mich hier wohl zu fühlen. Aber auch die Grenzen Europas sind nationale Grenzen.

In den Diskussionen am Workshop sind einige interessante Ideen aufgekommen. Nicht alle wurden wirklich ernst genommen, wie es schien. Warum?

Ich glaube nicht, dass Ideen nicht ernst genommen wurden. Wir haben uns auf dem Workshop mit zweierlei Themen befasst. Zum einen haben wir über neue Entwicklungen im Internet diskutiert und zum anderen versucht, ein paar dieser Ideen praktisch umzusetzen. Der praktische Part musste vorbereitet sein und realistisch weitergeführt werden können. Das bedeutet, sich auf ein paar Ideen zu beschränken. Aber gerade der Input der Diskussionen ermöglicht es, diese Plattform als einen Start zu betrachten und zu schauen was durch die konkreten Projekte daraus wird. 

Was war der Höhepunkt des Workshops aus deiner Sicht?

Es gab zwei Höhepunkte: Einmal den Freitagabend, als alle zusammen im Restaurant sassen und sich angeregt über neue Medien unterhalten haben. Da wurde mir das erste Mal bewusst, was für eine tolle Gruppe wir überhaupt sind. Und der zweite Höhepunkt war am darauf folgenden Freitag, als ich, schon von Brüssel aus, die letzten Puzzlestücke der Webseite zusammensetzen durfte.

Es gibt tausende gute Webseiten. Was muss Orangelog.eu machen, um den Durchbruch zu schaffen?

Für mich hat Orangelog.eu den Durchbruch geschafft, wenn es regelmässig genutzt wird. Und da sehe ich den Nutzen nicht nur auf Leserseite sondern auch auf Seite der Redakteure, die vielleicht erstmals ein internationales Projekt machen. Orangelog.eu muss also nah an seinen Redakteuren sein, von diesen selber bestimmt werden und sich durch interessante Beiträge auszeichnen, die, wie das politikorange-Projekt in Deutschland immer sagt, frisch, fruchtig und selbstgepresst sind.

Links