Kultur | 04.09.2006

Musizierende Unabhängigkeitskämpfer

In ihrer Heimat sind sie seit 30 Jahren die Helden der einheimischen Musikkultur - und gleichzeitig Ärzte, Bauern und Entwicklungshelfer geblieben: Die sieben Madagassen von Mahaleo. Diesen Monat sind sie zu Gast in der Schweiz und erzählen mit poetisch-kämpferischen Lieder vom Leben in einem von Armut durchzogenen Land.

Mahaleo gelten als die Pioniere des madagassischen Blues. Sie überzeugen seit dreissig Jahren mit einer Kombination aus traditioneller Musik, modernen Stileinflüssen und schwungvollen Rhythmen, sowohl in ihrem Heimatland, wo sie als die populärsten Musiker gefeiert werden, wie auch in Europa, wo sie die Menschen für wirtschaftlichen und sozialen Probleme in ihrem Heimatland sensibilisieren wollen.

Ihre Musik ist geprägt von warmem Gesang und feinfühlig-aussagestarken Texten, ist vielseitig, geprägt von polynesischen, afrikanischen, europäischen und arabischen Einflüssen und klingt ebenso ruhig und nachdenklich wie lebensfreudig.  

Protest und Liebe zur Musik

Madagaskar ist eines der ärmsten Länder der Welt. Aus diesem Spannungsfeld kommt der Drang der Bevölkerung nach einer eigenen, freien und unabhängigen Lösung ihrer Probleme. Diesen Drang verkörpert die Gruppe, die anlässlich des Volksaufstandes 1972 zum ersten Mal in Erscheinung trat. «Mahaleo« bedeutet im madagassischen «frei, unabhängig, selbstständig«. Mit ihrer Musik verleihen sie dem starken Bedürfnis des Volkes nach einer eigenen Identität Ausdruck. Sie kämpfen gegen Landflucht, Kriminalisierung, Umweltzerstörung und die Ausbeutung der Dritten Welt. Einen deutlichen Protest und die Kritik an der Gesellschaft ist in den Liedern der Mahaleos ebenso wenig zu überhören wie die Liebe zu Musik, ihrem Land und zur Poesie.  

Die Arbeit inspiriert zu neuen Liedern

Trotz ihrem grossen Erfolg sind die sieben Musiker auf dem Boden geblieben und lehnen das Showbusiness ab. Sie wollen sich selbst für die Entwicklung ihres Landes einsetzen und üben weiterhin ihre Berufe aus: Dadah ist Arzt, Nono ist Chirurg, Bekoto ist Soziologe, spezialisiert auf die Probleme landloser Bauern, Fafa arbeitet als Soziologe in einem der ärmsten Quartiere der Hauptstadt Antananarivo, Raoul ist Arzt und betreut ein Projekt für Gemüse und Obstanbau, Charle ist für Entwicklungshilfeorganisationen tätig und Dama führt mit seiner Frau ein Ausbildungszentrum für biologischen Landbau, nach dem er mehrere Jahre unabhängiger Parlamentarier war. Dank ihrer Lieder können sie ihre Projekte bekannt machen und die Bevölkerung dafür sensibilisieren. Die Arbeit inspiriert sie wiederum zu neuen Liedern.  

Eines steht fest: Mahaleo ist eine einzigartige Gruppe von Musikern. Ihre feine und poetische Musik ist ein Mittel zur Darstellung einer sozialen und kulturellen Realität. Auch nach dreissig Jahren hat die Gruppe sowohl musikalisch als auch in ihrem Engagement nicht den Boden verloren.

Diesen Monat sind die Madagassen auf einer Tournee durch die Schweiz. Sie treten unter anderem in Bern, Zürich und Genf auf, zum Beispiel am 23. September in der Aula des Campus Muristalden in Bern.

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