Kultur | 03.09.2006

„Ich verwirre gern“

Die beiden Gesichter sehen sich doch ähnlich? Oder sind es sogar die selben Köpfe? Judith Stadler zeigt mit einer interessanten Ausstellung, was mit Fotografie alles möglich ist.
Fotos: Raina Inhelder, Julian Perrenoud Die Darstellerinnen waren gleich selber vor Ort. Die gleichen Gesichter? Die Unterschiede sind oft nur klein. Judith Stadler im Gespräch mit Tink.ch. Man kann nur raten, zu welchem Körper der Kopf gehört.

Im Rahmen der Bieler Fototage präsentiert Judith Stadler ihre Serie «Die beste Freundin«. In der aus acht Bildern bestehenden Ausstellung porträtiert die Fotografin reale Freundinnen einmal ganz speziell, indem sie die Porträts den technischen Möglichkeiten gemäss weiter entwickelt.

Judith Stadler fotografierte jeweils zwei Freundinnen und ersetzte das Gesicht des einen Mädchens mit demjenigen des andern. Für die Betrachter ist es unmöglich herauszufinden, zu welchem Körper das im Bild nun zweifach vorhandene Gesicht ursprünglich gehört.

 

Spielerische Entstehung

«Ich verwirre gern und mag den Moment, in dem die Leute merken, dass sie soeben ausgetrickst wurden und sehen, was dahinter steckt« sagt Judith Stadler. «Eines morgens bin ich aufgewacht und die Idee war da. Dank der digitalen Technologie wird ein solches Projekt erst realisierbar. Die Fotos entstanden dann spielerisch«, erzählt die ehemalige L’ESAA- Studentin. Die Serie drückt die tiefe Freundschaft der Freundinnen während der Pubertät aus. Oft ist in diesem Lebensabschnitt die «beste Freundin« auch die einzige, die einen versteht und zu einem hält.

Die Idee für dieses Projekt entstand im letzten Januar. An der Herstellung und der Perfektionierung der Bilder arbeitete Judith Stadler vier bis fünf Monate.

 

«Es ist schon komisch«

Judith Stadler hat die Mädchen alle auf der Strasse angefragt. Das bestätigen auch die beiden Freundinnen Olivia Eschmann und Andrea Beutler*, die sich für Stadlers Serie ablichten liessen: «Nachdem wir auf der Zürcher Bahnhofstrasse angefragt wurden, vereinbarten wir mit der Fotografin einen Termin bei Olivia zuhause.« Das Fotoshooting lief wie geplant ab und dauerte insgesamt zwei Stunden. «Es wurde uns genau gesagt, was wir anziehen sollen. Auch die Positionierung und die Haltung waren vorgegeben«, erzählen die beiden Freundinnen. Die Auswahl des Ausstellungsfotos und die Entscheidung, welche Freundin der andern den Kopf ersetzt, traf dann Judith Stadler selber. Auf die Frage, wie es nun sei, sich im Museum zu sehen, antworteten die Jugendlichen: «Es ist schon komisch und man erkennt sich fast nicht mehr, da viel auf dem Computer bearbeitet wurde. So stimmt zum Beispiel die Augenfarbe von Andrea mit der Realität nicht mehr überein.«

 

Noch bis am 1. Oktober

Die Ausstellung zeigt eindrücklich und beispielhaft, was mit digitaler Fotobearbeitung und einer guten Idee möglich ist. Für die Besucher der Ausstellung ist es interessant und zugleich überraschend, den gleichen Kopf auf zwei verschiedenen Körpern zu finden und zu rätseln zu welchem Körper der Kopf wohl ursprünglich gehört. Die Ausstellung ist im Bieler Museum Neuhaus noch bis am 1. Oktober zu sehen.


* Name geändert.

 

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