Politik | 25.09.2006

Hoch lebe die Festung!

Mit dem überdeutlichen Ja haben viele nein gesagt. Nein zu Menschlichkeit, nein zur freien Menschheit in einer freien Welt. Bewusst oder unbewusst haben 85 Prozent der Stimmberechtigten einen weiteren riesigen Wall um ihre Festung gebaut. Die Adligen haben es vorgeschlagen, das Volk hat ihnen zugejubelt.
Ungehörte Fragen am 24. September 2006

Mich erinnert das Szenario an mittelalterliche Burgherrschaften. Eine privilegierte Herrscherklasse schliesst sich in einen Gebäudekomplex ein, demonstriert Macht und beutet die Landbevölkerung aus. Das Burgleben blüht im Luxus, das umliegende Land verhungert. Wenn die Landbevölkerung aus Verzweiflung versucht an den Burgreichtum heranzukommen, um überleben zu können, so müssen der Schutzwall um die Burg ausgebaut und die Tore sicherer gemacht werden.

Doch die Zeit der Burgherrschaften war weder eine gute noch eine erfolgreiche oder blühende Epoche der Menschheitsgeschichte. Gebracht hat diese Taktik niemandem etwas. Wer anderen Schaden zufügt, wird nie in Frieden leben können. «Es geht darum Probleme auszurotten, nicht neue zu schaffen« sagte mir Abu Bakka Barrie. Und so ist es auch mit den heutigen Entscheid, den 21 Prozent der Schweizer Wohnbevölkerung gefällt haben: Letztendlich nützt er niemandem etwas. Am wenigsten den Ausländern und Asylsuchenden und genauso wenig der Schweizer Bevölkerung.

Viel mehr Geld wird zukünftig in völlig überflüssige Sicherheitsmassnahmen fliessen, die Kriminalität wird nicht abnehmen, wenn immer noch mehr Menschen in die Verzweiflung gestossen werden. Politik ist ein totes Spiel. Jeder schaut nur für sein Bestes und ist nicht selten so kurzsichtig, dass dasselbe noch während seiner Lebenszeit zu seinem Nachteil wird.

Aber wie könnte diese Abstimmung anders ausgegangen sein? Macht hat die Eigenschaft sich zu reproduzieren, nicht sich aufzugeben. Wieso sollten wir also unsere Vorherrschaft für des anderen Freiheit aufopfern? Natürlich, wer dem anderen Schaden zufügt, wird irgendeinmal die Folgen davon zu spüren bekommen. Doch die Vogelperspektive, die es braucht, um solche Zusammenhänge zu verstehen, haben sich hierzulande sogar die Politiker abgewöhnt.