Kultur | 12.09.2006

„Frisch, tiefgründiger und mit viel Herz“

Text von Laura Kissling
Die fünf Jungs von Plüsch sind immer noch dieselben «bärner Giele« aus Interlaken, aber auf dem neuen Album «Früsch gwäsche« wachsen sie über sich hinaus. Am vergangenen Freitag stellten Sie ihr neues Werk im Restaurant Anker in Interlaken vor. Tink hat um ein Interview mit Sänger Ritschi gebeten:
Ritschi, der Leadsänger von Plüsch: "Ich bin ein sehr emotionaler Mensch und halte immer die Augen und Ohren offen." Fotos: Nina Kissling Ritschi an der Plattentaufe im Restaurant Anker in Interlaken.

Eure neue CD steht nun in den Läden. Seid ihr schon gespannt wie sie in die Charts einsteigen wird?

Es ist vor allem wichtig, wie sie bei den Leuten ankommt, was unsere Freunde davon denken, denn die sind am ehrlichsten zu uns. Ich habe schon sehr erfreuliche SMS von Kollegen und Leuten erhalten, die die neue Platte bereits gehört haben und sie richtig cool finden.

Natürlich bin ich auch gespannt, wie die CD in die Charts einsteigen wird. Das ist nicht unwichtig: Wenn sie gut einsteigt, ist sie interessant und es wird darüber geschrieben.

Wenn du das neue Album mit drei Worten beschreiben müsstest, welche würdest du wählen?

Ich würde einfach sagen: Es ist frisch, tiefgründiger als die ersten beiden und es steckt viel Herz darin. Ich kann Musik nicht mit Worten beschreiben, das fällt mir sehr schwer, ich kann sie höchstens umschreiben.

Seid ihr mit der bisherigen Resonanz auf die neue Single zufrieden?

Ja, eigentlich schon. Es ist aber anders als mit der Single «Irgendeinisch«, mit der wir damals direkt auf Platz 5 eingestiegen sind. «Wunder passiere« ist kein Ohrwurm, bei dem jeder gleich mitsingen kann. Die Euphorie hält sich bei diesem Song in Grenzen. Für mich ist er jedoch sehr wichtig.

«Wunder passieren« ist mal etwas anderes. Das Stück ist im Refrain sehr funkig und im Text geht es mal nicht um eine Frau sondern um ein Gefühl.

Auf dem neuen Album befinden sich zwei untypisch rockige Songs. War es euch wichtig mal etwas anderes zu probieren?

Wir wollten mal so richtig Gas geben. Die Songs tun dem Album gut. Es ist auch schön, wenn man an den Konzerten mal etwas rockiger spielen kann.

Euer Lied «Schutzängel« wirft viele Reaktionen auf. Immer wieder liest man in eurem Gästebuch persönliche Geschichten, die verschiedene Menschen damit verbinden. Fühlt ihr euch geehrt, dass dieses Lied so viele Menschen berührt?

Ehre wäre das falsche Wort. Dieses Lied war eine Art Gradwanderung. Es ist entstanden, als ich einen Kollegen verloren habe, der mir sehr wichtig war. Ich wollte jedoch keinen Profit aus der Situation schlagen, sondern habe diesen Song gebraucht, um das Geschehene zu verarbeiten.

Er hat eine gewisse Kraft und hat mir in der Zeit damals viel gegeben. Ich finde es sehr schön, dass dieser Song auch anderen Menschen hilft, Menschen, die vielleicht nicht mehr weiter wissen und sich mit dem Grundgedanken des Songs trösten können: Es ist zwar schlimm, dass dieser Mensch weg ist, aber trotzdem wird er immer da sein, man sollte ihn nie vergessen. Ich kenne jedoch auch Menschen, die den Song nicht hören können, weil sie dann gleich das Erlebte wieder vor Augen haben.

Woher kommen die Inspirationen für eure Songs?

Ich bin ein sehr emotionaler Mensch und halte immer die Augen und Ohren offen. Wenn ich etwas sehe, was mich berührt, inspiriert mich das je nachdem dazu, einen Songtext zu schreiben. Von den 13 Texten stammen elf von mir und zwei von Simi, unserem Bassisten.

In unseren Texten kommen mehrere Trennungen vor, die mal gut und mal böse verlaufen. Familiär oder beruflich entscheidet sich bei Leuten in meinem Alter viel und es war mir wichtig, ein bisschen über diese Veränderungen und Entscheidungen zu schreiben.

Immer wieder liest man im Gästebuch auch Einträge von Fans aus Deutschland. Ihr habt ja vor Jahren an einem Festival im süddeutschen Singen gespielt. Werdet ihr demnächst mal wieder ein Konzert in Deutschland geben?

Momentan ist unsere Tournee in der Schweiz aktuell. Falls uns jedoch hier einmal niemand mehr hören möchte, könnte ich mir vorstellen in Deutschland ein paar Konzerte zu spielen. Das wäre aber sehr kostspielig und man sollte sich diesen Schritt gut überlegen und erst dann machen, wenn man es wirklich möchte und auch Spass daran hat.

Es ist faszinierend, dass uns tatsächlich Leute aus ganz Deutschland ins Gästebuch schreiben. In Hamburg haben wir gar einen 120-köpfigen Fanclub, der komplett zu unserem Konzert in Zürich anreisen wird. Das ist schon beeindruckend.

Du warst während eurer Auszeit bei ein paar anderen Projekten zu sehen, bei einem Auftritt mit Sina in Gampel, einer Stubete im Mobitare in Dübendorf, und zu hören als Radiomoderator. Wolltest du einfach mal etwas Neues ausprobieren oder waren das die ersten Grundsteine für eine spätere Solo-Karriere?

Nein, das ist momentan kein Thema für mich. Ich singe in einer der erfolgreichsten Schweizer Bands und es wäre wirklich unsinnig, in dieser Situation solo singen zu wollen. Die Auftritte am Openair Gampel und im Mobitare haben mich gejuckt, weil ich das Bedürfnis hatte, auf einer Bühne zu stehen. Ich habe es nicht ausgehalten eineinhalb Jahre keinen Auftritt zu haben. Ich möchte aber in Zukunft nicht zu viele solche Projekte nebenbei haben, denn an erster Stelle steht die Arbeit mit Plüsch.

Dennoch wird es auch während der aktuellen Tournee ein kleines Projekt geben: Ich werde zwei Konzerte geben, an denen ich unter anderem mit Marc Sway und Seven jamme.

Was wolltest du schon immer mal machen, hast dich aber bisher noch nicht getraut?

Ich wollte schon immer mal Gleitschirmfliegen, aber mit Höhenangst ist das etwas schwierig. Es braucht auch Mut, an diesem Gleitschirm zu hängen, und ich bin nicht gerade ein sehr mutiger Mensch. Aber irgendwann werde ich das bestimmt noch machen.  

Mit welcher Band oder mit welchem Sänger würdet ihr gerne mal gemeinsam auf der Bühne stehen?

Die anderen vier Jungs sind momentan ziemlich im Jamie Cullum Fieber und hätten daher sicher gerne mal ihn als Sänger vorne stehen.

Bei mir ist die Situation anders: Als Sänger kann ich nicht jemanden begleiten, der mir gefällt. Ich träume eher davon, vor einer ganz grossen Menge zu spielen. Der Gedanke, wie Robbie Williams, vor 80’000 Leuten zu spielen, ist für mich aber jenseits des Vorstellbaren. Für so einen Anlass als Vorgruppe zu spielen… Aber das sind Träume. Wenn sie Realität werden, ist es genial und wenn nicht, ist auch niemand traurig.

Links