Politik | 30.09.2006

Der Raum der Kommunikation

Den Plenarsaal der diesjährigen Jugendsession vergisst man so schnell nicht. «Think pink» lautete wohl das Motto der Architekturstudenten aus Chur, die das ausgefallene Design - grell rosafarbene Kissen, genannt Tazel, auf drei Mal gewaschenen Bündner Kieseln um ein rundes Podest drapiert - entworfen haben.
Gemütlich: Sitzkissen anstelle von Nationalratssesseln. Fotos: Raphael Hünerfauth und Jonas Bischoff Positive Ausstrahlung: Moderatorin Karin Oberdorfer. Klare Worte: Christine Egerszegi spricht zu den Jungparlamentarierinnen und Jungparlamentariern. Begeistert vom Logo der Jugendsession: Claudio Lardi, Regierungsratspräsident des Kantons Graubünden.

Die Zuhörer fühlen sich sichtlich wohl im Raum der Kommunikation, dessen Aufgabe ist, zum Austausch und zur Auseinandersetzung anzuregen.

Jung, dynamisch und romanisch

Zu Beginn der Eröffnung gibt die Moderatorin Karin Oberdorfer kurz Anweisungen zum Gebrauch der Kopfhörer, erklärt auf welchem Kanal man welche Sprache hören kann. Enttäuscht fragt ein Jungparlamentarier: «Und wo höre ich Rätoromanisch?» Gibts leider nicht. Das Rumantsch ist nicht so omnipräsent, wie man es von einer Session im Graubünden erwarten könnte. Die Redner bemühen sich aber die vier Landessprachen zu verwenden um einen guten Eindruck zu hinterlassen.  

Lieber Unterhaltung als Unterricht

Der erste Redner, Claudio Lardi, Regierungsratspräsident des Kantons Graubünden, stellt richtig fest: «Die Leute werden lieber unterhalten als unterrichtet.» Und das sei ja eigentlich auch gar nicht so schlecht. Man solle arbeiten um zu Leben, und nicht umgekehrt. Es scheint, als versuche man den Parlamentariern, sowohl den jungen als auch den alten, mit dem Motto «mehr Unterhaltung, weniger Unterricht» die Politik schmackhafter zu machen. Die professionellen Politiker machen es sich in der Sauna gemütlich, die Jugendsession-Mitmischler ravten durch Graubündner Gewässer, lernen von Lokalmatador Gimma rappen und powern sich aus beim Tennisspielen.  

Von der Ski- zur Seglernation: Geld regiert die Welt

«Wer etwas erreichen will, muss hartnäckig sein und braucht Mut.» Als Beispiel für seine These fügt Reto Gurtner, Präsident der Weissen Arena Gruppe, an: «Früher war die Schweiz eine Skination, heute ist sie halt eine Segelnation. Mit genügend Einsatz kann man vieles erreichen.» Das von ihm erwähnte Alinghibeispiel ist aber nicht ganz passend: Der Milliardär Bertarelli hat den Weg seines sportlichen Erfolgs mit einigen Geldscheinen gepflastert. Und finanzielle Mittel werden für die Jugendlichen ja bekanntlich nicht all zu oft locker gemacht.  

Frau Egerszegi bringts auf den Punkt

Frau Egerszegi, die Vize-Nationalratspräsidentin, will den jungen Politikinteressierten keine falschen Hoffnungen machen: «Ihr sucht die Nähe zum eidgenössischen Parlament, aber im noblen Ambiente des Parkhotels «Waldhaus» in Flims wird kaum zur Kenntnis genommen, was ihr hier in Laax tut. Leider. Ihr diskutiert und debattiert auf einem beachtlich hohen Niveau, vermutlich deutlich kreativer und unverkrampfter als wir alt gedienten Politfüchse. Doch die breite Öffentlichkeit nimmt das kaum zur Kenntnis.» Aber auch wenn das mediale Echo und die Wirkung der Jugendsession nicht so gross seien, solle das kein Grund zur Entmutigung sein. Wichtig sei, dass Politik mit Leidenschaft betrieben werde und dass sie Spass mache.