Kultur | 03.09.2006

Der Mensch zum 10-Jahre-Jubiläum

Text von Wanja Knausz
Unter dem Titel «Die Rückkehr der Physiognomie« stellen 57 Fotografinnen und Fotografen an 13 Ausstellungsorten in Biel ihre Werke aus. Ekelerregendes, Schönes und Faszinierendes gibt es zu sehen.
Fotos: Raina Inhelder, Julian Perrenoud, Raphael Hünerfauth Eröffnung am Freitagabend, 1. September: Direktorin Barbara Zürcher begrüsst das Publikum... ...und die Künstler. Das gemeinsame Jubiläumsfest stieg bei der Villa Lindenegg. Farbenfrohe Montagen und Bilder gibts in den verschiedenen Museen zu sehen. Die "Zwillingsmenschen" sind kaum zu unterscheiden. Ein 25 Jahre dauerndes Fotoprojekt.

Die Bieler Fototage feiern ihr 10-jähriges Bestehen zusammen mit der Villa Lindenegg (10 Jahre) und dem Filmpodium Biel (20 Jahre). «Zusammen sind wir 40 Jahre alt«, wurde bei der Eröffnungsfeier am Freitag zitiert. Grund genug für Biel, wieder einmal Gäste aus anderen Regionen anzulocken. Die 57 Fotografinnen und Fotografen machen es vor: Sie kommen nicht nur aus der Schweiz, sondern aus der ganzen Welt. Südafrika, die USA und Mosambik sind die exotischsten Heimatländer der Künstler.

Zeitgemäss und tiefgründig

Die Bieler Fototage stellen bei den diesjährigen Ausstellungen den Menschen in den Mittelpunkt. Die Fotografinnen und Fotografen beschäftigten sich mit zeitgemässen Themen wie der Transsexualität oder dem Alter. Sie gingen der körperlichen und seelischen Identität von Personen nach, die sich vor die Kamera begeben haben. Manchmal stellten sie sich auch selbst vor die Linse, um Einblicke in ihr eigenes Leben zu ermöglichen. Die 13 Ausstellungen sind sehr verschieden, beeindruckend und tiefgründig. Zu sehen sind sie an 13 Orten, verstreut vom Bahnhof über die Museumsmeile bis in die Altstadt, teilweise auch unter freiem Himmel.

Unterwasserausstellung des Lebens 

Die Aufnahmen des Bieler Fotografen Alfred Samuel Maurer zum Thema “das Alter” schwimmen sogar unter Wasser, im seichten Bachbett der kleinen Schüss. Diese Präsentation seiner Fotografien im fliessenden Wasser verstärkt die Idee vom Lebenslauf des Menschen.

Die Paninibilder – Entwenden gestattet

Die Ausstellung der Paninibilder im CentrePasquArt dürfte auch einige Fussballfans anlocken. Neben der kompletten Sammlung aller Bilder der Weltmeisterschaft 2006 sind auch viele alte und seltene Paninibilder ausgestellt. Mit Adoptionsurkunde und einer Garantie, dass sie gut behandelt werden, können die Besucher einige der seltenen Stücke mit nach Hause nehmen, als Andenken an die Bieler Fototage, oder einen berühmten Fussballer.

«Claude«: Nichts für schwache Nerven

Ebenfalls im CentrePasquArt befindet sich die Ausstellung des drogenabhängigen Heilpädagogen «Claude«, der seinen Körper in der Badewanne täglich mit penibler Sorgfalt vom kleinen Zeh bis zur Haarwurzel reinigt. Sein geschundener Körper ist ein Missbrauch für das betrachtende Auge.

Nebst den Bildern wird in der Ausstellung ein 45-minütiger, ungeschnittener Dokumentarfilm gezeigt, der den Besuchern die Härte und Gräuelhaftigkeit von Claudes Ritualen erschreckend nah und echt vor Augen führt: Ein Projekt des in Chile geborenen Enrique Muñoz García, das nichts für schwache Nerven ist und gut mit einem harten Horrorfilm verglichen werden kann.

Wer mehr über die verschiedenen Ausstellungen erfahren möchte, macht sich am Besten gleich selbst auf nach Biel. Die Fototage dauern noch bis zum 1. Oktober.

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