Kultur | 03.08.2006

Zündels Abgang – Augustbuch

Text von Rahel Bachmann
Ein liebenswerter, abgekämpfter Gymerlehrer taucht nach missratenen Sommerferien und zerronnener Ehe ab, die richtige Lektüre zum Einstieg ins neue Schuljahr!

Der Autor lässt seinen abgekämpften Protagonisten Konrad Zündel durch absurde Situationen straucheln, bis er komplett den Boden unter den Füssen verliert – für den Leser sehr unterhaltsam, sprachlich folgt ein Zückerchen dem anderen.

Zündels Freund Viktor erzählt im Roman von dessen schrittweisen Abgang. Manchmal richtet er sein Wort direkt an Zündel, die Geschichte soll ihm wahrscheinlich helfen, das Verschwinden seines Freundes zu verstehen. Bruchstücke aus Zündels Notizen und zahlreiche Selbstgespräche komplettieren das Bild. Es beginnt mit den Sommerferien, nichts scheint Zündel zu gelingen, seine Reise nach Griechenland bricht er in Italien ab. Startet dann in Bern erneut, diesmal Richtung Genua: Ich werde mein Körper zu einem Hotel schieben müssen, vielleicht er mich. Matt sind wir beide.

Er denkt nach, säuft, kotzt, macht Notizen und Ausflüge in der nähren Umgebung: Weiter mit Schiff oder Bus. Sagen wir Schiff. Bus ist Alltag, Schiff ist Urlaub. Viele viele Menschen stehen wartend and der Mole. Auch eine Reisegruppe aus Deutschland. (…) Und jetzt kommt das Schiff, tutet, legt an, und mit sich überschlagender Stimme brüllt der deutsche Reiseführer: Oberdeck besetzen. Zündel nimmt den Bus.

Auch nach einer kurzen Liebschaft mit Nounou fühlt sich Zündel nicht erheblich besser in seiner Haut. Nach dem erfolglosen Versuch sich auf dem Schwarzmarkt einen Revolver zu kaufen, kehrt er nach Bern zurück. Zweifel an sich und seiner Beziehung zur Ehefrau Magda nagen an ihm. Unglücklich wie er ist, sieht er nur noch das Schlechte und zieht Negatives magisch an: Jedes Sturmtief im so genannten Privat- oder Intimleben erhöht meine Empfänglichkeit für das Trübe schlechthin. Die Weltluft ist zwar objektiv unrein, aber nur als Privatversehrter wittere ich den Gestank.

Er findet sich nicht mehr tauglich für das Leben hier und geht ab. Verschwindet im Ungewissen: «In der Küche fand sie die Zipfelmütze, auf einem Fetzen Papier stand: Bis auf weiteres abwesend.-

Der Roman Zündels Abgang ist nicht das neuste Werk vom Schweizer Autor Markus Werner, für alle Krimiliebhaber ist sein siebter Roman «Am Hang« ein weiteres Muss, ein sprachlich und inhaltlich dichtes Meisterwerk.


«Zündels Abgang, Markus Werner, erschienen im Residenz Verlag, Salzburg 1984